(Not) Every Dog’s got his day

Folge 6, Aus dem neuen Leben eines Taugenichts:

Eine freundliche Mitleserin dieses Blogs hat uns heute Morgen mit einem selbstgebackenen Früchtekuchen beschert, der aus Erfahrung gut ist und nicht lange vorhalten wird.

Wir sagen Danke und widmen uns nun wieder dem Hund, indem wir noch einen Blick auf Mosaiksteine aus den beiden Besuchswochen im Tierheim werfen.

Nun ist es amtlich, mit Brief, Stempel und Unterschrift. Rio wechselt dauerhaft das Heim. Die Stimmung ist gleichwohl ein wenig gedrückt; einen Hund nimmt man mit, etliche andere schauen einem durch die Gitterstäbe hinterher.

Allerlei Utensilien kamen zum Einsatz, kurze Leine, Schleppleine, Halsbänder, Brustgeschirr; Clicker, Leckerli, Ball, Beisswurst und sonstiges Spielzeug. Viel zu viel und viel zu früh. Aus Rios Karteiblatt ergab sich, dass ihn bereits vier, fünf andere Leute ausgeführt haben. Übernommen hat ihn niemand. Nachvollziehen konnte ich das seinerzeit nicht.

Im Moment verstehe ich das noch nicht so recht. Der Hund ist groß, ein Energiepaket. Nichts, was sich nicht handhaben ließe. 

Im Tierheim begann die Legendenbildung. 

Ich erfahre, dass die ersten Augenzeugenberichte im Tierheim die Runde machen. Der „reine Frauenhund“ Rio habe sich tatsächlich von mir streicheln lassen. 

Gemeinsame sportliche Aktivitäten mit dem Hund deuteten sich als schweißtreibend an:

Wenn Rio erst einmal ein paar Wochen den Tierheimaufenthalt aus den Knochen und Kondition erlangt hat, dann werde ich meine liebe Mühe haben, mitzuhalten. Auf die kleinste Temposteigerung, auf jeden Richtungswechsel reagiert er sofort mit einem Sprint. Galopp ist das, was Spaß macht, Trab ist zum Ausruhen da. Schritttempo? Wozu soll das denn gut sein, solange man noch nicht müde ist? 

Anzeichen für problematische Verhaltensweisen des Hundes traten zu Tage:

Die Annäherung mit der Hand von der Seite scheint ihm nicht zu gefallen. Zum ersten Mal zeigt er mir gegenüber Unbehagen. Die Beißwurst dagegen findet er klasse. Er rast hinterher, packt sie, sie wird wild geschüttelt. Hier endet allerdings schlagartig die Kooperation des Hundes. Denn er gibt die Beißwurst partout nicht her und es beginnt ein nachhaltiges, von Grollen begleitetes Kräftemessen.

Zu anderen Rüden wollte er unbedingt und in eindeutig unfreundlicher Absicht hin, sie waren ganz offenkundig weder seine Freunde noch zu dulden. Und auch Jagdinteresse deutete sich an:

Mit einsetzender Dämmerung sank Rios Aufmerksamkeit rapide … uns gegenüber. Der Feldrand dagegen begann, einen immensen Reiz auszuüben. Waidmanns Heil.

Eine kurz zu Besuch weilende Bekannte von uns glaubte, von Rio hinten in die Hose gezwickt worden zu sein:

Plötzlich meint sie, Rio habe ihr gerade leicht in den Hintern gezwickt. Leider haben wir davon nichts mitbekommen und sie hat darauf nicht reagiert. Wir machen kehrt, gehen wieder hinein und setzen uns noch einmal für ein paar Minuten hin. Rio ist wieder sanft wie ein Lamm.

Im Grunde war in den beiden ersten Wochen nicht mehr passiert, als dass wir uns ein Bild vom Hund in verschiedenen Situationen gemacht haben. Es waren jedoch noch zu viele Unbekannte im Spiel, als dass wir hätten sagen könnte, wie die Gleichung aufgeht. Vorsätze wurden aufgestellt und Fehleinschätzungen vorgenommen. Den Hund unterschätzt, uns selbst überschätzt, das trifft es wohl am Besten. 

Eine neue Aufgabe stellt sich: Halte das eigene Temperament im Zaum. Der Hund soll klare Strukturen und Wegweiser vorfinden und keinen emotionalen Achterbahnfahrten ausgesetzt werden. Er soll uns irgendwann gelassen und selbstverständlich im Alltag begleiten und zum Haushalt dazugehören. Wir leben mit dem Hund, nicht für ihn.

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