Die Entdeckung der Langsamkeit

Das darf man eigentlich keinem erzählen. Aber hier, so entre nous, da verrate ich es doch.

kamenz_rathausIn die Oberlausitz ging es gestern. Morgens um halb acht rollte mein Wegbegleiter justbiking auf den Hof der casa kreuzbube. Einen Kaffee und (in seinem Falle) eine Kippe später waren wir mit dem Auto unterwegs, fuhren ostwärts an Dresden vorbei nach Kamenz, wo im Rahmen des Lausitzer Blütenlaufs eine Reihe von Sport-veranstaltungen stattfand. Die Gegend machte dem Namen der Sache alle Ehre, der Blütenduft war allgegenwärtig und nur unterbrochen vom Duft der durchfahrenen Kiefernwälder. Die Straßen waren leer, Autos kaum zu sehen, so dass es nicht einmal der guten Radwege bedurft hätte. Weites Land, grünes Land, ruhiges Land.

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kamenz_3Auch wenn wir nicht gewusst hätten, dass wir in einem katholischen Einsprengsel inmitten einer protestantisch geprägten Region unterwegs waren, übersehen konnten wir es nicht. Überall in der von den 60.000 Sorben besiedelten Region stehen Wegkreuze, allesamt schmuck herausgeputzt, wie es auch die Dörfer dort sind. Beschilderungen sind jeweils zweisprachig, die Sorben pflegen neben eigenem Kulturgut auch ihre eigene Sprache. 

Entschleunigung, wohin man schaute, und die erwischte schließlich am Kontrollpunkt auch uns. Der Kontrollpunkt, besser gesagt die Kontrollidylle, sah nämlich so aus:

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Und vom Kaffeetisch aus in die andere Richtung geblickt:

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Dort beginnt das dynamische Duo, die Dinge schleifen zu lassen. Bei Kaffee, selbstgebackenem Kuchen und selbstgekeltertem Saft aus eigenen Äpfeln der Hofbesitzer lässt justbiking die Augenlider sinken und erzählt mir was, wie nett doch jetzt ein Nickerchen wäre. 30 Meter entfernt stehen sogar Liegestühle im Gras und die Sonne saugt jede Eile aus uns heraus… Irgendwie schaffen wir es dann doch, diesen lieblichen Ort zu verlassen und manierlich voran zu pedalieren – um etwas später endgültig in die Kamenzer Psychofalle zu gehen. Die Streckenführung gegen Ende der ersten Runde lässt uns nämlich dort wieder ankommen, wo wir 62 Kilometer zuvor gestartet waren, auf dem Kamenzer Marktplatz, der zugleich Zieleinlauf mehrerer Rennen war, die auf einem kürzeren Rundkurs stattfanden. Da herrschen Jubel, Trubel, Heiterkeit und wir schauen uns an, welches Bild die Duathleten abgeben, bei denen das schönere Geschlecht wieder einmal die bessere Figur macht.

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Derweil hat rechter Hand der Getränke-Schulze ein Auge auf uns geworfen und die Sonne saugt jede Eile… Mit letzter Willenskraft sage ich zu justbiking, dass ich jetzt und durchaus noch die nächste Runde fahren würde. Doch während ich ihn so anschaue und in seiner Mimik rein gar nichts finde, was als Bekräftigung meines Ansinnens zu deuten wäre, besiegele ich unser radsportliches Treiben: „…muss aber nicht unbedingt sein.“ 

Vielleicht sehen wir im kommenden Jahr noch mehr von der Region, aber dazu müssten wir wohl einen Bogen um den Kontrollpunkt dieser freundlichen sorbischen Familie machen…

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32 Antworten zu Die Entdeckung der Langsamkeit

  1. kreuzbube schreibt:

    fritz, der Löwenthal war über (prieditis-)Bande gespielt. Schwarze Kanäle mit Sudelei gab’s hüben wie drüben. Aber wie gesagt, das hat einen Bart so lang wie Helmut-Kohl-Witze. Was zählt, ist das Jetzt, und jetzt knallt gerade die Sonne vom Himmel herunter, ich nehme ein buntes Rad vom Haken, rolle drauflos und alles, was mir zu Ost und West und Nord und Süd usw. in den Sinn kommt ist Wherever I lay my hat, that’s my home.

