Mit Philly Sound und Lederjacke

Der Philly Sound war in den 70er Jahren eine sehr erfolgreiche Stilrichtung des Soul. Namensgeber war die Stadt Philadelphia, wo zwei Musikproduzenten eine Band von insgesamt 30 Studiomusikern zusammenstellten, die über ein Jahrzehnt hinweg mit verschiedenen Vokalisten einen Hit nach dem anderen einspielten. Der eine oder andere erinnert sich vielleicht zumindest an die Coverversionen von Me and Mrs. Jones (Billy Paul über das gesamte Video hinweg mit nem Joint zwischen den Lippen…) oder  If you don’t know me by now.

lederjackePhiladelphia ist auch die Heimatstadt von Rocky Balboa, und Gonna fly now, das Titelthema der Rocky-Filme dürfte jedem geläufig sein.  In Teil 4 trifft Rocky auf die russische Menschmaschine Иван Драго, gespielt vom gebürtigen Schweden Dolph Lundgren, der aber sehr russisch aussieht, weil er einen Büstenhaarschnitt hat, wie ihn bekanntlich jeder Russe trägt. (Dragos Ehefrau ist die gebürtige Dänin Brigitte Nielsen, die aussieht wie jede gebürtige Skandinavierin aussieht.)

Der seelenlose russische Klopper wird mit allen Mitteln der fortgeschrittenen Sportwissenschaft trainiert. Er rennt in weißen Lycra-Höschen durch high tech-Trainingsanlagen, hat ausgeklügelte Trainingspläne, wird unentwegt gemessen, vermessen, neujustiert. An allen denkbaren Rädchen der Menschmaschine wird gedreht, bis sie perfekt ist, bis hin zum perfekten russischen Akzent, den bekanntlich jeder Russe hat.

Rocky hingegen, der alte Straßenschläger, geht mal wieder back to the roots. Er sucht sich in Russland, wo es bekanntlich immer schneit, eine Blockhütte, zieht sich schwere Stiefel, Wollmütze und eine mit Lammfell gefütterte Lederjacke an und dann geht es los. Durch tiefen Schnee läuft und rennt er. Holz hackt und sägt er. Baumstämme schleppt er. Einen Pferdeschlitten schiebt er an; immer begleitet von einer schwarzen Limousine des KGB, der bekanntlich immer schwarze Limousinen fuhr und immer überall dabei war.

Der Laborrusse Drago dreht derweil verkabelt seine Runden unter dem Kunstlicht seiner Betonbunkertrainingsanlage. Alle Messwerte beweisen es: Er ist die perfekte Menschmaschine, unbesiegbar! Dann zieht Rocky die Lederjacke, die Wollmütze und die schweren Stiefel aus, steigt in den Ring und haut dem Russenroboter auf die Glocke. Ein superrealistischer Film also, wie ohnehin die ganze dem Genre des american neorealism zuzuschreibende Reihe der Rocky-Filme.

think rocky_1

Später dann hat mein Kumpel Sly mir die Originaljacke aus dem Film vermacht. Das verpflichtet, und so ziehe ich mir täglich die schweren Stiefel, die Wollmütze und besagte mit Lammfell gefütterte Lederjacke an und stapfe, stolpere und laufe (mit dem Guten Bubi) durch den Schnee. Bisweilen steige ich auf ein grobstolliges Mountainbike und pflüge damit über tiefverschneite Futterwiesen und das Gelände des Kieswerks. Ich bringe es dabei auf Geschwindigkeiten von etwa 10 km/h (geschätzter Wert), meine Anstrengungen jedoch stehen denen Rockys kaum nach.  Wie vor geraumer Zeit schon angedeutet, messe ich nichts mehr, kein Entfernung, kein Tempo. Aber ich bin jeden Tag stundenlang draußen und steige ich mal aufs Rennrad um, dann stelle ich fest: Es läuft. Kein Grund also, sich wegen des Wetters Gedanken zu machen. Passt man sich eben an. Geht das eine nicht, macht man was anderes.

