Spielen Hunde?

Folge 44, Aus dem neuen Leben eines Taugenichts

Ein aufklärerischer Blick durch das unbestechliche, weil maschinelle Auge.

Ob Hunde spielen? Es kommt darauf an. Darauf, was man unter Spiel versteht. Lässt man Rugby als Spiel gelten, bei dem das eine oder andere Messer im Ärmel oder den Stutzen versteckt bereit gehalten wird, dann ja.

Die hier zu sehenden Hunde kennen sich. Sie betätigen sich ausgiebig in der dargeboten Weise. Dabei geht es nicht stets lustig, nett und harmlos zu. Die Hunde trainieren, was ihnen angeboren ist. Jagd, Verteidigung gegen (Fress-)feinde. Ein Rollenspiel, bei dem die Rollen von einer Sekunde auf die andere wechseln, beliebig oft. Mal ist der eine der Jäger, mal der andere. Sie verhalten sich dominant und submissiv, ebenfalls abwechselnd.

Es wird mit den Zähnen geklappert, geschoben, gerungen, gerempelt, das Fell lang gezogen. Allenfalls trägt einer mal eine Schramme davon, das ist kein Drama, mehr passiert nicht.

Wenn’s mal Gequieke gibt, kein Problem. Wenn der Kleine, der Junge, quiekt, ist nicht der Große stets der Böse. Bisweilen muss der Kleine lernen, wie man sich angemessen anderen Hunden gegenüber verhält. Bisweilen quiekt er auch schon, wenn der andere noch 30 cm von ihm weg ist. Prophylaktisch.

Es ist aber nicht selbstverständlich für jede Hundebegegnung, dass alle miteinander spielen wollen und dass zudem glimpflich aus geht, was man irrig für ein Spiel hält. Wir sind nicht bei Walt Disney. Nicht jeder Hund mag alle anderen Hunde, nur weil diese auch Hunde sind. Manche Vierbeiner mögen andere Hunde ganz und gar nicht. Der Konkurrent, auf unnatürlich engstem Raum, auf gleichem Territorium? Warum sollte er den mögen? Ihn Süß, goldig finden? Mit ihm spielen wollen?

Welpen spielen mit ihren Wurfgeschwistern, mit anderen Hunden des Rudels, soweit der Altersunterschied nicht zu groß ist. Eine Welpenspielgruppe, die angeblich jeder Hund in irgendeinem Hundeverein besuchen soll, ist nicht das eigene Rudel. Das vermeintliche Spiel der Welpen in dieser Gruppe ist oft für einen der jungen Hunde der pure Stress. Er ist die Beute, alle anderen machen auf ihn Jagd. Das ist für ihn weder lustig, noch hilft es bei der Sozialisation. Ganz im Gegenteil.

Zwei Hunde können gut miteinander spielen, da klappt der Rollenwechsel. Sind es mehr als zwei Hunde, muss die Chemie stimmen und die Hunde sollten sich abrufen lassen, falls die Situation doch einmal zu kippen beginnt.

Bin ich mit mehreren anderen Hunden unterwegs, dann dürfen die am Anfang gar nicht miteinander spielen. Es wird nicht sofort aufeinander zu gestürmt. Vor allem wird nicht auf dem Weg und zwischen den Beinen der Menschen gespielt, schon deren Kreuzbänder wegen.

Stattdessen gehen alle ruhig und gesittet spazieren. Eine halbe Stunde lang, da können die Vierbeiner schnüffeln, ihre Geschäfte erledigen, sich im Beisein der anderen fortbewegen. Wenn alle dann entspannt sind, dann dürfen sie an geeigneter Stelle loslegen, sich miteinander austoben. Anschließend geht es den Rest des Spaziergangs wieder ruhig und gesittet des Wegs.

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