„Hatte gesmeeck? Seel leckel!“

Also, wie schon gesagt, da waren die beiden Franzosen, die hier zur Schau gestellt werden sollten. Das ist insofern wenig spannend, als sie ohnehin fast immer die jeweils einzigen Vertreter ihre Art sind und damit automatisch den ersten Platz belegen … doch halt, wir müssen das anders anfangen, jene ohne Hund können sonst nichts damit anfangen.

Stellen wir uns also vor, wir haben uns einen kleinen Chinesen gekauft adoptiert. Er wird mit einem Handbuch geliefert und darin ist sein Erscheinungsbild und sein Charakter festgeschrieben. Gelbe Haut, zwei vorstehende Schneidezähne mit ordnungsgemäßer Zahnlücke von mindestens einem, jedoch nicht mehr als anderthalb Millimetern. Schwarze Haare und Topffrisur. Kann das „r“ nicht aussprechen, ist immer freundlich am grinsen. 

Diesen unseren kleinen Chinesen stellen wir nun anderen Freunden kleiner Chinesen vor. Der Chinamann wird, wie andere Chinamänner auch, an den Chinesenfreunden vorbei im Kreis geführt. Wir wollen ja sehen, ob sie auch auf amtlich kurzen Beinen mit leichter Außenkrümmung lustig herumwackeln.

Wir haben nicht nur Glück, sondern mit Kennerauge die richtige Wahl getroffen. Unser kleiner Chinese erfüllt alle Attribute und darf sich fortan als vorzüglicher kleiner Chinese tituliert sehen. Einem anderen Fernostbewohner hingegen mangelt es am vorgeschriebenen Überbiss und der Haarschnitt ist nicht akkurat. Das gibt Abzug, bestenfalls ist er noch ein guter kleiner Chinese. Da nützt es nichts, wenn man selbst schon in China war und aus eigener Anschauung einwenden kann, dass die Chinesen dort aber ganz anders aussehen, als es vorgeschrieben ist. Denn die vom Verband für das Chinesenwesen, die kennen sich aus. Die wissen, wie er auszusehen hat, der Chinese. Hier, in Deutschland.

Unser Kollege, etwas unglücklich mit seinem Chinesen minderer Güte, trickst nun. Er wendet sich vor der nächsten Schau an Willi Wucher. Willi ist seit einem Vierteljahrhundert im Chinesengeschäft. Wenn einer gute Chinesen liefert, dann er. Willi kennt sie alle, die vom Verband für das Chinesenwesen. „Willi hält dichte, sagt nicht viel“. Der Willi, der führt nun unseren C-Chinesen vor. Und siehe da, schon ist Ching-Chang, so heißt der kleine Gelbe, wenigstens ein sehr guter Chinese. Das ist prima, schon erhöhen sich seine Chancen, einmal mit einer kleinen Chinafrau weitere kleine Chinesen in die Welt setzen zu dürfen. 

Ob Ching-Chang ein fleissiger, ausdauernder Reisbauer oder ein Produktpirat ist oder gar der berüchtigten Kontrabassbande angehört, das spielt hingegen keine Rolle. Aussehen wie ein fleißiger Reisbauer, zumindest so, wie der fleißige Reisbauer im Verbandsblatt beschrieben wird, das sollte er. Ob er zum Reisbauern taugt, wer sollte danach fragen? Denn seien wir doch mal ehrlich, wo wird denn hier schon Reis angebaut?

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