Kreuzbube gleicht aus!

acker„Ausgleichssport“, meint der Olympionike. November, Dezember, Januar, da bleibt das Rennrad mehr oder minder stehen, bei ihm und auch bei den von ihm trainierten Junioren. An der allgemeinen Athletik wird in dieser Zeit gearbeitet, Fahrten im Gelände kommen aufs Programm, sogar der Tretroller, den ich schon gezeigt hatte und vor allem das Laufen. Das sieht dann zum Beispiel so aus: Man läuft locker einen halbe Stunde, sucht sich einen Anstieg. Dann rennt man ein paar Mal rauf und wieder runter, anschließend geht es wieder locker zurück nach Hause. Im Vordergrund stehen bei kalter Witterung Bewegungsformen, die den ganzen Körper aktivieren statt der sehr starren Haltung auf dem Rennrad. Ersatz für Letzteres gibt’s -theoretisch- auf dem Ergometer oder der Trainingsrolle. Dabei sollte ich, so meint der Könner, in einem Raum mit stets gleicher Temperatur strampeln. Das kommt mir gar nicht in die Tüte und die Begründung dafür habe ich sogleich wieder vergessen, denn das Fahren auf einem Ergometer oder der Trainingsrolle ist so gar nicht meine Sache. Im Heizungsraum, neben der Waschmaschine, mit Blick auf die Wand? No way.

Nach langen Jahren des Pausierens habe ich daher das Schwimmen wieder aufgriffen und entgegen ersten Befürchtungen muss ich sagen: gar nicht so schlecht.  Schwimmen kann ja, wer wüsste das nicht, unendlich langweilig werden, hin zum Beckenrand, zurück zum anderen Beckenrand, wieder hin, wieder zurück… Zu sehen gibt’s nichts, außer dem Grauen grotesk übergewichtigen Aufsichtspersonals, und Überraschungen bleiben aus. Da muss ich anders ran und zuerst aufs Zählen der Bahnen verzichten. Dann lenke ich die Konzentration auf andere Dinge: Wie gleite ich durchs Wasser? Kampf und Krampf oder wird es geschmeidig? Und siehe da, so nach drei vier Tagen wird es langsam angenehm. Den ganzen Tag belasten wir sonst unsere Füße, die Knie, die Hüften. Im Wasser ist alles anders, es trägt bekanntlich. Und wie lang man sich macht! Bei Booten wie bei Schwimmern gilt: „Länge läuft.“ Vom Ausgreifen der Hand, dem Eintauchen ganz weit vorne bis zum Fußschlag weit hinten ist alles das genaue Gegenteil der gekrümmten Haltung auf dem Rad. Man wächst über sich hinaus, ist gleich einen gefühlten Kopf größer. Ich kann den Besuch der Schwimmhalle nur empfehlen. Man geht rein, schwimmt und geht nach einer Stunde wieder raus. Der Zeitaufwand ist überschaubar und man fühlt am ganzen Körper eine gewisse angenehme Ermattung. Ein Feedback von Trizeps, Latissimus & Co ist der Lohn. Herz und Kreislauf werden ohnehin trainiert, ob im Wasser, beim Laufen oder auf dem Rad.

Nicht, dass ich jetzt nicht mehr Rad führe. Meine Alltagswege und Arbeitswege sind ohnehin zu bewältigen und machen summa summarum, je nachdem, welchen Schlenker ich unterwegs machen muss, 30, 40 km aus. Mit dem Guten Bubi fahre ich zudem hinter dem Hof los ins Grüne, was in Ostdeutschland bedeutet, dass es quadratkilometerweit quer über Wiesen geht – ohne befestigte Feldwege. Einen Kilometer durch feuchte, tiefe Futterwiesen zu pflügen heizt gewaltig ein, kalte Finger oder Füße sind ein Fremdwort, und ein Kilometer Ackerplackerei kostet mich mehr Körner als 10 Kilometer auf der Straße. Nach einer Stunde des Schritthaltens mit dem Vierfüßlers weiß ich, was ich getan habe. Auch der Crosser kommt (für Ausflüge ohne Hund) zum Einsatz, aber auch das ist zeitlich limitiert, erfolgt eher kurz und intensiv.

