Ich hab‘ die Haare schön

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friseur_101926 eröffnete Artur Grosse in einem Altenburger Haus aus dem 16. Jahrhundert seinen Frisiersalon für Damen und Herren. Vierzig Jahre lang schnitt er dort so manchen Kilometer Haare ab, rasierte, massierte, polierte, ondulierte. Im Alter von 71 Jahren dachte er sich schließlich, das reicht, und schloss die Tür hinter sich ab. Diese Tür wurde in den kommenden 35 Jahren nicht mehr geöffnet, bis das Haus verkauft und das Inventar entsorgt werden sollte. Da wurde Grosses Frisiersalon wiederentdeckt, im Originalzustand aus dem Jahre 1926, so, wie Grosse jahrzehntelang in ihm gearbeitet und wie er ihn hinterlassen hatte. Heute ist der Salon als Denkmal erhalten und ab und an kann man sich dort zu besonderen Anlässen auch noch die Haare schneiden lassen.

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friseur_8Altenburg ist vor allem natürlich bekannt durch die Erfindung des Skatspiels anno 1821 und die dort ansässige ASS Spielkartenfabrik, die allerdings einen solch grässlichen Internetauftritt hat, dass ich ihn hier nicht verlinke. Nicht alles steht in Altenburg im Zeichen des omnipäsenten Kartenspiels, auch das beeindruckende Schloss, das Renaissance-Rathaus (dessen Bau so teuer wurde, dass es 30 Jahre nach Errichtung noch nicht bezahlt war), die Brüderkirche, der Kunstturm, das Theater, die Roten Spitzen und der schöne Marktplatz sorgen für das stimmige Ambiente für einen angenehmen Aufenthalt.

friseur_2Wie in so vielen Städten hier im Osten fehlen die Bausünden der westdeutschen Nachkriegszeit, nicht jedoch die Sünden der Nachwendezeit. Die unsäglichen Leucht-reklamen der Ladenketten, die sich allerorten finden, prangen auch in Altenburg an der historischen Bausubstanz. Der kleine Frisiersalon jedoch, der ist frei von Verschandelungen und hat es mir mit seiner besonderen Geschichte bei unserem Besuch im etwa 50 km entfernten Thüringischen besonders angetan. 

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21 Antworten zu Ich hab‘ die Haare schön

  1. kreuzbube schreibt:

    Nach Dresden radle ich am Sonntag hinein, hindurch und wieder hinaus, weil ich mir ein Stück dahinter endlich mal eine Felslandschaft angucken muss. Daumen drücken, dass es nicht wie beim letzen Mal regnet.

    @cut: Jetzt, mit dem Montageständer, kann in die Hände gespuckt werden. Dem Monteur ist nichts zu schwör! Sollte ich mal wieder einen virtuellen workshop veranstalten? Aber zu welchen Problemstellungen?

    • fritz_ schreibt:

      Der Blogger arbeitet sich ins sächsische Hinterland vor (eine Felslandschaft)? Niedlich.
      Gibt’s hier so was wie hello kitty Smilies?
      Wenn du gar so schnell fährst, kommst du im Beeehmerland raus, wie du weißt.
      Ich erinnere mich, du hast mal erwähnt, dass du da auch familiäre Wurzeln hast.
      Davon abgesehen: Augen auf und kraxel ruhig auch mal auch einen dieser Hubbel rauf:

      Nebenbei:
      Bist du schon mal auf der Elbe Paddel-Böötchen gefahren? Könnte kleines Tourchen empfehlen, bei dem es im Wesentlichen darum geht, von flußaufwärts durch Dresden zu kanuen, den Touris einen Finger der Wahl zu präsentieren, vielleicht an den Elbwiesen anzulegen und dann schnell nach Durchqueren der Stadt das Boot einsammelen zu lassen vom profesionellen Booteinsammler und hübsch ins eigene Auto zu hüpfen.

      • kreuzbube schreibt:

        Da fehlt wohl ein link… ich eile jedenfalls morgen von hier über Meißen durch Dresden und dann zum Neurathener Felsentor, daraufhin zur Festung Königstein und zum Abschluss auf den Pfaffenstein.

        Böhmen ist diesen Sommer auch noch dran, die Route schon ausgearbeitet. Ohne die kriegsbedingte Vertreibung der Familie wäre der kreuzbube heute ein Tscheche.
        Nein, auf der Elbe bin ich noch nicht herum geschippert. Ich komme ja zu nichts, der Tag ist viel zu kurz. Gepaddelt wird daher bislang nur durch Leipzig. Dazu muss man für die Auswärtigen ergänzen: Es gibt hier eine ganze Reihe von Flüsschen und Kanälen, auf denen man die Stadt vom Wasser aus erkunden kann. Der Besitzer eines Makkaroni-Ristorantes hat sogar eine venezianische Gondel im Einsatz, mit der er seine Gäste zu Terrasse bringen lässt. Gondoliere in Lipsia:

        http://s196.photobucket.com/user/Slache/media/Bild034-3.jpg.html

    • cut schreibt:

      Workshop fand und fände ich gut. Ein konkretes Anliegen habe ich nicht. So die grundlegenden Dinge vielleicht. Was mit welchem Werkzeug, warum, wieso und wie oft. An komplizierte Sachen trau ich mich ja noch nicht ran. Noch lange nicht. Obwohl ich gerade ein altes Kettler-Alu-Rad wieder Tiptop hinbekommen habe!

