Rheinische Trilogie, 3: Unter Velociraptoren*

dp_1Wow-wow-wow! Hier wird ein ordentliches Tempo gefahren und gleich bin ich dran. Vorbei die halbe Stunde des Wartens im Schatten, das Suchen nach dem Gegner Wettstreiter. Noch ein paar Sekunden. Puls hochpushen. Einclicken. Spannung-Spannung-Spannung. 3-2-1-los! Der Starthelfer lässt meinen Sattel los. Keine Rampe hilft bei der Beschleunigung. Mit aller Gewalt trete ich in die Pedale, versuche, so schnell wie möglich auf die bestmögliche Übersetzung zu kommen. Verkeile mich zwischen Pedalen und Lenker, reiße brachial an letzterem herum. Nach links und rechts versetzt es mein Vorderrad auf den unruhigen ersten 50 Metern. Das Schalten verläuft suboptimal, aber woher soll ich auch wissen, wie man das am besten macht? Ich bin ja zum ersten Mal dabei. Dann rase ich 300 Meter weit so schnell ich kann dahin. Wirklich, schneller kann ich nicht.  Ich schalte noch einen Gang weiter. Ein Fehler, ich habe nichts mehr zuzusetzen, hätte lieber die vorherige Frequenz beibehalten solle. Dann fliege ich schon über die Ziellinie. Abklatschen mit dem Kontrahenten. Dann muss ich erst mal wieder zu mir kommen. So sehr war ich auf maximal schnelle Radumdrehungen konzentriert, dass ich gar keinen kompletten Ablauf von dem vor Augen habe, was da eben passiert war.

Death Pedal Düsseldorf

dp_4Oben, am Start, da war kurz gemunkelt worden, eine Zeit unter 30 Sekunden reiche für die Finalrunden. Die habe ich geschafft. An den Gerüchten war aber nichts dran, eine 27er Zeit hätte es sein müssen. Die habe ich nicht geschafft. Macht aber nichts. Vom Gewinnen bin ich ohnehin weit entfernt, seit neuestem sind auch irgendwie alle jünger als ich. Wenn mich aber jemand auf ein ungewöhnliches Radsportereignis stößt, dann bin ich spontan und gerne aktiv dabei. Ich weiß vorher nicht immer, was mich erwartet, aber hinterher, was ich verpasst hätte.

dp_2

Noch am Sonntagmorgen hatten wir eine schwere Entscheidung zu treffen. Sollte ich beim Death Pedal starten oder mich bei der Klassikerausfahrt einreihen? An jedem ersten Sonntag im Monat treffen sich in Düsseldorf Radenthusiasten auf alten Stahlrennern. Wie es der Zufall will, tun sie das einmal um den Block herum, ein paar hundert Meter vom Küchentisch entfernt, an dem wir frühstückten. Aphro Child ist auch dabei. Was tun? Ich hatte zwar keinen Stahlrenner dabei, aber die Klassiker nehmen die Dinge locker und entspannt und haben mir schon versichert, dass ich selbstverständlich willkommen sei. Indes, um elf starteten sie zu einer etwa dreistündigen Ausfahrt, schon um eins war der Start beim Death Pedal. 

Am Vorabend hatten wir überlegt, ob wir wenigstens die halbe Runde mit den Klassikerfreunden fahren und dann zum Death Pedal eilen sollten. Sonntag morgens war noch immer alles offen, bis wir uns gegen die Hektik entschieden. Eine Ausfahrt in die Region hatte ich am Vortag, Ausfahrten mache ich andauernd, ein Sprintwettbewerb hingegen bietet sich nicht alle Tage.

dp_kreuzbubeDie Death Pedal Sprints finden in Berlin, Düsseldorf, Hamburg und München statt. Man meldet sich zwanglos -und kostenlos- eine Stunde vor dem Start an und bekommt einen Zettel mit der eigenen, ungefähren Startzeit. Dann wird man zum Teil eines bunten Treibens, bei dem alle Radtypen und alle Typen vertreten sind. Nach ein paar Aufwärmrunden geht’s an den Start, der Mitstreiter beim eins gegen eins findet sich nach dem Zufallsprinzip. An dieser Stelle möchte ich mich, so viel Zeit muss sein, bei meinem „Sponsoren“ vom Bike Department Ost bedanken. Ich werde von euch immer gut betreut, das kann man ja auch mal laut sagen. Zwar habe ich als Teamfahrer nichts gerissen, aber Leipziger Rastafari-Flagge gezeigt.

dp_18Nachdem ich bereits rausgeflogen war und mich mit meinem  soigneur prieditis an Speise und Trank labte, trudelten dann auch noch ein paar der Klassikerfreunde ein. Es gab ein Wiedersehen mit Aphro Child und Klassikerausfahrtsblogbetreiber Carsten. Blitzsaubere Räder haben die Männer da hingestellt, alle Achtung! Eine gemeinsame Stahlkocher-Ausfahrt, ob in West oder vielleicht sogar Ost ist nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Nach all den Knipsereien an diesem Wochenende war mir mittlerweile allerdings trotz der schönen Räder nicht mehr nach fotografieren zumute, es saß und plauderte sich gerade so schön.

Das abendliche Finale habe ich nicht mehr miterlebt, ich hatte ja noch 500 Kilometer Autobahn vor mir, auf die ich mich nicht gerade freute. Lieber sitze ich stundenlang im Sattel als im Auto. Cars r coffins.

dp_6Eins noch zu den Sprints, die singlespeed und Fixiefahrer waren sauschnell unterwegs. Die elende Schalterei scheint mehr Zeit zu kosten als sie bringt. Mit dem Eingangrad hingegen liegt der Fokus alleine auf den Beinen, alles andere kann der Kopf komplett ausblenden. Beim Sprint bringt das den entscheidenden Zeitgewinn.

Schließlich machten wir uns am Nachmittag wieder auf unsere Ampeltour, wobei sich mein Aufbruch dann auf sehr angenehme Weise doch noch verzögern sollte. für die Leser gibt es zur Überbrückung der Wartepause bis zur letzten Folge ein Video vom Death Pedal.

In Kürze: Rheinische Trilogie, 3, letzte Folge: Der Highlander
*Titel by kid37
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2 Antworten zu Rheinische Trilogie, 3: Unter Velociraptoren*

  1. kreuzbube schreibt:

    Josch, das war wirklich eine schöne Sache. (Könnte man hier, vielleicht auf der Alten Messe, auch mal machen.) Seitdem grüble ich, an welchem meiner Räder ich mit einem Gang auskommen könnte. Jedoch, ich leider unter Kastrationsängsten.

  2. josch schreibt:

    „Ich weiß vorher nicht immer, was mich erwartet, aber hinterher, was ich verpasst hätte.“

    schoene worte. alles richtig gemacht.

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