  2. fritz_ schreibt:

    Wie, wo Löwenthal, ich hab doch gar nichts gesagt? Alles gut.
    Wir haben uns herrlich amüsiert, wenn im RIAS o.ä. lief „Karneval in Ostberlin. Wahnsinn! Eintritt 25 Mark. Wahnsinn!“
    Manitu sei Dank ist dieser Humbug vorbei.

    Zur Klarstellung: Ich war ebenfalls gänzlich unbeeinflusst von den ideologischen Tiraden Löwenthals des Herrn von und zu Karl Eduard Schnitzler. 😉

  3. kreuzbube schreibt:

    @prieditis: „The Daily Oppressor“, den hatte ich schon völlig vergessen. Welch ein bescheuerter Streifen das war… 😉

    @fritz: Ich war gänzlich unbeeinflusst von den ideologischen Tiraden Löwenthals, ganz im Gegenteil, damit da kein falscher Eindruck aufkommt. Es war einfach – Desinteresse. Für uns war es eine Selbstverständlichkeit, in den alten Käfer oder Opel zu steigen und nach Paris oder Barcelona oder Mailand -oder auch nach Belgrad- zu fahren, ohne auch nur auf den Gedanken zu kommen, Berlin, Leipzig oder Dresden zu besuchen (deshalb hole ich auf dem Rad einiges nach). Ich konnte überall hin, von einem Moment auf den anderen. In die DDR jedoch… da hieß es, man brauche Berechtigungsscheine und Visa, müsse auf Transitstrecken bleiben, und jeden Tag eine bestimmte Menge Geld umtauschen usw. Das war mir schon zu lästig.

    Nach und in Jugoslawien zu reisen, war damals hingegen einfach. Fand ich prima dort, die waren aufgeschlossen für einen vernünftigen Devisenumtausch von Mensch zu Mensch. Tauschhandel funktionierte auch gut mit Waren des täglichen Bedarfs, insbesondere der Unterhaltungselektronik. Die Zöllner kannten die Nöte junger Menschen aus dem Westen, die nicht viel Geld zum Reisen hatten und wenn man mal erwischt wurde, wurde das mit einer zwar schmerzhaften, spontan und schnell ermittelten Summe, aber doch mit Augenmaß und unter vier Augen geklärt. An der DDR-Grenze hingegen, so meine Sorge, hätten sie mir mit deutscher Gründlichkeit die Flausen ausgetrieben.

    PS: Budapest hat mir gefallen, damals in den 80ern.

    PPS: Offenkundig verfuhr man aber auf beiden Seiten der Mauer in einer Hinsicht gleich: „Geh‘ doch rüber, wenn’s Dir hier nicht passt“. (BRD: gerichtet an alle, die was zu kritisieren hatten; DDR: Nur für Künstler…)

  4. kreuzbube schreibt:

    Wir wollten ja erst gar nicht glauben, dass es dort Stempel gibt. Eine Tür in einer Hofmauer öffnete den Blick in eine sehr schönen Hof. Keramikteller und -tassen, richtige Saftgläser standen da, alles ordentlich aufgereiht. Die Dame des Hauses in Tracht und dem freundlichen Hinweis, wir dürften uns gerne auch in den Garten setzen. Dann wurde der Sohn angewiesen, uns dorthin zu geleiten, was er auch sofort machte mit der Versicherung, wir dürften uns überall hinsetzen und uns einen schönen Platz aussuchen. Dass der „Garten“ dann eher ein Tal war…

    Ich muss aber an dieser Stelle einwerfen, dass wir morgens durchaus zügig losgefahren sind, so ist das nicht. Die haben aber wirklich fast jeden Kontrollpunkt in eine mehr oder minder lange Sackgasse gelegt. Einer erste war am Vereinsheim auf einem Campingplatz, ein anderer auf dem Gelände eines Molkereibetriebs, wo ein Frühlingsfest stattfand. Da muss man sich erst einmal losreißen – oder von vornherein vorbeifahren.

  5. mark793 schreibt:

    Sehr sympathisch, sich auch mal so einen Durch- oder Abhänger zu leisten. Der Kontrollpunkt sah aber auch zu einladend aus. So was ähnliches gabs auch beim Büttgener RTF irgendwo in einem winzigen Weiler nahe Jüchen, da hätte man den Nachmittag gut rumbringen können, denn da hat keiner Anstalten gemacht, den Stand abzubauen, nachdem wir uns als letzte dort verpflegt hatten. Die Besatzung schickte sich an, noch paar Kumpels mit Grill-Equipment etc. herbeizutelefonieren, ich glaube, wenn die schon dagewesen wären, hätte ich nicht dafür garantieren können, rechtzeitig in Büttgen anzukommen, um den Zielstempel abzuholen.

