The Diamond Roadshow

It’s gonna be a long way
It’s gonna be rough
It’s gonna be lonesome
It‘ gonna be tough.
Digger Barnes, Long way vom Album Every Story True

***

Jahresrückblicke sind eine dieser Belästigungen in den Medien, die ich weitläufig umfahre. Pleiten, Pannen, Katastrophen, herzerwärmende Einzelschicksale, die immer gleichen Versatzstücke (die mich schon über das Jahr hinweg nicht interessiert haben) noch einmal bzw. schon wieder Revue passieren lassen? Nein, Danke. Ich hätte natürlich selber einen schreiben können, natürlich ganz, ganz anderes als die anderen. Sicher.  Also habe ich es gleich wieder sein lassen. Doch gab es 2012 eine Episode, die mir in besonderer Erinnerung geblieben ist, weil sie den Charakter unserer Blogsportart widerspiegelt . Es bringt die Sache auf den Punkt: Das eine ohne das andere funktioniert bei uns nicht.

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Ein Kreuzbubenwochenende. Sonntag gegen 2 Uhr in der Früh ins Bett, um sechs wieder wach und dann in des Vorsitzenden Begleitung auf dem Rad bis in den Nachmittag hinein als lonesome rider auf schmalen und menschenleeren Wegen und Straßen Ostdeutschlands unterwegs.

In einer Samstagnacht war die Diamond Road Show im Leipziger UT Connewitz, diesem herrlichen Kinosaal aus dem Jahre 1912, an dessen Wänden sich seit ewigen Zeiten Putz und Farbe allenfalls in untergeordneter Andeutung befinden.

Der Vorsitzende, selbst seit ewigen Zeiten auf der Bühne und mit Auge und Ohr für Künstler jenseits der betonierten subventionierten Hochkultur, hatte es mir geflüstert, also sind wir da hin, bevor am nächsten Morgen eine stundenlange Fahrt durch -so war es angekündigt- Kälte und Regen in unserem Roadbook stand.

The Diamond Road Show, das sind Digger Barnes und Pencil Quincy. Quincy bedient eine Art moderner Laterna Magica, die sich auf einem Plattenteller dreht und vor deren wechselnden Hintergründen er Figuren und Gegenstände setzt. Das wird von ihm auf vielfältige Weise beleuchtet und dann mittels eines Projektors auf eine große Leinwand gebeamt. Vor der singt und spielt Digger Barnes, nimmt die Zuschauer mit auf eine endlose, einsame und melancholische Reise durch die Welt, die Quincy hinter ihm live erschafft.

Nach Mitternacht dann, mit einer Fülle von Bildern im Kopf, rollt der Kreuzbube mit dem zweirädrigen Citycruiser über die nächtliche Landstraße nach Hause, summt während dieser halben Stunde einen von Diggers Songs vor sich hin und könnte kurzerhand weiterfahren, keine Pause einlegen, bevor der Vorsitzende frühmorgens vor der Tür stehen wird. Es ist nach solchen Abenden ohnehin nicht daran zu denken, gleich ins Bett zu gehen. Da wird noch Musik gehört und eine nächtliche Mahlzeit muss her.

Dann geht es so langsam, Bettschwere setzt ein, Augen kurz zu, der Wecker klingelt, Augen wieder auf. Anziehen, Tee kochen, der Pilot ist pünktlich vor dem Tor gelandet und wir rollen los, sind den Rest des Tags unterwegs auf einer von uns bislang nicht bzw. wenig befahrenen Route. Der Regen setzt zu Beginn kurz ein, bleibt dann für die nächsten 100 km aus, während, so scheint es, Pencil Quincy seine Landschaften erschafft, Wolken verschiebt, einen Lichtpunkt auf uns herab scheinen lässt und uns als kleine Pappfigurenradler auf eine rastlose Fahrt schickt. Es ist sonst kaum ein Mensch unterwegs; wir sind tief entspannt und euphorisiert zugleich, können uns an der Szenerie kaum satt sehen. Später dann, für etwa eine Stunde, strömender Regen. Er passt in die Stimmung, trübt sie nicht, wir nehmen es an, das Wasser von oben, den Sprühnebel von vorne ins Gesicht, her damit, nasser als nass kann man nicht werden, es ist nicht kalt, so what?

The Diamond Road Show, liebe Freunde, immer irgendwo unterwegs

The Diamond Road Show verkauft direkt nach den Konzerten ihre Alben als Vinylscheibe, CD und Kassette.
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