Still a rockstar!

So, so what?
I’m still a rock star
I got my rock moves
And i don’t need you
And guess what
I’m having more fun
And now that we’re done
I’m gonna show you tonight
I’m alright, I’m just fine
And you’re a tool
So, so what?
I am a rock star!
 (Pink!, So what?)

***

Folge 38, Aus dem neuen Leben eines Taugenichts

Mike Tyson war im Alter von 20 Jahren der jüngste Schwergewichtsweltmeister im Boxen aller Zeiten. In ärmlichen Verhältnissen geboren, war Tyson ein eher schüchternes, in sich gekehrtes Kind, dessen großes Hobby die Taubenzucht war. Als Heranwachsender jedoch geriet er auf die schiefe Bahn, wurde Dutzende Male von der Polizei festgenommen und landete schließlich in einer Schule für schwer erziehbare Kinder.

Als Kämpfer war Iron Mike schnell, aggressiv und kompromisslos, seine Gegner schlug er meist in den Anfangsrunden k.o. Man kann nicht sagen, dass Mike Tyson nicht ausgelastet war, ganz im Gegenteil. Die extreme physische und psychische Auslastung als Boxer verhinderte jedoch nicht, dass er nach der Vereinigung der Weltmeistertitel alle Verbände wegen Vergewaltigung verurteilt wurde und deswegen eine dreijährige Haftstraße absitzen musste. Eine Verurteilung wegen Körperverletzung und weitere Skandale schlossen sich an. Unrühmlicher Höhepunkt der Auftritte Tysons im Ring war seine Niederlage gegen Evander Holyfield, als er diesem frustriert einen Teil des Ohrs abbiss.

***

Rios Sportlerkarriere ist beendet, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Nachdem es eigentlich gut lief mit dem Guten Bubi, drückte ich aufs Tempo. Zu mir heranrasen und aus vollem Lauf ohne vorherigen Halt um 180 Grad an meine Seite springen? Jawoll. Rückwärts eingesprungene Drehung mit mir gegen den Uhrzeigersinn? Jawoll. Vorwärts-rückwärts-seitwärts, dann Drehung um 360 Grad? Jawoll. Beutespiele im Flug und Zerrspiele mit aller Macht und Kraft? Manches mutete in der Tat spektakulär an. Hundefreunde staunten. Solche Sachen mit einem Hund, der vor einem Jahr noch so war? Der Kreuzbube als Angeber.

Und der Rio, der begann sich schleichend wieder schlechter zu benehmen. Nach wie vor ließ er sich mit und ohne Leine überall führen, nach wie vor ging er niemanden an. Auf den ersten Blick sah das alles noch aus wie zuvor. Aber andere Hunde, die wurden wieder mehr fixiert. Man könnte dem ja doch einmal zeigen, wer hier … Die Erregung steigerte sich. Die Hausordnung wurde aufgeweicht, Liegeplätze so gewählt, dass Türen, Räume und die Bewegungen der Anwesenden kontrolliert werden konnten. Da brauchte es keines An- und Ausschalters für Anspannung und Erregung mehr. Der Gute Bubi blieb kurzerhand im Standby-Betrieb. Aber hat das nicht einen Heidenspaß gemacht, mit ihm so richtig Gas zu geben? Und hey, habe ich ihn nicht trotzdem im Griff gehabt?

Zwischendurch treffe ich mich mal wieder mit J., der muss das ja auch mal sehen: Guck mal was der Rio kann! Und was der noch kann! Und was er außerdem kann! Wow, was?

Der J. indes interessiert sich überhaupt nicht für Hundesport. Er weiß zwar, wie es geht, aber bei diesem Thema gerät er sogar kurz in Rage. Das brauche kein Familienhund und erst recht keiner, der sich in der Großstadt bewege. Ständig sollten sie alles schnell und zackig machen, die Hunde, dauernd und allzeit bereit Erwartungen erfüllen. Alles Quatsch, meint er, die Hunde sollen zur Ruhe kommen, sich benehmen und sich ohne Stress im Alltag bewegen. Das gelte auch für Rio. Der Hund sei explosiv – aber leider in beide Richtungen. Er verstehe, dass es verlockend sei, dieses Potential aufzugreifen. Er sei sich aber sicher, dass der eintretende Nebeneffekt unvermeidlich und absolut unerwünscht ist. Seine zusammenfassende Einschätzung: Rio wird nie ein gesunder Hund sein, aber einer den man, wie man sehe, überall leicht und entspannt führen kann. Ganz klar jedoch die Forderung: Kein Tritt aufs Gaspedal mehr. Stattdessen Übungen die Zuverlässigkeit und Präzision erfordern, keinesfalls aber Tempo bolzen und den Hund beschleunigen. Viel Bewegung, aber gleichmäßige Bewegung.

Zu diesem Ergebnis war ich zwar verstandesmäßig auch schon gelangt, aber die offenen Worte schaden nicht. Ich mache ja Sachen meist nicht falsch, weil ich sie nicht verstehe – sondern weil mir eigene Eitelkeit und Emotionen im Weg sind. 

Wir nehmen fortan das Tempo wieder aus dem Spiel und wie das aussieht, das zeige ich demnächst im Video. Etwas Wehmut bleibt dennoch. Was wäre möglich gewesen, mit einem kleinen, jungen Rio, der zu einem normalen Hund herangereift wäre?

***

Mike Tyson hat seine Karriere beendet. Er macht noch immer Sport. Vor allem aber ist er wieder dort angelangt, worin er als Kind seine größte Zufriedenheit fand. Er züchtet wieder Tauben.

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