Touch me, touch me, I want to feel your body

Folge 32, Teil 3 Aus dem neuen Leben eines Taugenichts

Da lag also der Rio brav im Platz in einem Ausflugslokal, eigens so hingelegt, dass er niemandem im Weg ist. Kümmert sich um nichts, stört sich an niemandem, stört niemanden. Es naht die Hundefreundin, sie tritt aus unerfindlichen Gründen hinter den Hund, geht dort in die Knie, beugt sich von hinten über ihn und tatscht ihm von hinten auf dem Kopf herum. Der Rio hält davon nicht viel, bleibt aber im Platz liegen, schnappt einmal nach seitlich-hinten in die Luft. Auf die Bitte hin, das sofort zu lassen, teilt die Hundefreundin mit, sie habe auch einmal einen schwierigen Hund gehabt, sechs Jahre habe sie gebraucht, bis er sich halbwegs benehmen konnte. Ja ja. Das glaube ich gerne. 

Die Hundefreundin zieht von dannen und wäre eigentlich keiner Erwähnung wert, würde sie nicht nach kurzer Zeit wieder vorstellig: Diesmal hockt sie sich vor Rio hin und schaut ihm tief in die Augen, versucht den Guten Bubi mental in ihr Universum mitzunehmen, welches auch immer das sein mag. Und Hundekuchen hat sie dabei, mit denen möchte sie den Rio füttern. 

Weil sich diese und ähnliche Geschehnisse in allerlei Variationen jederzeit zutragen können, geht es ein paar Wochen nach dem Training am Longierkreis mit dem Guten Bubi mitten ins pralle Leben. Im samstäglichen Alltagstrubel treffen wir uns mit J., der sich mit solchen schwer Erziehbaren wie dem Guten Bubi auskennt und der dem Rio fremd ist, was an dieser Stelle wichtig ist. Und dann geht es los. Wie eine Katze bewegt sich J. mit geschmeidigen Bewegungen um den Guten Bubi herum. Geht ganz nah an ihn heran, von allen Seiten. Berührt ihn aus allen Richtungen kommend und am ganzen Körper. Am Fang, am Kopf, den Leib entlang. Er stellt sich über den Hund, hält den Rio fest, von vorne, von der Seite, hinter ihm hockend, ihn mit den Armen umschließend. Volle Konzentration. Es gibt nur noch den einen Hund und den einen Menschen. Der Gute Bubi findet das nicht toll. Er hampelt, wehrt sich. Sein aggressives Verhalten jedoch verpufft, es bringt ihm nichts ein, die Nähe und die Berührungen bleiben. Dann jedoch: Zeichen der Entspannung des Hundes. Sofort lassen Nähe und Druck nach, „So ein Guter Bubi“. Wieder und wieder.

Fremde kommen vorbei und werden -bei vorliegendem Coolnessfaktor- kurzerhand dienstverpflichtet: „Jungs, der Hund muss üben, kommt mal her und fasst ihn an“.

Hingelegt wird er, der Gute Bubi. Im Liegen berührt. Beine schieben sich dicht an ihm vorbei, werden über ihn geschwenkt, er wird mit Händen und Füßen berührt, angestupst. Zwischendrin will er aufstehen, dann erfolgt mit der flachen Hand ein leichter Druck auf die Schulter. Er bleibt liegen, sofort zieht sich die Hand zurück: „So ein Guter Bubi!“ Der Rio streckt er sich, seufzt, atmet tief aus, wofür er mit langen, ruhigen Streicheleinheiten bedacht wird: „So ein toller Hund bist Du!“

Dann darf der Gute Bubi mit uns Menschen und ein paar anderen Hunden nun ganz entspannt und gut gelaunt herum scharwenzeln. Zwischendurch geht es weiter. J. stolpert und hampelt vor dem Rio herum, simuliert Betrunkene und Behinderte. Mützen werden vom Kopf genommen und geschwenkt, ausgeklopft und Jacken über dem Hund ausgeschüttelt. Nordic Walker werden gebeten, doch mal besonders auffällig klappernd am Hund vorbei zu marschieren. Das Fahrrad eines des Wegs kommenden Rentnerpaars wird eingezogen („Entschuldigen Sie bitte, wir brauchen mal kurz ihr Rad, der Hund muss was lernen“) In wackligen, trunken anmutenden Schlangenlinien geht es mit dem Rad um den Hund herum. Die Rentner sind sehr interessiert, freuen sich über ihren wegweisenden Beitrag zu des Caniden Sozialisierung. Das Ehepaar bekommt das Fahrrad zurück und hat ein Gesprächsthema für diesen Vormittag. Dann legt sich der Rio auf den warmen Asphalt, wir plaudern noch ein wenig, bevor es nach Hause geht, wo er den Schlaf der Gerechten schläft.

Das wäre zusammengefasst das, was wir an drei, vier Terminen veranstaltet haben. Und weil ich weiß, das man das nicht anschaulich genug beschreiben kann und man sich keine Vorstellung davon macht, was da ablief und wie es ablief, gibt es hier eine kleine Simulation, die ich nachträglich vorgenommen habe.

Für den Fall, dass jemand das nachmachen möchte: Im Video ist ein leider (mindestens?) ein Fehler enthalten, ich bin ja nur der Laie.

Nächste Folge: Rio und ziemlich viele fremde Hunde.

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