„Let’s get physical…“

…Let me hear your body talk“ (Olivia Newton-John)

Sprächen Hunde mit Worten, man hielte sie für ziemlich geschwätzig. Ständig haben sie sich etwas zu erzählen, müssen sie etwas über den anderen erfahren.
Nur tun sie dies in einer anderen Reihenfolge der Sinneswahrnehmung als wir. Ihre Nasen sind ungemein leistungsfähig und mit unserem rudimentär entwickelten Geruchssinn nicht zu vergleichen. Zu einem guten Teil ist uns die Welt, wie sie die Hunde sehen, verschlossen. Hunde warnen Diabetiker vor Unterzuckerung und zeigen bevorstehende epileptische Anfälle an. Sie nehmen biochemische Vorgänge in unserem Körper anhand des Atems und des Schweißes wahr. Hunde können sogar mit relativ hoher Trefferquote Krebszellen erschnüffeln. Kurz: Sie wissen mehr über uns, als wir glauben. Sie wissen etwas über uns, bevor wir selbst das tun. Man muss kein Hellseher sein um sich vorzustellen, dass sie auch unsere sonstigen emotionalen Befindlichkeiten mit Hilfe ihres Geruchssinns wahrnehmen können. Das macht es schwer, den Hund anzulügen. Steht unser Wollen mit unserem Sein nicht im Einklang, dann wird es schwer, überzeugend zu sein.

Die Geruchswelt des Hundes bleibt uns verschlossen, eine andere wichtige Kommunikationsform jedoch nicht. Körpersprache und Berührungen macht sich auch der Mensch zunutze, auch wenn er sie oft nur unbewusst erkennt und unterschwellig auf sie reagiert.

Hunde hingegen kommunizieren ganz selbstverständlich körperlich. Sie setzen Blicke, Mimik, Haltungen, Bewegungen, Positionen und Berührungen mit absoluter Selbstverständlichkeit ein. Das, was wir als „Spiel“ bezeichnen, ist oftmals ein Informationsaustausch, der zwischen den Hunden stattfindet. Sie finden etwas über sich heraus und über den anderen. Wer ist er? Wie ist er physisch und mental? Begegnet er mir eher dominant oder submissiv? Strahlt er Unruhe und Erregung aus oder Souveränität und Gelassenheit? Wo stehe ich im Verhältnis zu ihm? Konkurrieren wir?

Geistig gesunde Hunde beißen sich nicht ständig, sie fügen sich auch keine schweren Wunden zu. Sie setzen sich in einer ritualisierten Weise auseinander, schieben, rempeln, dominieren den anderen oder werfen sich submissiv vor ihm hin. Sie schnappen in die Luft, klappern mit den Zähnen. Die Rollen wechseln dabei während des Spiels. Keinem passiert etwas. Und keiner bleibt wütend, bleibt zornig, ist gar nachtragend. Das Spiel endet, die Hunde schütteln den Stress ab wie Wasser, wenn sie nass sind, und dann ist es auch wieder gut. 

Hunde, die das nie gelernt haben, nie die Möglichkeit dazu hatten, werden nie erfahren, wie man Artgenossen angemessen begegnet. Einen Hund wie den Guten Bubi führe ich daher gezielt an den Umgang mit Artgenossen heran, indem ich passende Vierbeiner aussuche bzw. die Hilfe Dritter und ihrer Hunde in Anspruch nehme.

Und auch als Mensch kann man erlernen, mit seinen Emotionen, gleich welche es sind, umzugehen und körperliche Kommunikationsformen so selbstverständlich einzusetzen, wie es Wortwechsel mit unseren eigenen Artgenossen sind. Man kann das alles tun, ohne in Extreme zu verfallen, in hysterischen Jubel oder Wut und Frustration. Woran ich persönlich jedoch nicht glaube: Dass man -jenseits reiner Dressurakte- wie ein Fremdkörper neben dem Hund stehen und ihn gleich einer mathematischen Formel behandeln sollte:

„Positiv. Verabreiche Nährstoffeinheit.“
„Negativ. Setze Sequenz unangenehmer Einwirkung in Gang.“

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