Wo wir gerade so schön am Plaudern sind, kann ich auch mal was von früher erzählen. Damals, zu BRD-Zeiten, da war das so: Rocky, zum Beispiel besagter Teil IV, flimmerte über die Leinwand und der kreuzbube lief anschließend, Wetter hin oder her, seine Runden um die Kaserne der US-Armee, die um die Ecke lag. Immer am Zaun entlang, am Baseballfeld vorbei, an der riesigen Sporthalle vorbei, an den Häusern der Offiziere vorbei, an den Unterkünften der Mannschaftsgrade vorbei, am Parkplatz vorbei, wo die Soldaten ihre Autos zum Verkauf anboten, an der bewachten Einfahrt zur Kaserne vorbei, die früher eine deutsche Kasenre war, bevor sie eine französische Kaserne wurde, bevor sie wieder eine deutsche Kaserne wurde, bis sie eine amerikanische Kaserne wurde, um heute einer der üblichen Gewerbe“parks“ zu sein.

Jahre zuvor, in den 70ern, war die Kaserne ein schöner Ort für den kleinen kreuzbuben. Man konnte da recht problemlos rein, weil viele deutsche Zivilisten für die Amerikaner arbeiteten und Angehörige sie am Arbeitsplatz besuchten. Das wurde ganz locker gehandhabt. „My father is working here, at B6“, und schwups war man drin. „Drin“, das hieß Bowlingbahn, Flipperautomaten, Burger, Basketballhalle. Wohlgemerkt, das waren Zeiten, als es noch nicht an jeder Ecke McDonald’s gab. Im Sommer dann deutsch-amerikanische Freundschaftsfeste auf dem Kasernengelände, mit barbeque (nicht zu verwechseln mit dem deutschen Bratwurstgrill), ice-cream (viel cremiger als das, was wir hatten), Maiskolben mit Butter, cole slaw, unglaublich schmierig-süßen Kuchen. Und jede Menge Cola aus für damalige Verhältnisse riesigen Bechern. Es gab amerikanische Klamotten zu kaufen und es gab Musik von Militärkapellen bis hin zum Philly-Sound. Ein großer Spaß war immer das Werfen mit dem Baseball. Ein Soldat saß ein paar Meter über einem Wasserbassin, man warf mit dem Baseball auf eine Scheibe und traf man sie, platschte der Soldat durch eine Falltür runter ins Wasser.

Überhaupt waren das nette Leute in den Kasernen, die haben schon mal unter der Hand Sachen vertickt, von Zigaretten bis zu allerlei Nahrungsmitteln.  Für die GIs war der Dienst in Deutschland finanziell ein Hauptgewinn. „One dollar buys 3,50 DM“, da konnten sie richtig zuschlagen. Ehedem Arbeitslose haben sich bei der Army eingeschrieben und den Liebsten zuhause in Übersee mal gleich ein Foto vom BMW geschickt. Irgendwann gab es dann in verschiedenen Orten der Welt Anschläge auf US-amerikanische Einrichtungen und die entspannten Zeiten waren vorbei. Zäune, Stacheldraht, Barrieren; Wachen, die wirklich wachten, kein Durchkommen mehr.

Meine nie existente Ader fürs Militärische wurde damals nicht geweckt, aber eins habe ich mitgenommen: Man braucht eine mit Lammfell gefütterte Lederjacke. Für alle Fälle, damit man auf die Russenroboter vorbereitet ist.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

26 Antworten zu Mit Philly Sound und Lederjacke

  1. prieditis schreibt:

    Ich hatte damals temporär Humor und auch einen Aufkleber, so einen schönen blauen.
    Da stand drauf:
    Lieber eine Pershing im Garten, als eine SS-20 auf dem Dach.

    DAS fiel mal so richtig auf, im Sonnenblumenfeld ;o)

    • mark793 schreibt:

      Haha, sehr schön. Zum Ende meiner Dienstzeit hatte ich eines meiner olivgrünen T-Shirts mit dem Spruch „Petting trotz Pershing“ verziert.

  2. don ferrando schreibt:

    Na an der politischen Ausrichtung der Lehrer lag es nicht.die meisten waren eh relativ jung. Sogenannte 68er.
    Und 80% Schweine, egal ob Sozi oder die wenigen CSU’ler.

    Dagegen waren dann die Uffze echte Philantropen!

  3. don ferrando schreibt:

    ich wollte einfach nicht zum Bund
    Für mich war der Wehrdienst wie eine Befreiung nach dem Terror von neun Jahren bayerischen Gymnasiums.

    • kreuzbube schreibt:

      Unsere hessische Schule war eher wehrkraftzersetzend. Der Klassenlehrer war der frühere Juso-Vorsitzende der Stadt und allgemein konnte man die Stimmungslage mit dem Motto „Hopp-hopp-hopp, Atomraketen stop!“ Naja, was man damals halt so gerufen hat. „Wir wollen keine, Scheiß-Bullenschweine“ gab’s auch noch, fällt mir gerade ein. Und natürlich „Keine Macht für niemand“. (hat sich allerdings nicht gereimt) So’n Zeug eben. Ich glaube, ich muss dazu nicht mehr sagen.

