In fünf Sekunden zum Erfolg

Folge 50, Aus dem neuen Leben eines Taugenichts

Als Zahnarztfrau werde ich immer wieder gefragt, Kreuzbube, wie lang ist er, der Weg zum Erfolg? Fünf Sekunden, sage ich da immer, in nur fünf Sekunden schaffen auch Sie das!

Und das geht so: Man baut konsequent einen Puffer von fünf Sekunden ein zwischen Absicht und Ausführung und bleibt konsequent tagaus-tagein, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr, dabei. Ohne Ausnahme.

Bevor der Gute Bubi morgens das Haus verlässt, wartet er auf seinem Kissen. Ich trete zu ihm, zähle innerlich bis fünf und dann geht er in Ruhe mit mir zur Haustür. Dort setzt er sich wieder hin. Sollte ich noch nicht ausgehfertig sein, wartet er ohne Hampeleien, bis ich Schuhe und Jacke, Schal und Mütze an habe. Aber auch wenn ich schon so weit bin, die Tür öffnet sich erst nach fünf Sekunden des Wartens. Dann stürmt er nicht heraus, sondern wartet, bis ich ihm das Okay für das Verlassen des Hauses gebe. Falls ich ihn anleine, machen wir das ebenso. Die Leine wird eingeklinkt, ich zähle innerlich bis fünf und dann erst gehen wir.

 Auch unterwegs dann, wenn ich die Leine ab gemacht habe, wartet er. Keinesfalls stürmt er sofort los. Er geht ein paar Meter an meiner Seite, dann gebe ich ihn frei. Nach demselben Schema läuft es ab, wenn wir nach Hause kommen. Er wartet vor der Tür, diese öffnet sich. Wir warten. Dann gehen wir ins Haus, dort wird er bis zu seinem Kissen gebracht. Dort begann der Spaziergang, dort endet er nun.

Autofahren? Wie gehabt. Rio sitzt neben mir, ich öffne die Heckklappe. Er wartet fünf Sekunden, dann darf er reinspringen. Raus geht es auf die gleiche Weise. Ich öffne die Heckklappe, Rio wartet, nach fünf Sekunden springt er raus, an meine Seite. ich mache die Heckklappe in Ruhe zu, stecke den Autoschlüssel ein und dann gehen wir los.

So mache ich das bis heute, Tag für Tag, immer und ohne Ausnahme. Es erscheint womöglich völlig überzogen, so unlocker, aber für des Guten Bubis Betragen hat es im Verbund mit anderen Maßnahmen entschleunigende Wirkung gehabt; mal abgesehen davon, dass ich persönlich keinen Hund haben möchte, der sich hektisch durch jede Tür drängelt, losrast, noch bevor man die Leine entfernt hat und im Haus herumspringt, weil er es kaum erwarten kann, dass es losgeht. (Von Rios früherer Beschleunigung in Richtung humanoider Lebensformen wollen wir gar nicht reden…)

Es ist einfach so: Ohne Hektik und gemeinsam mit mir gelangt der Gute Bubi überall hin. Ohne mich und mit ADHS hingegen nirgends.

Kandidat Rio braucht das so. Klare, gleichbleibende Regeln. Ein verlässliches Verhalten meinerseits. Würde ich schludrig, ließe ich immer mal -und das dann zunehmend- alle Fünfe gerade sein, bekäme ich im Nu die Quittung dafür. Ich würde mir das wieder einreißen, was ich mir mit dem Hund mühsam erarbeitet habe.

kreuzbube

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