Vorbilder des Alltags

„Sitz!“ „Platz!“ „Fuß!“ „Steh!“ „Bleib!“ „Down!“ „Gib Pfote!“

… sind nicht gleichbedeutend mit Erziehung.

Erziehung bedeutet, Geist und Charakter eines Lebewesens zu bilden und ein soziales Verhalten zu erreichen, damit das Lebewesen sich in einem sozialen Umfeld orientieren und bewegen kann.

Ein Hund kann sozial und erzogen sein, ohne auch nur eins der oben genannten Kommandos zu kennen. (Ein paar Kommandos kommen dann als im Alltag nützliche Hilfsmittel hinzu.) 

Ein anderer Hund kann all diese Kommando erlernt haben und verhält sich dennoch unsozial und ist unerzogen. Ein Mensch kann womöglich sehr gut Geige spielen, schnell Rad fahren, einen Salto am Reck machen, Skulpturen schnitzen oder einen Blinddarm operieren. Das sagt alles nichts über seinen Charakter, über sein Sozialverhalten, über etwaige kriminelle Neigungen aus.

Ich könnte zur Genüge Videos von Hunden hier einbinden, die die tollsten Dinge vormachen. Für die meisten Menschen sind aber etwa ganz anderes wichtig, sie möchten ein ruhigen und freundlichen vierbeinigen Begleiter, der weder Freunde noch Familie noch Nachbarn zu Tode ängstigt. Sie möchten nicht vor Scham im Erdboden versinken, weil der eigene Vierbeiner vor aller Augen außer Rand und Band ist. Sie möchten nicht, dass andere, ob Zwei- oder Vierbeiner, gebissen werden und dass ihnen irgendwann die Haftpflichtversicherung kündigt.

Das, was mich interessiert, ist in seiner bildlichen Darstellung langweilig. Mir sind heute wieder ein paar dieser freundlichen, stressfreien und umweltsicheren Hunde begegnet. Sie fallen nicht weiter auf, wenn man nicht gezielt nach ihnen Ausschau hält. So wie dieser hier, der mit den beiden zugehören Leuten, die ebenfalls ganz relaxed unterwegs waren, vollkommen entspannt die Straße entlang schlenderte und überquerte. Leider konnte ich damals nur ein paar Sekunden davon filmen können, aber ich hatte sie zuvor schon getroffen und der Hund störte sich an gar nichts. Menschen, Hunde, Autos, Straßenbahnen, Mopeds, immer ganz cool. Ein Vorbild für den Guten Bubi, aber eins, das ihm sehr weit voraus ist.

Ist ein Hund so sicher, dann kann man ihm alles mögliche beibringen, jeden Trick der Welt, das schadet nichts und kann allen Beteiligten Spass bringen. Aber ihm alle möglichen Tricks und Übungen beizubringen, ohne dass ein stabiler Charakter vorhanden ist, das übertüncht nur die bröckelige Fassade. Ich schreibe das hier aus gutem Grund, bin ich beim Guten Bubi doch selbst nach geraumer Zeit in diese Falle getappt. Man muss sich Zeit lassen, darf nicht zu früh immer mehr als ursprünglich angestrebt erwarten.

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