      • fritz_ schreibt:

        Auf der Rennverkleidung meines Mopeds war vorne ein Aufkleber drauf: eine rot durchgestrichene schwarze Rakete auf gelbem Grund. Originaltext: Gegen Nato-Waffen, Frieden schaffen. Das war die Zeit nach dem sog. Nato-Doppelbeschluss. Das Nato hatte ich überklebt und „alle“ darübergeschrieben.
        Konnte keiner was dagegen sagen.

      • mark793 schreibt:

        Bis auf den in der CDU aktiven Direx hatte das Lehrerkollegium bei uns auch eher einen ziemlichen linksliberalen Drall, und das ganze SMV- und Schülerzeitungs-Ding war fest in der Hand von Müslis, SDAJ-lern und sogar richtigen Kommunisten. Nicht zu verweigern war somit eine eher einsame Entscheidung, aber Lügen lag mir noch nie, und ich hätte schon arg lügen müssen, um eine Chance zu haben, als KDVler anerkannt zu werden. Kann sogar sein, dass ich mit Hinweis darauf, dass schon zwei meiner Brüder dabei gewesen waren, drumherum gekommen wäre. Aber bei allem Horror davor war da auch der Reiz, es drauf anzukommen zu lassen. Zumal ich nach dem Abi eh noch nicht den klaren Plan hatte, wie es weitergehen soll.

  4. kreuzbube schreibt:

    @mark: Ich will da mal nicht mehr draus machen, als es war. Ich hatte damals keine so ausgeprägte pazifistische Gesinnung, die mir aus Gewissensgründen den Dienst an der Waffe verboten hätte, (das musste man aber halt sagen).

    Ich wollte einfach nicht zum Bund. Sagen wir es mal so, ich tue mich nicht so leicht damit, mich in Gruppen einzugliedern und der Gedanke , für 1 1/2 Jahre in einer Kaserne mit einer Truppe von Männern untergebracht zu sein, die sich in ihrer Freizeit volllaufen lassen, erzeugte ein Bild vor Augen, das schon im Vorfeld starkes Unwohlsein bei mir hervorrief.

    Heute hingegen habe ich eine spürbare Abneigung, wenn ich irgendwo Kriegsgeräte herumstehen sehe. Dieser ganze Stahl, der verarbeitet wird, um möglichst effektiv möglichst viele Leute umzubringen, löst wirklich Aversionen dagegen aus. Ging mir zuletzt in Peenemünde so, wo einige alte Mordmaschinen herumstehen. Oder auf einem Autobahnparkplatz, wo ein großer Panzer auf einem Sattelschlepper stand. Den Anblick empfand ich schon fast als pervers. Als Kind habe ich mich in die Dinger reingesetzt, wie auch in die Jets der Amis und fand das aufregend.

    • fritz_ schreibt:

      Ja, Peenemünde. Aus der Abteilung “it’s not my department says Wernher von Braun”. 🙂
      Ich habe mir das gerne angesehen in bewusster schizophrener Verdrängung als Meilenstein der Weltraumfahrt (jetzt mache ich die Mr.-Spock-Geste).

      Über Peenemünde hat der erste menschgemachte Gegenstand, die A4, den Weltraum erreicht (je nachdem, wen man fragt, beginnt der Raum in 100 km Höhe).

      Und diese Rampe für die Fieseler Flugbombe! Was für ein Aufwand, um ein paar Kilo Sprengstoff in gemütlicher Geschwindigkeit von A nach B zu schaffen. Mein Gott Walter!

      Aber wirklich wichtig war mir am Ende des Tages, dass ich mit dem Boot an- und abreisen durfte. Der Segellehrer war entspannt, ich habe den Kahn im Bodden nicht auf Grund gesetzt, keine Robben überfahren und gehalst wie ein Karnickel. Piraten ahoi! 🙂

      • kreuzbube schreibt:

        In Peenemünde gab es 2007 eine sensationelle Ausstellung: „Janke vs. Wernher von Braun“. (Wäre im Grunde einen eigenen Beitrag wert)

        Karl-Hans Janke erlitt in WW II einen Dachschaden und wurde ausgemustert. Nach dem Krieg begann er zu verwahrlosen, als seine Mutter 1948 starb. Die DDR steckte ihn in die Psychiatrie. Dort fertigte er in den kommenden vier Jahrzehnten 4500 technische Zeichnung und machte 400 „Erfindungen“, darunter ein Kreiselhubschrauber, einen Atomantrieb, Raumschiffe und Raketen und vieles mehr. Das alles brachte er feinsäuberlich zu Papier. Er baute auch Modelle seiner Erfindungen, hielt in der Psychiatrie vor dem Personal Vorträge darüber und schrieb an die Ministerien, um diese von seinen technischen Durchbrüchen zu unterrichten.

