Plisch und Plum

Gestern waren wir mal wieder im Tierheim. Um jede Vermutung im Keim zu ersticken, wir kamen ohne weiteren Hund wieder heraus. Besagtes Tierheim ist ein anderes als das, aus welchem der Gute Bubi stammte. Einer unserer früheren Rüden stammte von dort und auch eine Hündin. Weil wir nur 15 Minuten dorthin zu fahren haben und wir noch dazu den Sonntagmorgenspaziergang halbwegs in der Nähe dieses Tierheims verbrachten, schauten wir mal wieder rein, was sich unter neuer Leitung in den vergangenen Jahren hoffentlich zum Besseren gewendet haben sollte. Tja, und dann saß da einer, der den Gedanken aufkommen ließ, …hmmm … wie wäre es eigentlich… wir könnten doch… ob der Gute Bubi … nur mal raus holen und ausführen …gucken wie er so ist…

Aber, aber, aber. Nichts da. Der Vierbeiner war absolut scheu, unsicher, furchtsam gegenüber Menschen. Dass Hunde im Tierheim bellen, wenn Besucher kommen, ist völlig normal. Wir hocken uns also an sein Gehege, seitlich zu ihm, ohne Blickkontakt. Er bellt, grollt leicht, scharrt mit den Pfoten. So was sitze ich locker aus. Der Rüde allerdings auch. Er bleibt, wie er ist. Keinerlei Neugier, kein Versuch, nach zehn, fünfzehn Minuten mal einen Schritt nach vorne zu machen. Keinerlei Entspannung, keinerlei Interesse, mal etwas näher zu kommen und zu schnüffeln, was da nun los ist. 

Auch das ist nun nichts neues für mich, es wäre auch nicht das Problem, mit ihm schrittweise in Kontakt zu kommen und ihn auszuführen. In diesem Fall jedoch beenden wir den Test. Wir wissen genug. Der Hund ist fünf Jahre alt, wurde ursprünglich in Spanien als Streuner eingefangen, dann nach Deutschland geflogen, landete in Bayern in einem Tierheim und wurde später nach Sachsen in ein anderes Tierheim verfrachtet. Dort sitzt er nun auch seit weit über einem Jahr. Für jemanden mit dem geeigneten Umfeld und entweder ohne weiteren Hund oder mit einem gemütlicheren Hund, der sich nicht aus der Ruhe bringen lässt, ließe sich das durchaus angehen. Wir jedoch haben den Rio, und der braucht keinen Hund im Haus, der bei der kleinsten Kleinigkeit erregt und überdreht ist, den jeder Besucher aus der Fassung bringt. Der Gute Bubi kann mittlerweile die Anwesenheit von Gästen auf seinem Kissen verpennen. Er würde sich aber mit Sicherheit von einem weiteren Hund mit dessen Unsicherheit und Aufregung infizieren lassen. 

Und offen gesagt, auch ich habe derzeit keine Lust, mir die nächste derartige Aufgabe vorzunehmen. Wenn man mit einem etwas durchgeknallten Ersthund an einen Zweithund denkt (und wenn man zudem selbst beruflich und privat noch am Alltagsleben teilnehmen und auch mal verreisen möchte), dann sollte der Neuzugang ein freundlicherer Vertreter seiner Art mit einer ruhigen, entspannteren Ausstrahlung sein. Das wusste schon Wilhelm Busch:

„Bösewicht zu Bösewicht, auf die Dauer geht es nicht.“

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