Erst schießen, dann fragen, 2

Vor geraumer Zeit hatte ich anlässlich der Erschießung zweier Familienhunde ein wenig Licht auf das Persönlichkeitsprofil des amtierenden Innenministers de Maiziere geworfen. Dass es sich bei den damaligen Geschehnissen nicht um einen Ausrutscher der „Elite“polizisten handelte, zeigt ein weiterer Fall auf. Aus Sorge um ihren gepanzerten Leib erschießen Polizisten eines Sondereinsatzkommandos einen älteren Labrador. Der hatte das Pech, dass sein Herrchen ihn mal bei seinem Bruder abgab, während ein jüngerer Verwandter sich im Partykeller des Hauses aufhielt – mit einem Kilo Marihuana.

Aus der Märkischen Allgemeinen:

Zum Ablauf der nächsten Sekunden gibt es zwei Versionen. „Scotty hat nicht einmal gebellt, nur mit dem Schwanz gewedelt“, sagt Torsten Schmiedecke. Sein Vater, der vorm Fernseher saß, habe noch gerufen: „Nicht schießen, der Hund gehört gar nicht uns!“ Dann vier trockene Schläge, das Tier ist tot.

Anders klingt die Geschichte aus dem Mund von Toralf Reinhardt, Sprecher des Landeskriminalamts: Das Tier sei auf die Beamten zugerannt und habe „auf Ansprache nicht reagiert“. Daraufhin sei „zur Eigensicherung“ der Polizisten geschossen worden. Reinhardt: „Es tut uns leid, das war wirklich nicht unser Ziel.“ Dennoch sei der Einsatz korrekt verlaufen.

Ein halbes Jahr später stellt die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren gegen die Polizisten ein. Die Märkischen Allgemeine vom 11.07.2011:

Die Schmiedeckes hatten ihren Liebling zur Betreuung in dem Haus eines Verwandten abgegeben. Was sie nicht ahnen konnten: Unter demselben Dach hielt sich ein Drogendealer auf, der an dem Nachmittag eine Lieferung erwartete (MAZ berichtete). Als die Beamten, die ihn beschattet hatten, mit dem Rammbock die Tür aufbrachen, sahen sie Scotty. Sekunden später lag das Tier in einer Blutlache, getroffen von mehreren Kugeln. Aber schon die Zahl der Schützen ist umstritten. Fünf Patronenhülsen aus drei verschiedenen Waffen wurden sichergestellt.

Die Elitepolizisten sagten ihrerseits aus, zunächst habe der erste Beamte zwei Projektile auf Scotty abgefeuert. Ein weiterer Polizist habe den neun Jahre alten Hund dann mit einer Schrotflinte getötet, „um dem noch lebenden Tier Qualen zu ersparen“, wie es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft heißt.

Weil der Polizist schnell handeln musste, könne man „keine mutwillige Zerstörung oder Tierquälerei“ unterstellen – Tiertötung gilt rechtlich als Sachbeschädigung. „Ein öffentliches Interesse an Strafverfolgung besteht nicht“, schreibt die Staatsanwaltschaft abschließend.

Ist aber auch unerhört von dem Hund. Da kommen plötzlich wildfremde Leute durch die Tür (mit einem Rammbock) und der läuft auf die zu. Und hört noch nicht mal auf sie!

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