        Nachdrücklich vermerkte er bei seinen Erfindungen, dass diese nur für friedliche Zwecke verwendet werden dürften.

        Jankes Leben, seinen Zeichnungen und Modellen wurde in Peenmünde der Werdegang Wernher von Brauns gegenübergestellt, der erst für die Nazis Raketen baute, bevor er nahtlos bei den Amerikanern weiter machte.

        Unweigerlich fragte man sich, wer von beiden der Verrückte war.

        Zu Ausstellung gab es ein sehr schön gestaltetes, großformatiges Buch, das ich mir natürlich gleich kaufen musste. Ich weiß nicht, ob man es noch kaufen kann. Falls ja: Zugreifen, das ist eine der ungewöhnlichsten Sachen, die ich bisher in den Fingern hatte.

      • fritz_ schreibt:

        Von dem Raketenonkel in der Klapse mit seinen Entwürfen hatte ich irgendwann gehört. Nur kannte ich die Vorgeschichte nicht.

  5. kreuzbube schreibt:

    Oh, draußen -7 °C. Dann lieber noch ein paar Minuten Netzwärme.

    AFN. Da habe ich sofort jingles im Ohr, die Sendungen ankündigten. Vor allem natürlich „American Top 40“. In besonderer Erinnerung sind mir auch die Nachrichtensprecher geblieben. Da gab es einem mit einem solch melodischen Bass, den habe ich mir angehört, auch wenn ich nur die Hälfte verstand. Eine dieser Stimmen gehört zu einer Geschichte, die man sich anschauen (hören!) muss, ein ehemaliger Sprecher, der in Alkohol und Drogen abgeglitten ist und auf der Straße lebte, but still gifted with the Golden Voice, wie sie die US-Sendungen prägten:

  6. don ferrando schreibt:

    Anfang der 1980er war auch inMünchen die McGraw Kaserne völlig offen. Ich war dann ab und zu im Rod and Gun Club oder zur Disko im NCO Club.
    Natürlich habe ich AFN gehört. Dr.Pepper gab es noch nirgends anderswo als „on Post“.
    All das gehörte zur alten BRD für mich, die ich genauso vermisse, wie das (West)Berlin in Insellage.

  7. prieditis schreibt:

    Achso, zum Phillysoul wollte ich dann auch noch was schreiben.
    Der wurde von den soulaffinen Skin-, Suedeheads, Mods und Scooterboys (einige bezeichnen sich auch heute, mit Mitte 40 so) immer despektierlich als „Dosenöffner“ bezeichnet – Ich weiß nicht, was das heißt.
    Einige Sachen mochte und mag ich durchaus auch heute noch hören. Der Großteil dieses Genres ist mir aber gemeinhin zu „soßig“.
    ISt ja mehr so Disco und man KÖNNTE es ja sogar zu ZWEIT tanzen.
    Das geht natürlich gar nicht – vor allem beim sog. Northern Soul (nordenglische Plattenaufleger haben seltene Soulnummern aufgelegt) ist der Einzelne als Tänzer wichtiger als alles andere.
    Ich habe mal ein Video beigefügt, worauf man den Tanzstil sehr schön sehen kann.
    Ausserdem scheint es eine Mär zu sein, das der Breakdance aus den US-Ghettos stammt.
    Als dieser Tanzstil in Großbritannien populär war, gab es sogar Weltspitzeneiskunstläufer dort ;o)

  8. fritz_ schreibt:

    Stichwort Lederjacke. Mein Vater führte von den roaring Sixties bis zu den popping Eighties eine außerordentlich coole Lederjacke aus. Dunkelbraun, mattes Nappaleder, geschnitten wie ein großzügiges Jackett. Coole Sau. Dazu seine kupferblonde wallende Mähne, die in ähnlicher Weise heute meinem Friseur Alpträume macht.

