Ohne Worte

Folge 26, Aus dem neuen Leben eines Taugenichts

Vor kurzem hatte ich beschrieben, dass und warum die Spaziergänge und die Kommunikation mit dem Guten Bubi mehr oder minder wortlos verliefen. Ich sollte dazu noch ein paar erläuternde Worte verlieren. Weil das aber -wie auch alles andere- nicht auf meinem eigenen Mist gewachsenen ist, darf ich an dieser Stelle die Worte von jenem zitieren, der mir das 1999 (?) oder so mal anlässlich des Trainings mit meiner alten Hündin erklärt hatte. (leider beschritt ich in den darauf folgenden Jahren noch manche Irrwege) In diesem Blog wollte ich keine Namen nennen, ich mache hiervon eine Ausnahme, weil Daniel nicht mehr in Berlin lebt, schon seit vielen Jahren mit seinem Lobo Park in Andalusien den weltweit größten Wolfspark betreibt und ich mich daher bei ihm jenseits virtueller Wege nicht mehr persönlich bedanken kann. Viele Trainer und Autoren verkaufen dem Kunden, dass sie selbst das Rad neu erfunden hätten. Ich hingegen bin von selbst eigentlich auf gar nichts gekommen ;-( …. und es gehört sich einfach, dass man sich nicht mit fremden Federn schmückt. Hier nun also noch einige ergänzende Zeilen zum weitgehend nonverbalen Umgang mit Rio.

„Die einzigen Lautäusserungen, die rudelintern ablaufen, betreffen das Knurren, welches eine einschränkende Warnung bedeutet, das kläffende Spiel–Auffordern, den gejaulten Schmerz (bzw. dessen Vorankündigung), das „Verbellen“ unliebsamer oder vermeintlich gefahrbringender Gegebenheiten und das „howling“ (heulen) zum Zusammenruf des Rudels. Jedwede andere Verständigung innerhalb eines Wolfs- und/oder Hunderudels läuft nonverbal ab. … Es gibt also im Verbalverständnis des Caniden keine Kommandos für die gewollte Erledigung bestimmter Aufgaben. Warum also, sind wir in Erziehung und Ausbildung so versteift auf Worte? Letztlich nur, weil wir gewohnt sind, mehr auf dieselben zu achten, denn auf Körpersprache. Wir glauben an Worte, weil wir verlernt haben, Gestik und Mimik richtig zu deuten. … Die Körpersprache ist die wohl älteste, ehrlichste und sicherste Art der Kommunikation, die wir kennen – und doch legen wir viel zu wenig Wert darauf. Der Hund kann sicher nicht so detailgetreu sehen, wie wir Menschen – doch kann er geringste Bewegungen auf eine sehr grosse Entfernung ausmachen, was uns wiederum zeigt, dass dies für ihn ursprünglich wichtig ist, da sonst diese Fähigkeit nicht vorhanden wäre. Warum also versuchen wir, dem Hund eine Sprache aufzudrängen, die er kaum verstehen kann – warum „reden“ wir, wenn wir viel einfacher „zeigen“ können?
Die Tatsache, dass wir extrem verbal orientiert sind, führt zu immerwährenden Missverständnissen im Hund-Mensch-Verhalten.Wir kombinieren sprachliche Äusserung mit Verstehen – der Hund aber nicht. „Ich hab´s ihm doch gesagt, dass er … machen soll“.
Entfernen wir uns jetzt einmal von aller stimmlicher Einflussnahme, so stellen wir in kürzester Zeit fest, dass wir dadurch mehr Verständnis, gesteigerte Lernbereitschaft und viel mehr visuelle Orientierung seitens unseres Hundes erreichen. Dass dies in Konsequenz erst dann funktioniert, wenn wir der verständigen Körpersprache mächtig sind und unser Hund uns als „Leitenden“ anerkannt hat, versteht sich von selbst.

Schränken wir unsere verbalen Kommandos auf „Null“ ein, so erreichen wir Folgendes:
Der Hund, der gewohnt ist, dass er permanent verbal kontrolliert und berichtigt wird, ist plötzlich alleine gelassen, da keine „Befehle“ mehr kommen. Folglich erreicht man eine gewisse Verwirrung, die sich darin äussert, dass er sich „rückversichert“. Dies kann aber wölfisch/hündisch nur visuell erfolgen, weshalb er nach uns schaut. Hier haben wir dann die Möglichkeit der stärksten Einflussnahme. Entweder durch Ignorieren/ Abschwächen – oder durch Unterstützen. Wir wollen erreichen, dass nicht wir auf den Hund achten müssen, sondern der Hund auf uns. Also müssen wir lernen, loszulassen, statt zwanghaft binden zu wollen.“

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