„Je höher der Affe steigt, desto mehr Hintern er zeigt.“

Folge 39, Aus dem neuen Leben eines Taugenichts

Wie zuletzt geschildert, entstanden nach etwa einem, anderthalb Jahren gewisse Dissonanzen zwischen mir und dem Guten Bubi. Das hatte ich mir selbst zuzuschreiben. 

Wir müssen uns zurück erinnern: Auch die Tierheimmitarbeiterin, die nach etwa acht Monaten zu einem Kontrollbesuch zu uns nach Hause kam, berichtete von ihren früheren Erlebnissen mit Rio. Wie er Übernahmeinteressenten angegriffen hat. Wie er sich ihr entzogen hat und aggressiv in eine Kindergruppe gerast ist. Wie er sich auf andere Hunde gestürzt hat. 

All das war bereits Schnee von gestern. Ursprünglich hatten wir nur vor Augen, dem Hund ein möglichst aggressionsfreies Leben zu ermöglichen. Spaziergänge, so dachten wir anfangs, würden wohl dauerhaft an längerer oder kürzerer Leine stattfinden. Den Hund überall dabei zu haben, diese Vorstellung hatten wir bei ihm nicht. Diese Anfangserwartungen hatten wir weit übertroffen und wie das so ist, wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er auf’s Eis.

Ich begann wirklich zu hadern mit dem Hund. Sah sein ursprünglich einmal vorhandenes Potential, dachte, da geht doch noch mehr. Begann unzufrieden zu werden, wenn etwas nicht wie gewünscht klappte. Dieser undankbare Hund. Habe ich mir nicht so viel Zeit für ihn genommen? Habe ich mir nicht solche Mühe mit ihm gegeben? Könnte er da jetzt nicht etwas zurückgeben? Das sind natürlich alles ganz dumme Gedanken, aber sie müssen erwähnt werden, weil ich aus meiner persönlichen Perspektive berichte – und die ist eben nicht frei von Dummheit.

Überhaupt ist (Hunde)erziehung keine Frage des Intelligenzquotienten oder einer akademischen Bildung. Bisweilen, so scheint es mir, ist Bildung im akedemisch-technischen Sinne sogar hinderlich, wenn sie Intuition und Empathie im Wege steht. Alles ist sehr kompliziert. Wie man es macht, macht man es falsch. Einerseits … andererseits.Berufsbedenkenträger.

„Soll ich’s wirklich machen oder lass ich‘ lieber sein?
Ja … nein … ich mein … jein.“
 (Die Fantastischen Vier)

Der Hund braucht nicht so lange. Der entscheidet. Direkt und ohne Umweg.

So, wo waren wir? Ich habe gerade etwas den Faden verloren. Ach ja, unzufrieden war ich. Mehr wollte ich vom Guten Bubi. Die Quadratur des Kreises. Eine ruhige und ausgeglichene Sportskanone sollte er sein. Das blieb nicht ohne Folge. Es fühlte sich nicht mehr gut an, irgendwie „harzig“, „zäh“. Ich war nicht böse zu ihm, das nicht. Aber ich fühlte mich ungeduldig, genervt. Das müsste doch jetzt längst klappen.

Zeit, wieder loszulassen. Sich erneut zu vergegenwärtigen, dass das kein vollends neuer Hund wird. Dass er eigentlich ganz prima ist, wie er ist. Dass die wichtigen Dinge noch besser werden können, wenn ich mich nicht auf die unwichtigen versteife. 

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