    Da das Lederjackenzeug in der Umgebung (= „DDR“) selbstredend Mangelware war, wurde er regelmäßig von Mann und Weib angesprochen, wo es so was gäbe.
    Seine Antwort war ehrlich: die hab ich aus dem Biwa.
    Biwa stand für Billigwaren. Das muss eine Art Ladenkette gewesen sein bis in die sechziger Jahre. Sagt mir nix, aber den damaligen Erwachsenen war die Abkürzung sehr wohl geläufig. Gleichzeitig verstanden sowohl Hundertprozentige (= gläubige SED-Anhänger) als auch Zufallsbekanntschaften den Spott, der sich aus der bloßen (und korrekten) Erwähnung der ehemaligen Biwa-Läden ergab.
    Weil, Bockwurst ist aus, aber wir haben noch frische Brötchen von gestern.

    • kreuzbube schreibt:

      Billigwarenläden hießen im Westen…. Woolworth… 😉 Phonetisch waren diese Geschäfte aber eher unbekannt, der dort einkaufende Volksmund nannte und kannte sie als „Wollwortt“…

  9. prieditis schreibt:

    Die Halbstarken sind früher oft mit den Mofas zum Truppenübungsplatz und durften dort, wenn der Amerikaner übte, bis in die Schlafzelte hinein. Und auch ins Magazin. Dort wurde dann Bekleidung ggn. Schnaps getauscht… hab ich gehört.

    Die Holzhütte und das Training… sind Sie sicher, daß es der Stallone war und nicht vielleicht doch der Rummelkäptn?

    • kreuzbube schreibt:

      Der Rummelkäptn kann es nicht gewesen sein. Erstens trägt er meist eine Mütze der DDR-Volksmarine und zweitens würde er nicht memmenhaft eine mit Lammfell gefütterte Lederjacke anziehen, sondern mit bloßen Oberkörper trainieren. Andererseits habe ich ihn Holz hacken sehen und auch über Großenhain/bei Dresden -ja sogar über dem Berghain in Berlin- ist der Himmel bisweilen inspirierend azzurro:

  10. kreuzbube schreibt:

    Ich dachte mir schon, dass Du auch Berührungspunkte zu den Amis hattest. In Wiesbaden hatten die ihren Flughafen (haben sie immer noch) und dort haben sie (vor Ramstein) immer Flugschauen gemacht, bei denen die Düsenjäger dicht über unsere Köpfe geflogen sind. Auch das Hauptquartier der US Air Force in Europa war in Wiesbaden, ebenso das Krankenhaus, in das sie z. B. die Iran-Geiseln flogen (John McEnroe ist dort geboren) Das alles war lange Zeit ziemlich offen für Jedermann und als kleiner Knirps empfand ich die GIs als recht lockere, freundliche Typen. Das war schon ein erstaunlicher Wandel, als sie später in ziemliche paranoider Weise anfingen, sich abzuschotten.

    Die Lederjacke ist aber nicht von denen, sondern aus einem second hand-Laden in Köln.

    • mark793 schreibt:

      Aus der kleine-Jungs-Perspektive war das natürlich alles toll, bunt glitzernd – und auch ansatzweise familiär, mit den gegenseitigen Einladungen zu Thanksgiving und Heiligabend und all so was. Die andere, dunklere Seite habe ich dann freilich im Wehrdienst kennengelernt, wo die Amis für den inneren Bereich des Raketenlagers, in dem die Nuklearsprengköpfe lagerten, noch eine eigene Wacheinheit zusätzlich zu unserer hatten. Mannmannmann, waren das kaputte Typen. Oder arme Schweine, wie immer man das bewerten mag. Wobei es auch bei uns ein paar ziemliche Spinner gab, aber bei uns war das eher die Ausnahme, und bei denen die Regel.

      Ich habe vieles, was mir damals aufstieß, erst später im Kontext von Filmen wie Full Metal Jacket & Co. besser einordnen können. Das Basic Training der US-Streitkräfte ist tatsächlich dazu da, die Zivilperson komplett zu brechen und sie als eine Art
      Maschine neu zusammenzusetzen. Und obgleich bei Bundeswehr natürlich auch das Prinzip von Befehl und Gehorsam gilt, hatten wir die Menschenwürde und das Denken nicht am Kasernentor abgeben müssen, nicht mal in der Grundausbildung.