  6. kreuzbube schreibt:

    @fritz: „Die Kuh im Propeller“. Ganz große Darbietung von Manfred Krug. (Ich habe den natürlich im Westen erstmals in „Auf Achse“ wahrgenommen, mich dann sozusagen rückwärts gearbeitet über Jazz-Lyrik-Prosa und Die Spur der Steine und mich gefragt, wie muffig man denn drauf sein muss, wenn man so jemandem Berufsverbot erteilt )

    „Ja, ja, ja, verschiedenes passiert so! Da ist einmal eine Kuh bei uns in den Propeller gekommen! Ritsch, ratsch, weg war sie! Auch Hunde!“

    • fritz_ schreibt:

      Die hatten schon ihre Gründe! Biermann („Im Kuhstall wird die Milch gemacht, die Butter und der Frieden“) war gerade zurück in die BRD gezogen und es rumorte unter den Kunstlerern gewaltig, mehr als man aus heutiger Sicht meint. „Der Anfang vom Ende der DDR“.
      Das oben erwähnte Büchlein von Krug „Abgehauen“ kann man schon mal lesen. Krug, die Arschsau, hat die Parteifunktionäre auf Tonband mitgeschnitten, als diese zwecks Beruhigung der Gemüter bei ihm saßen in größerer Runde.
      Das Büchlein lässt sich gerne parallel lesen mit einem anderen, das die gleiche Zeit abbildet: Stefan Heym, „Der Winter unseres Missvergnügens“.
      Wem der Titel irgendwie bekannt vorkommt, der hat bestimmt schon mal Richard III. gesehen („ein Pferd, ein Pferd, ein Königreich für ein Pferd“).

      (Jetzt hätten wir aber den ganzen Zoo durch. :-))

      • kreuzbube schreibt:

        Ob ich das lese? Ich weiß nicht. Das ist alles lange her und hat so wenig Berührungspunkte zu meiner Biographie. Das klingt jetzt vielleicht dämlich, aber ich habe noch mehr Bilder vor Augen von Fussball-WM 1990 (Matthäus gegen die Jugos, Klinsmann gegen die Holländer, Brehme im Finale mit dem Elfer) als davon, was 1990 hinsichtlich BRD-DDR ablief… Für viele von uns war das im Alltag nicht soo wichtig… ich meine, das war ja nur die DDR und da wollte sowieso keiner hin. ;-(

      • fritz_ schreibt:

        Verstehe ich völlig, jetzt, wo du das sagst. Biermann ist abgetaucht, die DDR abgeheftet im Leitzordner „Witze und Kuriositäten der Geschichte“.
        Unsere Rumpelfüsschen mit den spätgeborenen Vokuhilas1990, ja, da war was.
        Auf Jahre hinaus nicht mehr zu schlagen, hat der Franz gesagt, ein lustiger Mann. 🙂

    • prieditis schreibt:

      Bei mir blieb mehr hängen.
      Ich habe aber bereits als Grundschüler schon die Meinungen von Herrn Löwenthal und Herrn Merseburger genossen.
      Kennzeichen D war eine meiner Lieblingssendungen. Santana hat ja auch mitgespielt. Bestimmt immer live.

      • prieditis schreibt:

        Achja, Hollywood und Val Kilmer (der später mal Batman (gewesen) war), haben uns die DDR ebenso näher gebracht. Die Sprache auch. „I want a „Schnauser“ with my Wiener Schnitzel“ – damit kann nur Jagdwurst gemeint sein!

  7. kreuzbube schreibt:

    Don Ferrando, Ende August, beim Artfahren geht’s kreuz und quer und hoch und runter in unzählige Winkel Leipzig. Ich weiß noch immer nicht, an welche Flecken uns das alles führt, auch wenn ich ein paar schon kenne. Ich müsste bis dahin mal die ungefähre Körpergröße wissen, des zur Verfügung stellenden Rades wegen. Gerade habe ich mit nämlich vor die Stirn getatscht: Ich kann ja mit wieder meinen Gazelle-Renner umrüsten, auf den passen problemlos Crossreifen drauf. Damit wäre ein Colnago frei.

