So wird Fernsehen gemacht, 2

Schönen Guten Tag, hier ist das Westfernsehen. Das Westfernsehen!

Tach. Und?

Ja, Herr Kreuzbube, wir haben gehört, sie kennen sich da mit dieser Sache aus.

Ja. Und?

Wir vom Westfernsehen würden Sie gerne interviewen!

Ach wissen Sie, zu dem Thema haben doch Kollegen von Ihnen schon mehr als einmal was gemacht.

Ja, aber wir wollen das noch mal aufarbeiten. Diese Sache soll jetzt angeblich auch hier im Westen passieren und nicht nur bei Ihnen im Osten.

Mag sein, aber das Thema ist doch schon ziemlich ausgelutscht.

Hm, das hat der F. aus H. auch schon gesagt.

Sehen Sie.

Schwamm drüber, wir machen da trotzdem noch was zu. Und Sie kennen sich doch da aus! Sie kämen auch ins Fernsehen! Das wäre doch eine prima Werbung für Sie!

Alles, nur das nicht! Aber bitte, ich kann mal schauen, wann ich vielleicht Zeit hätte. Hm, die nächsten zwei Wochen ist alles voll.

Wir wär’s mit morgen? 

Völlig unmöglich, ich habe alle Hände… und sparen Sie sich die Frage: Ich komme nicht zu Ihnen nach Köln. Nicht mal, wenn Sie mir die Fahrkosten erstatten.

Hm, da müssten wir ja zu Ihnen reisen. Hm, da muss ich schauen, ob das klappt. Hm. Ich rufe Sie wieder an.

*** 
Zwei Stunden später.

Hallo, hier ist wieder das Westfernsehen! Also das klappt, wir wären dann morgen bei Ihnen! Wir würden dann auch gleich bei Ihnen drehen. Allerdings stellen sich zum Sachverhalt für mich noch Fragen, Sie könnten mir nicht heute nachmittag noch ein bisschen was an Material zusammenstellen? Vor allem Dokumente, die wir abfilmen können?

Weil ich ja sonst nichts zu tun habe? Was Sie wollen, kostet mich den Rest des Tages!

Prima! Bis morgen dann.

***

Am nächsten Tag.

So, da sind wir. Wir bauen da jetzt erst einmal alles auf bzw. um. Das geht so gar nicht. Die Fenster müssen wir verdunkeln, der Tisch, die Stühle da, die müssen weg und … ach lassen Sie nur, setzen Sie sich einfach da hin, wir machen das schon.

Fangen wir mal an. Nein, so geht das aber nicht. Sie haben da ja eine Haarsträhne in der Stirn! Warten Sie, mein Kameramann kümmert sich darum.

Aber der Dieter Kürten … ach vergessen Sie’s. Nicht wichtig. Kleiner Insiderscherz.

***

Eineinhalb Stunden Später.

Vielen Dank, Herr Kreuzbube, dass sie sich so lange Zeit genommen haben. Schon ist der Nachmittag herum. Perfekt. Sehr interessant. So aufschlussreich! Nicht zu fassen! Da müsste man noch mehr dazu machen, meinen Sie nicht?

Jetzt brauchen wir noch ein paar Aufnahmen, in denen es so aussieht, als würden sie was arbeiten. Nehmen Sie doch mal ein paar Blätter Papier und malen Sie irgendwas vor sich hin. Ja, wunderbar. Und jetzt könnten Sie so tun, als würden sie was lesen. Ja, genau so.

*** 

Vier Wochen später. Bekannte:

Herr Kreuzbube, wir haben Sie im Fernsehen gesehen. Im Westfernsehen!

Ach was.

Ja, da war ein langer Beitrag zu dieser Sache. Und Sie waren am Schluss auch dabei. Mindestens zehn Sekunden lang!

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