Die blaue Blume – Eine romantische Blogreihe

blaue_blume_sm„Wie kann ein Mensch Sinn für etwas haben, wenn er nicht den Keim davon in sich trägt?“ Novalis, Blütenstaub

Graf Dedo hieß wirklich so und dass auch zu Pfingsten auf dem Rad keine Routine einkehrte, es wieder so wurde wie fast schon gewohnt, daran war justbiking schuld. 

Nach den Romantikerausfahrten der vergangenen Wochen hat er uns am Pfingstmontag die nächste beschert; und was für eine das war!  Doch geschwind einen Tag zurück, auch für das Präludium hatte er sich was ausgedacht und so flanierten wir mit Picknickdecke und Kameras (in Händen der Damen) durch den Leipziger Clara-Zetkin-Park.

wgt_4No clean vocals auf der Parkbühne, Vokalisten mit Ufa-Schlagern der 30 Jahre nur wenige hundert Meter entfernt im Musikpavillon. Dazwischen halb Leipzig und seine überwiegend schwarzgewandeten Besucher des alljährlich hier stattfindenden Wave und Gotik Treffens auf den Rasenflächen des Clara-Zetkin-Parks. Das passt alles ganz hervorragend zusammen, jeder wird hier nach seiner Façon selig.

wgt_5Ich fotografiere unterwegs ungerne einzelne fremde Menschen und ich veröffentliche die Bilder nicht ungefragt, ohne Gesichter unkenntlich zu machen. Das ist weniger eine Frage, ob man’s darf, sondern dass es sich, wie ich meine, nicht gehört. Beim Wave und Gotik Treffen ist das anders. Die Kostümierten stellen sich gerne zur Schau, lassen sich gut gelaunt ablichten. Manche von ihnen haben Visitenkarten dabei, die sie an die Fotografierenden verteilen. So können sie sich viele Fotos von sich selbst schicken lassen. Weil ich jedoch nur ein Knipser bin, bleiben die richtigen Bilder carodame vorbehalten, die in Kürze noch einige Eindrücke in ihrem Bilderalbum einsehbar machen wird.

Mein Metier sind vier Beine oder zwei Räder, damit kenne ich mich besser aus.  Zurück also zur Romantikerausfahrt am Pfingstmontag und dem Grafen Dedo. Nach Wechselburg führte uns der Weg. Das liegt gute 50 km von Leipzig entfernt südöstlich in Richtung Balkan. Justbikings Streckenführung ist traumhaft. Die hügelige Landschaft beschert uns eine ganze Reihe von Anstiegen und gegen Ende der ersten Halbzeit eine Abfahrt, die man hier so schnell nicht noch einmal findet. Eins ist aber auch sicher: Ein Abfahrer werde ich in diesem Leben nicht mehr. 

An der Landstraße die Abzweigung mit dem ersehnten Hinweisschild nach Wechselburg, ab da sollte es, so versprach es justbiking zuvor bereits, schön steil hinab zur Zwickauer Mulde gehen. Und was war das für eine Abfahrt! Wir lassen uns nach rechts fallen, dem Sturzflug gleich in die Tiefe. Klack-klack-klack-klack-klack ratsche ich mich zur größten Übersetzung durch und beschleunige was das Zeug hält, bis Kettenblatt und Ritzel vom Tempo überholt werden. Dann, so muss ich einräumen, werde ich ein bisschen schissig. In einer Linkskurve bringen die Windböen mich und mein Rad ins Flattern und ein kleiner Ast in der nächsten Kurve überredet mein Vorderrad dazu, kurz über eine andere Fahrtrichtung nachzudenken. Für eine Zehntelsekunden durchfährt es mich, dass ich gleich die Leitplanke durchfahre, dann fängt sich der Pneu wieder.  Weiter geht die Hatz, aber den Gedanken, wieder Boden gut zu machen und an justbiking ranzufahren, den lege ich beiseite. Kaum bin ich unten angelangt, ist auch carodame schon da und strahlt übers ganze Gesicht ob der gerade erlebten, mehrere Kilometer langen Sause.

Wo es steil bergab geht, geht es meist auch steil bergauf…

Oben dann: Ein Schloss. Ein Kloster mit Kräutergarten. Eine romanische Basilika. Ein Café mit leckerem Kuchen. Den hat wohl auch Graf Dedo von Rochlitz gerne genascht, der Gründer der 1168 errichten Klosteranlage. Denn Dedo wurde unter dem Namen Graf Dedo der Feiste bekannt und der Legende nach starb er bei einer misslungenen Operation, bei der er sich das Fett aus dem Leib schneiden lassen wollte.

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Man sollte meinen, alle Wünsche wären bereits erfüllt, doch auch der Rückweg steht der ersten Etappe in nichts nach. An Flussauen, Brücken und weiteren Schlössern führt er vorbei. Man kann das gar nicht alles fotografieren, wenn man Rad fahren und der Versuchung widerstehen möchte, sich einfach am Wegesrand ins Gras zu legen. La vie en rose, in seiner gelbgrünen Variation.

wechselburg_9

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5 Antworten zu Die blaue Blume – Eine romantische Blogreihe

  1. kreuzbube schreibt:

    Fotomotiv: Kid holt kid ab. Beide mit Nummer 37.
    Apropos Nummer, was macht die Startnummer?

  2. kid37 schreibt:

    Ach, hübsch. Ich war früher ein paar Mal beim WGT, das ist gefühlt ein anderes Leben her. Also in den späten 90ern, damals gab es leider diese Picknicks noch nicht. Jetzt würden ja alle denken, ich wollte dort meine Tochter abholen.

    • carodame schreibt:

      Nein, nein, Herr Kid, das ist ein Mehrgenerationenfest. Kommen Sie ruhig vorbei und wechseln Sie Ihre Garderobe in unserer Kammer, dann gehen wir gemeinsam zum Picknick am Stadtrand. Habe ein paar Impressionen auch für Sie eingefangen…

  3. kreuzbube schreibt:

    Sehr schön gefahren, kann ich nur wiederholen. Wir waren gestern Abend geistig sehr beschwingt, als wir mit den Hunden noch eine Runde durch den Wald spazierten. Es ist immer wieder erstaunlich, dass man etwas müde und auf bestimmte Weise hellwach zugleich sein kann.

    Die Kirschbaumallee hat was vom Schlaraffenland. Drunter liegen, Mund auf, Kirschen reinfallen lassen…

  4. justbiking schreibt:

    Sehr schön geschrieben.
    Die Neugier wird eben doch nicht immer belohnt. An diesem Weg Richtung Kleinbardau (Bild oben) bin ich bestimmt schon zwanzig mal vorbeigefahren, und habe mich jedesmal gefragt, ob man den fahren kann, und wo man da hinkommt. Der ist ja am Beginn noch asphaltiert. Jetzt weiß ich es endlich! Man kann ihn fahren, aber mit den Dackelschneiderreifen ist das ziemlich waghalsig.
    Wie auch immer, die Kirschbäume dort sind in vier Wochen fällig!!!

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