  8. kreuzbube schreibt:

    Das war mein erster Hirsch. Rehe und auch mal einen Bock sehe ich regelmäßig, die stehen hinter der Dorfgrenze auf dem Feld oder queren auch mal meine Wege in Feld und Flur. Ab und zu kommt es vor, dass sie recht nah parallel zu uns springen, bis sie sich aus dem Staub machen. Ans Fotografieren denke ich da meist nicht, denn wenn meine Aufmerksamkeit von ihm weg ist, könnte der Hund auf die Idee kommen, dass ich ihn freigegeben habe. Und wenn ich ihn zuerst ins Platz lege, dann sind die Fotoobjekte auch schon ein Stück weit weg. Es gibt aber Stellen, da kann ich das Wild besuchen, weil es recht verlässlich auf der Wiese steht. Hunde ablegen, dann Kamera raus und den Waldbewohnern entgegen – gibt dann mangels ordentlicher Kameratechnik eher langweilige Aufnahmen:

    https://guterbubi.wordpress.com/2010/12/26/mittagspause-mit-bambi/

    Wildschweine bekommt man viel seltener zu Gesicht, alle Jubeljahre habe ich mal eine Bache gesehen, die mit ihren Frischlingen wie an der Perlenschnur gezogen im Wald verschwand. Die vermehren sich sehr stark und die Jäger schaffen es nicht, die erforderlichen Abschusszahlen einzuhalten. Denn bis der Jäger kommt, sind die Wildschweine früh morgens längst wieder weg. Auf der Luftmatratze im Wald zu übernachten, dass ist für die Damen und Herren Jäger keine Option.

    • Don Ferrando schreibt:

      In meiner zweiten Heimat, der ehemaligen Republik Lucca, ist die Wildschweinjagd sehr beliebt. An kalten Januarmorgen sind die Jäger schon ab 2 oder 3 Uhr in den Wälder und bejagen die Schwarzkittel.
      Ich hatte mir schon oft gedacht, dass man nur mal ein zwei Jagdgenossenschaften aus meinem Dorf nach D bringen sollte; dann wäre die Population ganz schnell dezimiert !

      • kreuzbube schreibt:

        Wildtiere lernen recht schnell den Rhythmus des Menschen kennen. Da muss man sich ein wenig mehr Mühe geben, als Futtermais rund um den Hochsitz auszustreuen, damit man die Beute bequem erlegen kann.

        Ich kann statt anderer Wurst- und Fleischwaren Wild nur empfehlen. Das ernährt sich gesund, unterliegt keiner Stallhaltung und ist den lieben langen Tag draußen an der frischen Luft unterwegs. Auf der anderen Seite hinterlässt es, weil es nach Ausrottung der großen Beutegreifer ohne natürliche Feinde ist, enorme Verbissschäden und verwüstet -im Falle der Wildschweine- Bodenflächen.

    • justbiking schreibt:

      Mensch Andreas, Deine geschätzten Leser (…ich vermute sie kommen aus den verbrauchten Bundesländern….) müssen doch den Eindruck bekommen, dass der Osten ein vorwiegend wildes, waldreiches, unkultiviertes Gebiet ist, ein Refugium für Hirsch, Wolf und anderes Getier. Lasst Euch sagen, dass ist nicht so, nein, wirklich nicht!
      Wenngleich uns bei dem netten Ausflug nach Sorbien die ein oder andere Gestalt schon vorkam, als seien sie aus dem vergangenen Jahrhundert. Die sahen so aus, wie die Amish. Tugendhafte Kleidung – langer Rock, weiße Bluse, Wollstrumphosen, Haare fein zum Zopf geflochten.

      • fritz_ schreibt:

        Och, ich als gelernter Ossi habe gegen manches wohlersonnene Klischee nicht wirklich was.
        Amish und der Wolf sind ein schöneres Bild. Als das hässliche, das in den gebrauchten BL so lange so unverzichtbare Klischee von den in jedem Dorf und Fußballverein und Schachklub des Ostens weit überdurchschnittlich zahlreich herumlungernden, übel beleumundeten, grimmigen, stiernackigen oder fein ziselierten, mit gekraust gekrillten Haaren versehenen kürzer als Meckihaaren versehenen Unholden zweifelhafter geistiger Provenienz.