schwimmender fuchsbergerDie ruhige, gleichmäßige Bewegung jedoch gönne ich mir derzeit im gut beheizten Schwimmbecken und ein weiterer Vorteil daran ist: Man braucht nichts an Ausrüstung. Badehose, Schwimmbrille und -je nach Länge der sonst in die Augen fallenden Haare- eine TarnBadekappe. That’s it. Das kostet nicht die Welt und es erfordert keine Vorbereitung. Findet man keinen Gefallen mehr daran, ist nicht unnütz Geld draufgegangen. Duschen müssen wir sowieso, sonstiger Pflege- oder Reparaturaufwand wie beim Rad entfallen. Damit wären wir auch schon beim Thema fürs nächste Mal, denn mir ist eingefallen, dass ich für meine Stammleser nach längerer Zeit eine neue Folge der Sendung mit der Maus ausstrahlen könnte.

Bis dahin: Geht mal schwimmen. Und hinterher vielleicht in die Sauna.

Tipp: Samstags, 12:00 Uhr. Da ist das Bad am wenigsten besucht, zumindest hier ist das so und aus eigener Erfahrung an anderen Orten sowie aus zuverlässigen weiteren Quellen weiß ich, dass es auch in anderen Städten ähnlich aussieht.
Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter kreuzbube krault abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Kreuzbube gleicht aus!

  1. kreuzbube schreibt:

    Ach, ich empfinde ja vieles als „teuer“, von dem ich mir immer mal sagen lassen muss, dass das heutezutage halt so viel koste. 4,50 EUR für eine gute Stunde in der Schwimmhalle zähle ich dazu. Und wenn ich das jüngst erworbene Schuhwerk in D-Mark umrechne… Zeiten sind das… 😉

  2. rebekka schreibt:

    Guter Tipp, vielleicht komme ich tatsächlich auch wieder dazu, trotz angefangenem Ausgleichssport Laufen ;)! Ich schwimme nämlich für mein Leben gern und war mit kurz vor 20 jede Woche 2.5km unterwegs… Allerdings ist es hier in Kaiserslautern zumindest im Winter sehr teuer, da im Winter nur ein super-Spaßbad mit Wellness [und kleinem Sportbereich] zur Verfügung steht. – Ich kann alle genannten Vorteile nur bestätigen!

    • kreuzbube schreibt:

      Hier gibt es ein halbes Dutzend „Volksschwimmhallen“. Das sind kleine Schwimmhallen mit 5 Bahnen zu 25 Metern. Da sind aber nur Leute, die schwimmen wollen, man ist von diesem ganzen Spaßgedöns verschont und kann gut seine Bahnen runterspulen. In der Mitte ist eine Bahn für „Schnellschwimmer“ abgetrennt, da muss ich natürlich rein… 😉 Außerdem gibt es noch ein Sportbad mit 50 Meter Bahn. Das Problem sind hier die miserablen Öffnungszeiten. Zwei, drei Tage in der Woche sind die Bäder für die Öffentlichkeit ganz geschlossen, an den anderen Tagen bekommt man dann so etwas präsentiert: „6:30 bis 8:00 Uhr“. Gnädigerweise wird wenigstens an einem Tag ein üppiges Zeitfenster von 5 Stunden geöffnet. Es liegt natürlich am Geld. Personal will bezahlt werden, doch in Großstädten versenkt man die Kohle lieber in prestigeträchtigen Großprojekten.

      Preise: 3,70 EUR. Mit Zehnerkarte 3,30. Oder man kommt zur letzten Stunde, an besagtem Samstag um 12:00 Uhr, und bezahlt nur noch 2,70 EUR.

      • Rebekka schreibt:

        Ja, sowas zum Abspulen hätt‘ ich auch gern wieder. Hier kostet’s – egal, wie man’s macht, ob mit Monatskarte oder 1oer oder mit Mondscheintarif am Ende der Öffnungszeiten – mindestens 4,5o für 7o Minuten im Schwimmbad. Und das ist eine Frechheit, wie ich finde.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s