Das Wichtigste ist, dass der Max Luft hat

Und dann ergab es sich, dass heute, nachdem ich meine Alltagserledigungen per Rad hinter mich gebracht und ein paar Hunde durch Feld und Flur sowie auf einem Hundeplatz bewegt hatte, ein waschechter Radweltmeister und Olympiasieger zum Tee zu Besuch war.

Im Frühjahr möchte ich bei einem Rennen starten und der Medaillengewinner, stets interessiert und hilfsbereit, möchte er für meine Trainingsbemühungen einen Trainingsplan erstellen, inklusive allerlei Messungen und unterstützender Software, die Körperdaten auswertet, deren Existenz mir bislang nicht einmal bekannt war. Mein „Plan“ hingegen sah ganz anders aus: Ich fahre auch den Winter über regelmäßig Rad, fahre vor dem Rennen etwas mehr als sonst, katapultiere mich über die Startlinie und falle eher ohnmächtig in den Straßengraben, als aufzugeben.

Nach einer Stunde und einigen Tassen Tee weiß ich, dass ich fast nichts weiß. Das Gehörte muss sich erst einmal setzen, mitnehmen kann ich vor allem, dass man wohl viel essen muss und sich nicht zu sehr anstrengen darf. Zwei Stunden vor dem Training wird gegessen und direkt im Anschluss daran, in der ersten halben Stunde, nachdem man vom Rad gestiegen ist. Husch, husch unter die Dusche und dann schleunigst an den Tisch. Und unterwegs, da muss auch gegessen werden, nach etwa eineinhalb Stunden wird es Zeit und was erfährt man: Der Profi hält durchaus unterwegs bei einem beliebigen McDonald und isst ein Eis, begleitet von einem Kaffee. Für Männer sei Eis fast ideal, Frauen dagegen sollten mit anderen Kohlenhydraten (z.B. Muffins) Vorlieb nehmen. Man frage mich nun nicht, wieso das so ist, das hat alles irgendwie mit Stoffwechseln und Hormonen zu tun.

Ganz schlimme Sache: Wenn man falsch -und das kann durchaus heißen „zu schnell“- trainiert, droht dem alternden Radfahrer trotz ständiger sportlicher Betätigung Ungemach: Dünne Arme, dünne Beine, aber Bauch.

Ende der kommenden Woche treffen wir uns noch einmal. Bis dahin sind Mensch und Maschine noch einmal vermessen und die Räder zentimetergenau anhand eines halben Dutzends Werte eingestellt. Dann geht es gemeinsam mit dem Profi auf Tour. Mir kommen erste Bedenken als er erwähnt, dass die Profifahrer, die mit sportlich ambitionierten Hobbyradlern unterwegs sind, darauf achten, keinen schnelleren Schnitt als 27, 28 km/h zu fahren. So könne man dann stundenlang rollen.

Alles in allem war das eine schöne Lektion, die sich getrost auf die Anstrengungen mit dem Hundetraining übertragen lassen: Man kann sich allerlei einschlägige Bücher und Zeitschriften kaufen, das Internet durchforsten. Kurzerhand kann aber auch gleich jemanden fragen, der das sein Leben lang macht, nachweislich Erfolge vorzuweisen hat und der in zwei Stunden Dinge auspackt, die man sich sonst ein Jahr lang mühsam erarbeiten müsste – in der Hoffnung, es dann auch richtig zu verstehen und umzusetzen.

Um die Kurve zu kriegen für jene, denen das hier zu radlastig wird und die doch lieber mehr vom Hund erfahren wollen: Auch der Gute Bubi bekam Profis verpasst, nicht aus bloßem Interesse, sondern aus unbedingter Notwendigkeit, davon später mehr. Und: Selbstverständlich läuft er am Rad (und das durchaus manierlich), wovon der geneigte Leser sich zu gegebener Zeit auch mittels eines Videos überzeugen darf. Stay tuned.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter kreuzbube fährt abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s