Walking in a winter wonderland

Folge 18, Aus dem neuen Leben eines Taugenichts

Adventssonntag. 

Die einzige Aktivität ein morgendlicher ausgedehnter Spaziergang mit befreundetem Mensch und Hund in rauer, winterlicher Landschaft. Was sich anschließt, ist schnell zusammengefasst. Tee, Frühstück. Lesen. Musik. Herumlümmeln aller Zwei- und Vierbeiner. Die Wärme des Kachelofens genießen. Ein paar Kiefernzweige absägen und den Raum schmücken. Wieder Tee. Gebäck. Kuchen. Das, was dabei in meinem Kopf vor sich geht, kann man nicht wirklich als Denken bezeichnen. Alles ist so gedämpft und gemütlich wie das Licht des Adventskranzes. Mühsam versuche ich mich zu erinnern, ob ich schon vom Guten Bubi als Jäger berichtet habe. 

Rio ist vom Typus her eher ein Sichthetzer. Er scheint kein passionierter Fährtengänger zu sein, nimmt zwar Spuren auf und erschnüffelt sie, aber er bleibt in der Nähe, solange es nichts zu sehen gibt. Eine Krähe allerdings reicht schon aus, um ihn wie der Blitz 100 Meter und schneller als man reagieren kann, über das Feld rasen zu lassen. Er ist schnell weg, aber auch schnell wieder da. Da ist zwar nicht optimal wenn man daran denkt, wie der etwaig hetzende Hund dem Kaninchen oder dem Reh auf den Fersen die Landstraße überquert, aber die Ausgangslage könnte schwieriger sein. 

Mit der Hündin konnte und kann ich dank intensiven Trainings mit dem noch jungen Hund seit fast zwölf Jahren in Feld und Flur ohne Leine gehen und auch dem Wild hinterher laufen. Rios Vorgänger Eddie dagegen brauchte in den Hochzeiten seiner Jagdleidenschaften keinen Menschen, um Wald und Wiesen zu durchstreifen, um etliche Quadratkilometer große Tagebaugebiete abzusuchen und er wusste genau, in welchem Waldstück sich Wild befand. Da ist er dann hin. Und wenn er wieder heraus kam, dann nicht alleine. Zuerst ein paar Rehe, dann der Eddie, ihnen auf den Fersen.

Das ist nicht lustig, das eine oder andere Reh und der eine oder andere Hund hiesiger Hundehalter sind schon vors Auto gelaufen. Zudem ist so ein Reh nicht sonderlich ausdauernd. Wo der Bock federnd davon springt, macht das Reh nach ein, zwei Kilometer schlapp. Es wird langsamer und legt sich schließlich hin, kann dem vierbeinigen Jäger nicht mehr entkommen.

Jagdbegeisterung auf Verdacht zeigt sich bei Rio nicht. Sein Radius ist mir zu groß, das ja, und dass er außer den Krähen auch plötzlich aufspringenden Hasen und Rehen erliegen wird, daran zweifele ich nicht. Aber wie schon gesagt, er zeigt sich als Sichthetzer, der sich nicht von selbst in weit entfernte Gebiete begibt und stundenlang weg bleibt.

Diese anfängliche Einschätzung sollte sich in den darauf folgenden Wochen bestätigen. Rio betätigte sich nicht als Stöberhund, aber der Anblick von Wild auf dem Quadratkilometergroßen freien Feld (im Winter kommt das Wild bisweilen fast bis an den Ortsrand heran) ließ ihn dann doch zwei oder drei Mal alles um ihn herum (mich eingeschlossen) vergessen. So war also der Zwischenstand der Beobachtungen nach den ersten zwei, drei Monaten:

Fremde Menschen in der Nähe: Ätzend. Fremde Hunde nah und fern: Erst recht ätzend.
Wild: Gerne, aber es möge sich bitte sichtbar präsentieren. Fremde Katzen: Hinterher. Zeit für Veränderungen.

Zum heutigen Abschluss noch ein Dankeschön an die mitlesende, befreundete Hundehaltern P., die sich offenkundig über die Fortschritte ihres Hundes (und Rios Trainingspartners) freut und uns mit diesen schönen Teetassen beschenkt hat, die unvermittelt vor der Haustür standen.  

Das wäre selbstverständlich nicht nötig gewesen, wird aber gerne, gerne entgegen genommen. Herzlichen Dank!

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