        Uff, ihr Landeier, Laptop und Lederhose(?) raus. Wir können alles außer Hochdeutsch.

      • kreuzbube schreibt:

        Gutes Stichwort! In der Lausitz gibt’s auch Wölfe.

        Aber den fritz zum Wessi zu machen… der kriegt doch von mir Stoppuhr und Trillerpfeife in die Hand, um der carodame beim Sturm auf den Fichtelberg Beine zu machen.

        edit: Die interne wordpress-Statistik verrät, dass Leser von überall hier aufschlagen und dies auch anhand von ostgeprägten Stichworten tun. Die Menschen des Westens sind allerdings gesprächiger…

      • donferrando schreibt:

        Werter Herr justbiking,
        ich war positiv überrascht von der schönen grünen Idylle, denn mein Vorurteil war, daß alles wie Souht Bronx aussähe, oder chemieverseucht Halle-Bitterfeld!

  9. kreuzbube schreibt:

    @fritz: Das Ohr auf dem Gleis gehabt? Oder funktioniert das heute nicht mehr, weil die zu schnell sind?

    Habe heute abend auf einem neu entdeckten Trampelpfad, unterwegs mit MTB und Hund, einen Hirsch gesehen. Erst dachte ich, gross fuer ein Reh und dann konnte ich ihn kurz ganz sehen. Im Nu war aber wieder weg.

    • fritz_ schreibt:

      Hirsch, da bin ich ehrlich neidisch. Aber ohne Spuk, an bestimmten Ecken glotzen einen die Rehe an und wissen genau, dass sie nichts zu befürchten haben und glotzen einen an und glotzen und man ahnt die Denkblase ‚mach hinne mit deinem Foto, ich hab nicht den ganzen Tag Zeit‘. Bis Oma Helga mit ihrem Dackel um die Ecke biegt.
      Wildschweine viel seltener, am Tag laufen die eher nicht auf freien Flächen herum, wenn man sich sieht, erschrecken sich meist beide Parteien, es knistert im Gebüsch und dann sieht man den jeweils anderen auf ein paar Meter plötzlich. Strategischer Rückzug wäre ratsam, doch die Schweine entscheiden schneller als der Mensch und kehren ihm die Schwarte zu.
      Aber ein Hirsch!

      Ohr auf dem Gleis? Heute war der hundertste von Stewart Granger, Old Surehand, der hätte das Dampfross gerochen. Nein, im Ernst, solche Bahnstrecken sind oft schnurgerade, bei guter Sicht und guten Augen kann man sich eines knappen Zeitfensters (um nicht zu sagen Vorsprungs) sicher sein.
      Weg = Zeit x Geld, oder wie das heißt. Man will lieber nicht darüber nachdenken, wie schnell solche Züge fahren. Zwei Minuten vor mir kam ein Güterzug, zwei Minuten nach mir ein ICE mit geschätzt 150 Kilonewton pro Siemens auf den Quadratzentimeter am Tag. Bis ich die Digicam aus dem Rucksack gepult hatte, war er nur noch ein Designobjekt am Horizont. Nie wieder mit der Eisenbahn anlegen! Das meine ich ernst!

  10. donferrando schreibt:

    Ja, es war schönen sonniger Sonntag für das Zweirad. Auf dem Rückweg von der Oldtimermesse musste ich dann aber noch die letzten 60km huckepack auf dem ADAC Abschlepper ertragen.
    Als Ausgleich habe ich meine 20km Fahrradrunde durch die Auen noch gemacht!

    • kreuzbube schreibt:

      Oh, was war denn? Unfall oder technischer Defekt?

      Die Oldtimer unterwegs hatte ich fast vergessen. Die haben dort mit allen Tricks gearbeitet, um uns Fahrer an die Kontrollpunkte zu binden und das kulinarische Angebot genießen zu lassen. Ein Punkt, an dem wir nicht hielten, lag auf dem Gelände eines großen Molkereibetriebs. Da war gleichzeitig ein Frühlingsfest und eine ganze Reihe alter Karossen parkte davor. Hier zwei Wartburgs:

      • donferrando schreibt:

        Panne.
        Die Kette des Primärantriebs hat es zerrissen!