      Das mag sich etwas gewandelt haben in den Zeiten, seit die Bundeswehr auch in Kampfeinsätze geschickt wird. Zudem werden die, nunja, her so sozialliberal geprägten Vorgesetzten, mit denen ich es zum Teil zu tun hatte, die letzten ihrer Art gewesen sein, seitdem dürfte es eher einen Rollback Richtung rechts gegeben haben. Aber ich kann ziemlich genau sagen, dass meine eigene geänderte Wahrnehmung der Rolle unserer Verbündeten nicht nur mit der großen Weltpolitik zusammenhing, sondern auch mit den vielen persönlichen Beobachtungen und Erfahrungen meiner Wehrdienstzeit.

      • kreuzbube schreibt:

        Tja, was soll man sagen. Deutsche Soldaten kamen jahrzehntelang nicht in die Verlegenheit, wieder in den Krieg zu ziehen. Bei den Amis war das anders, die mussten die Stellenbeschreibung des Soldaten erfüllen: Leute erschießen, bombardieren, in die Luft sprengen. Dafür braucht’s man die entsprechende Persönlichkeitsstruktur. Entsprechend sind die Berichte über die zunehmenden psychischen Erkrankungen jener, die Soldaten , die in Afghanistan waren. Plötzlich schießen da welche in echt zurück, plötzlich sterbe da welche ganz real. Kein Räuber und Gendarmespiel mehr. Wer sich dazu verpflichtet, sollte wissen, worauf er sich einlässt und wie er sein muss, damit er die beruflichen Anforderungen erfüllt.

        Gemessen an all dem verwundert es mich gleichwohl, wie relaxed viele der Soldaten im Alltag waren, die ich früher erlebte, auch in späteren Zeiten, wenn ich welche in irgendwelchen Clubs sah, wo Freunde von mir Musik machten.

        Desweiteren bitte ich um Nachsicht hinsichtlich meiner Aversion gegen das Militär. Wenn ich boot camp höre, denke ich sofort booty camp. Da ist Hopfen und Malz verloren bei mir. Ich habe selbst ja nie gedient und habe mich gedrückt und gewunden, damit ich es nicht tun muss.

      • mark793 schreibt:

        Diese Nachsicht kann ich gerne walten lassen, tatsächlich war und ist es in meinem Umfeld völlig normal, alles militärische mehr oder weniger zu verabscheuen. Ganz so eindeutig ist das bei mir nicht, wobei die Prämissen, unter denen es für mich damals vertretbar war, die Waffe in die Hand zu nehmen, heute ja auch nicht mehr gelten würden. Und im großen und ganzen muss ich sagen, ich hatte einfach verdammtes Glück. Erstens mit der Grundausbildung in einer Kompanie, in der ein sehr moderner und kooperativer Führungsstil gepflegt wurde, und zweitens mit dem Wachjob im Raketenlager, der zwar stressig war, aber schichtdienstbedingt auch viel Freizeit und etwas mehr Sold bedeutete, und besser als der berüchtigte „Gammeldienst“, der einige Bekannte wirklich mürbe machte, war das allemal.

        Ansonsten teile ich Deine Beobachtung, dass das Gros der GIs, denen ich außerhalb meiner eigenen kleinen militärischen Episode begegnet bin, einen ziemlich coolen und relaxten Eindruck machte. Kann nicht genau sagen, wann dieser Eindruck kippte. Aber auf alle Fälle schon deutlich vor dem 11.September 2001.

  11. mark793 schreibt:

    Ja, die Amis. In MA und HD waren die auch sehr präsent, und das eine oder andere ihrer Dörfer mit diversen Einrichtungen gar nicht eingezäunt. Vom Haus meiner Eltern (wo wir die eine Wohnung lange an GI-Familien vermietet hatten) zum Rhein-Neckar-Zentrum in Viernheim führte der kürzeste Weg durch die Barracks, das war immer eine Durchreise durch eine andere Welt.

    Mein Vater, obwohl er kaum einen Brocken Englisch sprach, war immer ganz groß im Organisieren von irgenwelchem Ami-Kram, sei es Zigaretten, Whisky oder was auch immer. Eine mit Lammfell gefütterte Lederjacke hat er mir allerdings nie besorgt (bin aber auch nicht so der Lederjacken-Typ). Aber bevor ich meinen Bugatti-Trenchcoat und den schwarzen Ledermantel hatte, trug ich lange einen Trenchcoat aus Army-Beständen. War gute Qualität, und ich habe später auf dem Flohmarkt noch einen guten Preis dafür gekriegt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s