Auch in 2012 wieder: Kein Plan

„Ja, mach nur einen Plan
sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch´nen zweiten Plan
gehn tun sie beide nicht.“

Bertolt Brecht, Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens

***

Schaue ich zurück auf die Jahre, die ich bislang auf dem Buckel habe, dann verliefen die mehr oder minder planlos. Schule, das ging irgendwie immer, die Noten stimmten. Wozu gezielt Hausaufgaben machen oder im Übermaß zum Unterricht erscheinen? Ging es nicht darum, dass man Arbeiten und Tests besteht? Studium, mal betrieben, mal hingeschmissen, wieder aufgenommen. Am Schluss ein Wisch in der Hand, man attestiert dem Kreuzbuben, dass er einen Test bestanden hat. In Erinnerung bleiben vom Studium vor allem der Allgemeine Hochschulsport, die Sommerfeste der verschiedenen Fakultäten und das Backgammonspielen im Campuscafé. Und Jobs, um irgendwie die Miete und alles andere bezahlen zu können. Alle Arten von Jobs, tags, nachts, drinnen, draußen, in der Sonne, im Regen, im Frost. Angenehme, gut bezahlte; Tagelöhnerarbeiten, nach denen man morgens um fünf nachfragte in der Hoffnung, dass der Vorarbeiter nickt. Schließlich Rüdiger, Speerwerfer und Schauspieler, genial und gescheitert, dem ich eines morgens im Campuscafé 20 Mark in die Hand drückte, weil er mir eine Schallplatte besorgen wollte. Die 20 Mark sah ich angesichts seines Alkoholkonsums als verloren, da dringend anderweitig benötigt, an. Zwei Wochen später war die Schallplatte im Café für mich hinterlegt. Mahlers 8. Sinfonie, versehen mit in akribischer Handschrift verfassten Anmerkungen Rüdigers.

Alles lief so dahin, wie es gerade kam.

Nach dem Studium, Karriereplanung, Vermögensplanung, Familienplanung? Was ist das denn? Was kommt, das kommt, was ausbleibt, bleibt eben aus. Es begegnen mir weiterhin Menschen und Gelegenheiten, die einen nehme ich war, die anderen verstreichen und irgendetwas, was auch immer, ergibt sich daraus. Oder eben auch nicht. 

Ich glaube mit Fug und Recht sagen zu können, noch nie ernsthaft etwas geplant zu haben. Man sollte das wohl tun, allein, es will mir nie gelingen. Im Gedanken an einen Plan erschöpft sich dessen Ausführung bereits. Interessiert mich etwas genug, dann tue ich es, engagiert. Ohne lange Vorüberlegungen. 

Was ich eigentlich nur sagen wollte: Ich werde im Jahr 2012 nicht in fünfzehn Stunden an die Ostsee fahren. Im vergangenen Jahr erlebte ich, der eine oder andere wird sich erinnern, eine dieser üblen Provokationen, die mir meist ein „Klar schaff ich das!“ entlocken. Ich habe aber keinen Plan, wie man sich auf so ein Vorhaben vorbereiten soll, ob man sich überhaupt darauf vorbereiten kann. Um mich selbst zu zitieren (damals ging es um ein kurzes Rennen):

Mein „Plan“ hingegen sah ganz anders aus: Ich fahre auch den Winter über regelmäßig Rad, fahre vor dem Rennen etwas mehr als sonst, katapultiere mich über die Startlinie und falle eher ohnmächtig in den Straßengraben, als aufzugeben.

Mir schwant, dass diese Strategie nicht zielführend ist, wenn es um eine solch aberwitzige Distanz von 450 km -an einem Tag- geht. Trainingspläne zu erstellen, vielleicht gar frühmorgens aufzustehen, um noch im Dunkeln zu trainieren, das scheitert an meinen jahrzehntelang geübten Gepflogenheit. Die Anmeldefrist habe ich folglich verstreichen lassen. Und die vorhandenen Räder (der Geldbeute ohnehin), verhindern, dass ich die Möglichkeit zur Erlangung einer Wildcard nutze: Zum Mitveranstalter gehen und dort den Carbonrenner kaufen, den er stets aufs Neue an mich loswerden will. (Ist mit nur zwei Farben eh nicht bunt genug, das Rad…)

Brecht übrigens, der hat für seine Dreigroschenoper geklaut. Sich bei Versen Francois Villons bedient. Seine Erben wiederum sind ganz pedantisch, wenn es um die Aufführungsrechte seiner Stücke geht. Wehe, da will einer mal ein Jota anders interpretieren.

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