      • fritz_ schreibt:

        Der Renault neben dem Peugeot, ist das der 2006er Clio? Eine Ikone wie die Déesse von Citroën (die beiden alten Zweitakter verstellen leider etwas die Sicht ;-)).

  11. fritz_ schreibt:

    Hardliner (der Reifen).

  12. fritz_ schreibt:

    Ach, schön habt Ihr’s gehabt. Ich lag den ganzen Tag an einer (wassergefüllten) Kiesgrube und hatte doch meine Badehose gar nicht dabei, weil die noch im Laden hängt. Von Höhe der Grasnarbe aus bieten sich die erstaunlichsten Ansichten. So habe ich das erste Mal wahrgenommen, was auf der Flanke des Reifens steht: irgendwas mit Strongline.

    In Kamenz übrigens, da war der Stanisław mal Mitläufer (nicht Mitfahrer). Jetzt isser Diktator mit Herz MP in Dresden. Auch ne schöne Geschichte.

    • kreuzbube schreibt:

      Ja, das war ein schöner Ausflug in eine schöne Umgebung. Fahrradmäßig ist das hier im Osten sowieso prima, wie ich finde. Man fährt einfach los und ist automatisch auf irgendwelchen kleinen Straßen durch’s Grüne mit wenig Verkehr. In Ballungsräumen im Westen muss man sich viel genauer überlegen, welche Wege man fahren kann und möchte. Bei mir zu Hause ging das so, wenn man nicht aufpasste:

      Stadtgrenze-Gewerbegebiet-ein Kilometer Landstraße-Gewerbegebiet-Gemeinde-Gewerbegebiet-ein Kilometer Straße-Gewerbegebiet-Stadtgrenze

      In den zwei Monaten des Zwickens und Zwackens habe ich mir der Vorfreude wegen recht früh im Jahr noch einige weitere Ausflüge ausgeguckt. Der nächste folgt am kommenden Freitag und wenn alle so werden, wie die beiden letzten, dann wird’s ein schöner Sommer.

      • fritz_ schreibt:

        Das einsame Norddeutschland beginnt im Osten weiter südlich, würde ich meinen. 🙂

        Wenn ich in einer mir wenig bekannten Gegend herumgondele (sehr langsam und sicherlich auf noch viel kleineren Pfaden als du, mit Gepäckträger, Seitentasche, grobstolligen Reifen und allzeit bereit zum Großmuttergang), suche ich mir oft grob ein Ziel wie einen See, Turm oder Baum im Wald, mach ein Kreuz auf der Landkarte im Smörtfon und dann gehts im Zweifel sowieso die Nebenstrecke von der Nebenstrecke von dem Trampelpfad auf der Landkarte entlang.
        Gestern kam mir eine ICE-Strecke in die Quere, diese Hektiker, und kilometerweit kein Bahnübergang. Da heißt es abwägen, fünf Kilometer zurück, fünf Kilometer quer, zehn Kilometer nach vorne und fünf Kilometer quer zurück, oder zehn Meter über die Gleise.

        Da das bestimmt verboten ist, sag ich nicht, was ich gemacht habe, aber es ging schnell.

      • fritz_ schreibt:

        Wo gräbst du denn so was aus? Herrlich.
        Wusstest du, dass Manne Krug in „Abgefahren“ „Abgehauen“ ausführlich Stellung bezogen hat zum Schicksal der Jatzmusik nachdem man ihn kaum mehr auf Tournee gehen ließ? Besonders die Stadthalle in Karl-Marx-Stadt war immer ausverkauft.

        Die Schikane ging soweit, dass Krug nach genehmigter Ausreise seinen Mercedes von Sonnenallee nach Marienfelde schieben musste.

    • prieditis schreibt:

      Schallplattenunterhaltung ist mein Steckenpferd… ;o)
      Wenn ich das an dieser Stelle vielleicht noch erwähnen darf:
      Ich hätte da gerne einige Schallplatten. Sollte jemand folgendes finden oder abzugeben haben, wäre ich sehr interessiert:

      Joco Dev – Hadschi (gabs wohl nur auf SchallFOLIE)
      Joco Dev – Das einzige was mir übrig blieb
      Baltic Quintett – Mit Dir leben

      Das der Herr Krug seinen Mercedes schieben musste, wusste ich nicht.
      Vielen Dank für die Info!

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