Stray Cat Strut

Folge 7, Aus dem neuen Leben eines Taugenichts

Als ich gestern Abend zu späterer Stunde mit dem Guten Bubi noch ein paar Schritte ging, lag im Lichtkegel der Laterne eine tote Katze am Straßenrand. Es war die mutmaßliche Mutter (mindestens) einer unserer Katzen, als Streuner hatte sie ihr Leben zwischen den Höfen des kleinen Dorfs vor den Toren der Stadt verbracht. Über Jahre hinweg hatte ich sie fast jeden Tag in der Nähe unseres Heims herumstromern sehen, sie und auch ihre Jungen, die sie alljährlich bekam.

Aus ihrer Verpaarung mit irgendeinem der ebenfalls umherstreifenden Kater landete vor Jahren die erste Katze bei uns. Sie lag, so schien es, tot in einer offenen Regentonne. Ich wollte sie damals schon beerdigen, als ich ein einsames Schnappen nach Luft bemerkte. Sie zog bei uns ein, wurde aufgepäppelt und lebt seither bei uns, wenn sie nicht gerade für ein paar Tage abwesend ist oder es sich bei der Nachbarin gutgehen lässt. 

Weil es hier jedes Frühjahr Maikätzchen und jeden Herbst Stoppelkätzchen gibt, folgten ihr -ich will nicht sagen zwangsläufig- weitere Katzenjunge nach. Ein wenige Wochen alter Kater lief am Feldrand laut schreiend auf die Hunde zu- und folgte ihnen einen ganzen Kilometer bis zur Haustür. 

Ein weiterer winziger Kater lag schreiend in einem Baumstumpf. Die Tiere waren in erbärmlichem Zustand, fast verhungert, mit Entzündungen und völlig zerzaust. 

Über Wochen hinweg bekamen sie alle paar Stunden ein Fläschchen mit Katzenmilch, bis sie wieder aufgepäppelt waren. Katerchen Nummer vier holte ich bei bitterer Kälte aus einem leerstehenden Stall, wo seine beiden Geschwister vor meinen Augen bzw. unter meinen Händen starben. 

Ihn haben wir nach ein paar Wochen an Bekannte vermittelt, die anderen drei fühlen sich Haus und Hof nach wie vor zugehörig. Sie gehen nach Belieben ein und aus und bis dato -toitoitoi- sind sie noch keinem Auto zum Opfer gefallen.

Wir hatten nicht vor, Katzen zu halten, erst recht nicht mehrere. Die Tierheime nehmen aber keine kleinen Katzenjungen auf, der Pflege- und Fütterungsaufwand sei zu groß. Ruft man dort an und fragt schließlich, was man mit dem Winzling denn machen solle, man könne ihn doch nicht einfach verhungern oder erfrieren lassen, dann wird die Antwort nicht zu Ende gesprochen: „Tja…“. Währenddessen finde ich im Briefkasten Spendenbriefe mit herzerweichenden Fotos junger Katzen vor – aus aller Herren Länder, der Rettung durch deutsche Tierschützer entgegen sehend, bereit, einen Düsenjet ins gelobte Land zu besteigen.

Einem Teil von Rios Vorgängern (von anderen müsste ich erst Papierfotos heraussuchen), die bei dieser Gelegenheit auch einmal vorgestellt werden sollen, wurden diese drei Katzen eine nach der anderen kurzerhand vor die Nase gesetzt und die Hunde haben schnell gelernt, sich mit ihnen zu arrangieren. Der Grad wechselseitiger Sympathie schwankte, aber sie kamen miteinander aus. 

Vom Guten Bubi hieß es im Tierheim, er habe in der Vergangenheit Jagd auf Katzen gemacht – und dies leider mit finalem Erfolg. Nun ist die Kennzeichnung eines Hundes als „nicht verträglich“ mit Katzen für mich ein Allgemeinplatz. Die wenigsten Hunde sind per se und auf der Stelle Freund jeder Katze. Die meisten Hunde versuchen, diesen Konkurrenten zu vertreiben. Das heißt aber nicht, dass man ihnen nicht beibringen könnte, die Anwesenheit der Katzen zumindest zu dulden und ihnen klarzumachen, dass Zähne in der Nähe von Katzenfellen absolut nichts zu suchen haben. Auch beim Guten Bubi hat das recht gut geklappt, wie eine Reihe von Fotos und Filmen noch zeigen werden.

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