Arbeit zieht Arbeit nach sich

Was wir hier sehen, ist ein Schrottauto, das in einem Stall untergebracht ist, in dem gearbeitet wird. Der Stall wurde im 19. Jahrhundert erbaut, hat eine Gewölbedecke und die war ursprünglich verputzt und ist im Laufe der vielen Jahre mehrmals übertüncht worden. Früher waren im Stall Kühe untergebracht und Millionen von Fliegen haben ihren Fliegenschiss an der Decke hinterlassen. An manchen Stellen ist der Putz abgebröckelt. So konnte das nicht bleiben. Der Kreuzbube entsann sich seiner proletarischen Herkunft und entschied, was der Großvater bis in Rentenalter hinein konnte, das kann er auch.

Nun hat diese Gewölbedecke eine Fläche von ca. 200 m² und der Putz, so stellte sich während des Stemmens heraus, saß zu zwei Dritteln noch bombenfest da, wo er einst hingehörte. Man könnte nun eine Firma beauftragen oder man könnte sich ans Arbeitsamt wegen der Beschäftigung von Arbeitskräften wenden. Man kann sich natürlich auch in den Zinswürgegriff einer Bank begeben und selbst kräftig im Hamsterrad strampeln, um das alles zu bezahlen. Das ist die Sache des Kreuzbuben nicht und auch nicht das Aufsuchen eines Amtes, das Warten auf linoleumbelegten Behördenfluren und Erledigen zusätzlichen Papierkrams. Beim Kreuzbuben ist das so: Samstags um acht denkt er sich: Los geht’s. Der Bohrhammer wird ausgepackt und dann wird gehämmert. Das ist die äußerste Vorplanung, die hier denkbar ist.

Dem Putz jedenfalls kann man nicht gut zureden. Besser gesagt, man das zwar tun, aber es bewegt ihn nicht. Auch mit schnöder Gewalt gelangt man nicht ans Ziel. Das Testosteron ist schnell verbraucht und zudem haut man Löcher in die Hohlziegel, aus denen die Deckenkonstruktion gemauert wurde. Im Laufe der vielen Stunden entwickelt man verschiedene Techniken, wie man dem Putz zu Leibe rückt. Setzt man richtig an, dann geht es ein wenig besser und schneller. Doch auch das ist zweitrangig. Es bleibt anstrengend, es bleibt schmutzig.

Entscheidend ist einzig, beharrlich und beständig voran zu arbeiten. Es spielt keine Rolle, ob es Spass macht. Man darf im Grunde genommen überhaupt nicht darüber nachdenken. Stunde um Stunde einfach machen. Weil es gemacht werden muss. Das ist der einzige gedankliche Ansatz, der zählt. Es gibt keinen Trick, mit dem es im Nu erledigt wäre. Gewusst wie, kann man kann sich die Arbeit zwar ein wenig erleichtern. Aber es bleiben 200 Quadratmeter, von denen 150 sich hartnäckig den Angriffen des Kreuzbuben widersetzen. Der Kreuzbube braucht für jeden davon etwa eine halbe Stunde.

Der Kreuzbube weiss, wie viele Stunden er an einem Tag schaffen kann. An wie vielen Tagen ihm das möglich ist. Wie weit er nach vier Wochen sein wird. Was er nach einigen Monaten erreicht haben wird. Immer vorausgesetzt, er bleibt kontinuierlich und ohne Ausreden am Ball. 

Nach dem Stemmen, wenn der Kreuzbube von der provisorischen Arbeitsbühne herabsteigt, fallen noch kleinere Aufräumarbeiten an, die erledigt er mit links. Sie sind sozusagen die Belohnung für das vorangegangene Tun, weil sie weniger anstrengend sind und hinterher alles ordentlicher und nach getaner Arbeit aussieht.

In mancherlei Hinsicht erinnert das an die Erziehung des Guten Bubis.

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