Unter Reitern

Mit dem Reiten verbindet mich eine kurze Episode, die besser hinter dem Schleier des Vergessens verborgen bleiben sollte. Rückblickend scheint es mir, dass ich damals, als ich das unbedingt ausprobieren musste, mehr hinuntergefallen bin, als mich im Sattel zu halten. „Papperlapapp, so schwer kann das ja wohl nicht sein“ erwies sich seinerzeit als Trugschluss. 

Als Schüler habe ich zudem bei einem großen Reitturnier meiner Heimatstadt mehrfach als Tagelöhner gearbeitet, heißt: Morgens um sechs hingehen, fragen ob es Arbeit gibt. Zehn Stunden lang Stahlrohrtribünen auf- und abbauen und Sitze montieren bzw. demontieren. Sich vom Vorarbeiter antreiben lassen. Abends Bares auf die Hand bekommen. 

Am vergangenen Wochenende ergab sich die Gelegenheit, auf dem hiesigen Messegelände einer der größten Pferdesportveranstaltungen überhaupt beizuwohnen. Fast alle Größen des Reitsports waren vertreten. Showprogramm, Dressurreiten und Springen wurden geboten und drumherum fand über mehrere Hallen erstreckt eine Pferdemesse statt, auf der man sich mit allem ausstatten konnte, was man als künftiger Betreiber des Gestüts Kreuzbube so braucht. 

Da bot das eine oder andere Wohnmobil für Mensch und Pferd mehr Raum und Luxus als manches Apartment. Und vor allem die schicken Stiefel und Gamaschen fielen ins Auge. Was ich (immerhin ohne Pferd) damit sollte, wüsste ich zwar nicht, aber vielleicht reichthaben-wollen als Grund ja aus? 

Praktischer Weise hatte ich auch noch einen erfahrenen Reiter zur Hand, der nicht nur die begehrten Karten besorgen konnte, sondern mich das gesamte Weltcupspringen hindurch mit aus dem Ärmel geschüttelten Informationen zu jedem Pferd und jedem Reiter versorgte. Vielen Dank!

Ein paar der Dinge, die mir in besonderer Erinnerung blieben:

Für den Bodenbelag scheut man keine Kosten und Mühen. Für mehrere hunderttausend (!) EUR wurde für ein paar Tage ein Geläuf geschaffen, das extrem belastbar ist und gleichzeitig eine maximale Schonung der kostbaren Pferdegelenke und -sehnen bietet. Nach der Veranstaltung wird dieser Boden, ein Aufbau aus Split, Gummimatten mit Dämpfungs- und Drainagesystem und einer Spezialsandmischung, an Vereine verkauft, die sich das leisten können.

Die Pferde der Reiter aus Übersee werden schon Monate vor den wichtigen Reitsportveranstaltungen nach Europa geflogen und hier auf den großen Gestüten akklimatisiert.

Es gibt einen Unterschied im Reitstil der Europäer und der Amerikaner. Darauf habe ich erst geachtet, nachdem ich davon erfahren hatte, aber dann schien es mir unverkennbar. Die amerikanischen Reiter schienen mir treibender, mehr um Tempo bemüht, etwas aggressiver, auch wenn „agggressiv“ nicht ganz die passende Bezeichnung ist. Schnellere Beschleunigung, engere Kehren, etwas andere Sitzposition und Haltung.

Das nächste Foto zeigt den Franzosen Kevin Staut, der seit etwa zehn Monaten die Weltrangliste anführt. Seinen Namen konnte ich nur deshalb noch einem der vielen Bilder zuordnen, weil er die grün-gelbe Armbinde des Weltranglistenersten trägt.

Der Stil der europäischen Reiter wirkte auf mich kontrollierter, souveräner, mehr auf Fehlerfreiheit ausgerichtet. Es sah langsamer aus, war es aber angesichts der gemessenen Zeiten nicht. Alle Reiter, die null Fehlerpunkte aufwiesen, stammten aus Europa. Und sie waren gleichzeitig schneller -ohne schnell „auszusehen“- als jene Reiter, die als Tempomacher in Erscheinung traten, dann aber mit vier oder acht Fehlerpunkten bedacht wurden.

Sehr überrascht hat mich angesichts der Bedeutung des Weltcupspringens (dem Sieger winkten knapp 70.000.- EUR Preisgeld), dass einzelne Reiter, wie z.B. Olympiasieger Ludger Beerbaum, ihr Pferd aus dem Parcours nahmen als sie spürten, dass sie es nicht optimal an das Hindernis heranführen konnten. Sie trieben es nicht auf Teufel komm raus über das Hindernis hinweg, sondern ritten in aller Ruhe einen Kreis und nahmen dann einen neuen Anlauf. Jede Siegchance war damit dahin, aber das Pferd konnte lernen, den Rest des Parcours zu bewältigen.

Gar nichts zu melden hatten Reiter aus Russland bzw. den ehemaligen Sowjetrepubliken. Die kaufen zwar, so war zu hören, ratzfatz die teuren, vielversprechenden Hengste weg, aber das alleine macht es dann wohl doch nicht. Überhaupt, viele Hengste gab es, ich hatte erwartet, dass überwiegend Wallache antreten. War das nicht früher so?

Ja, hätte ich das Geld und die Zeit, dann hätte ich ein Pferd und der Gute Bubi wäre vielleicht mein Reitbegleithund. Nein, ich habe das Geld und die Zeit nicht, also kann der Gute Bubi mich weiterhin nur, aber das sehr schön, am Rad begleiten.

Mehr Fotos gefällig? Bitte schön:

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