Du siehst! Ein Hund, und kein Gespenst ist da.

Folge 4, Aus dem neuen Leben eines Taugenichts

Die ersten beiden Wochen blieb der Hund im Tierheim, dessen Vorgaben erfreulich mit unseren eigenen Vorstellungen von einem allmählichen Kennenlernen übereinstimmten. Diese erste Zeit soll hier zusammengefasst geschildert werden:

Während der ersten Woche sind wir mit dem Hund täglich rund um das Tierheim spazieren gegangen. Äußere Umstände: Kälte , Regen, Matsch. Gummistiefel, Ernährung im fast food Restaurant an der Autobahnabfahrt zum Tierheim, aufkommende Zeitknappheit. Rechnet man Hin- und Rückfahrt zum Tierheim hinzu, dann gehen im Nu zweieinhalb Stunden dahin.

Die Zeit zum Nichtstun schrumpft zusammen; Arbeit muss schneller und disziplinierter erledigt werden. Der Abend muss für die Bewältigung des Jobs herhalten; was tagsüber nicht geschafft wurde, ist nach dem Abendessen nachzuholen.

Wir lernten uns gegenseitig schrittweise kennen, gleichzeitig behielt der Hund sein gewohntes Dach über dem Kopf mit den gewohnten Tagesabläufen. Die Übernahme des Hundes war noch nicht entschieden, bis dahin sollten nicht zu viele Veränderungen für ihn stattfinden. Nach den ersten Tagen begleitete Rio uns für eine Stunde zu einer ersten, kurzen Autofahrt (für den Hund eine leichte Übung). Ein, zwei Tage später kam er für ein paar Stunden mit zu uns nach Hause. Übernachtungen durften erst stattfinden, nachdem die Entscheidung für die Übernahme des Hundes gefallen war.

Bedingung für die Mitnahme eines Hundes zu Aufenthalten außerhalb des Tierheims und dessen Umgebung ist die Hinterlegung einer Kaution im Tierheim. Diese beträgt 200.- EUR und wird bei endgültiger Übernahme Rios als Vermittlungsgebühr einbehalten. (Hündinnen kosten übrigens 50.- EUR mehr) Ich unterschreibe vier Seiten Text mit allerlei Hinweisen und dann macht der Hund einen Ausflug in sein neues Revier.

Wir brachten Rio mit unserer alten Hündin zusammen, an der er mehr interessiert war als sie an ihm.

Wie von mir erwartet, war ihr der erste Kontakt mit diesem großen, munteren Rüden nicht ganz geheuer. Sie ist in einem Alter, in dem sie auf fremde, herumhampelnde, jüngere Hunde keinen Wert mehr legt. Sie möchte in Ruhe gelassen werden. Ein kurzes Knurren und Klappern mit mit den Zähnen in der Luft, damit er es kapiert; nichts Spektakuläres, das in irgendeiner Weise aus dem Rahmen fiele.

Im Haus brauchte Rio etwa eine Stunde, bis er annähernd zur Ruhe kam:

Bis dahin läuft er ohne Unterlass herum, sitzt maximal 30 Sekunden und läuft dann wieder herum, hechelnd, aufgeregt. Schließlich legt er sich auf die Seite und ruht sich ein wenig aus. Rio benutzt dabei weder das bereitgelegte Hundekissen (auf dem er sich merklich unsicher fühlt) noch einen Teppich, sondern bevorzugt die blanken Fliesen.

Ein paar Stunden später brachte ich Rio zurück ins Tierheim.

Ich habe genug gesehen und bespreche mit den Mitarbeiterinnen die Übernahme des Hunde. Im Laufe der Woche werde ich ihn noch zweimal abholen. Am Freitag erfolgt die Endkontrolle durch den Tierarzt, anschließend kommt er endgültig mit uns.

Nach etwa zwei Wochen lehrte Rio seinen letzter Fressnapf im Tierheim und verließ endgültig seinen wenige Quadratmeter großen Zwinger, der lange Zeit sein Zuhause war.

Im Haus dann zunächst wieder Unruhe, Rio läuft umher, insbesondere uns hinterher, wohin auch immer wir gehen. Wir fahren jede Aktivität herunter, kochen Tee und setzen uns gemütlich mit einem Kirschkuchen an den Tisch. Der Hund muss zur Ruhe kommen.

Der Prolog war damit beendet und es sollte sich zeigen, dass nicht nur Komödie, sondern auch Drama folgen würden.

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