      • kreuzbube schreibt:

        Mal schauen. Einmal hoch und runter hatten wir ja schon beim Mädchenrad.

        https://guterbubi.wordpress.com/2011/07/29/the-candyman-can/

        Das Einpressen eines Steuersatzes hatten wir ebenfalls bewältigt:

        https://guterbubi.wordpress.com/2011/10/31/flip-2-der-steuersatz/

        Ich kann das aber gerne demnächst mal mit einem richtigen Werkzeug statt dem selbstgebastelten zeigen. Ich muss ohnehin in einen alten Columbus-Rahmen, den ich mitsamt einiger Anbauteile mal für einen mittleren zweistelligen Betrag gekauft hatte, einen Steuersatz einpressen. Allerdings ist das ja nichts, was man als Radfahrer üblicherweise macht.

        Wiederkehrender Überprüfung bedarf vor allem die Kette, das gibt’s hier:

        https://guterbubi.wordpress.com/2013/01/18/kettenreaktion/

        Alles weitere an Wartungsarbeiten hängt davon ab, was man fährt. Gekapselte Innenlager/Patronenlager wie auch Industriekugellager im Steuerlager und in den Radnaben erfordern natürlich nichtmehr den Reinigungs- und Schmieraufwand, den man früher bei den Kugellagerringen bzw. den einzelnen Kugeln hatte.

  2. cut schreibt:

    Schande über mich, ich bin da noch nie gewesen. Und mir scheint, man kann über die Preise nicht meckern. Aber jetzt, wo ich einen eigenen Montageständer besitze … 🙂

  3. kreuzbube schreibt:

    Auch das gibt es noch, die Preisliste im Fenster der Fahrradladens. In diesem Fall Ricci Sports in Düsseldorf.

    Preisliste Fahrradladen

    • mark793 schreibt:

      Ah, da werden Sie geholfen! Und man weiß in etwa, was auf einen zukommt. Beim hiesigen Fachbetrieb ist im Verhältnis zwischen Ansage und tatsächlichem Endpreis bisweilen eine gewisse Volatilität zu konstatieren.

  4. kreuzbube schreibt:

    Ein Freund von mir, türkischer Friseurmeister, bot die Rasur eine kurze Zeit lang in seinem Salon an. Das stieß aber nicht auf Kundeninteresse. Wahrscheinlich, weil alle je keine Zeit mehr haben. Ich ließe mir das gefallen, mein Berufsziel als Privatier mit solch unaufgeregten Tagesabläufen zu füllen.

    Artur Grosse Frisiersalon Altenburg

    @prieditis: Fraktur-Döner. Herrlich. Dann gleich weitermachen, warum nicht mal die Speisekarte in Deutscher Kurrentschrift und die Rechnung in Sütterlin?

  5. donferrando schreibt:

    Rasiert wird ja in D heutzutage kaum mehr.
    In Italien bin ich eine zeitlang jeden Samstag zum Barbier gegangen und habe mich rasieren lassen. Unter der Woche sah ich dann aus, wie M793.
    Auch heute nutze ich dann und wann meine Italienaufenthalte zu einem gepflegten Barbierbesuch.

  6. carodame schreibt:

    Früher gab es keinen Arbeitsschutz wie heute. Da waren die Kreissägen sehr erfolgreich und in einem Krankenzimmer mit sagen wir drei Männern konnten lediglich noch siebzehn Finger gehoben werden…
    Güteklasse 3 ist heute weit verbreitet zum Preis der Klasse 1 😦

  7. mark793 schreibt:

    Ob die Fußpflege bei Einbeinigen auch Rabatt gegeben hätte? Habe neulich in einem Museumsdorf in der Nähe von Heilbronn eine Arztpraxis aus jener Epoche gesehen. Wie soll ich sagen, beim Gedanken, mich da in Behandlung begeben zu müssen, war ich gewissermaßen kuriert. Aber den Friseursalon finde ich nicht annähernd so abschreckend (gehe hier ja auch ganz bewusst in den uncoolsten Friseurladen wo gibt).

    • kreuzbube schreibt:

      Die Pflege des Stumpfs ist natürlich weniger aufwendig, als wenn noch Finger/Zehen dran sind. Nachdem ich das zuerst als kurios empfand, wurde mir bewusst, wie sehr solche Verstümmelungen seinerzeit verbreitet gewesen sein müssen. Man nimmt das ja nicht in eine Preisliste auf, wenn’s ein exotischer Sonderfall ist.

      Was ich aber noch nicht verstehe, sind die drei Gütekategorien. In Güteklasse 3 wird nur auf die Schnelle und lustlos herum geschnippelt, während man in Güteklasse 1 eine richtige Frisur erwarten darf?

      • prieditis schreibt:

        Naja, da gäbe es z.B. den Topp – Ten – Schnitt…

        „Topp drupp, ten kier eröm“ – Topf drauf, zehnmal rum

        Oder solche komplizierten Fälle wie mich, die ja nie unter 3 Stunden beim Friseur…

      • mark793 schreibt:

        So eine qualitativ gestaffelte Preisliste hat einer der modernen Salons hier um die Ecke auch, wobei das preisbildende Kriterium ist, ob man sich von einem Azubi (sie nennen es „Jungtalent“), der Gesellin oder der Haartistin persönlich schnippeln lässt.

        Ich war da nur einmal drin, weil ich in dem uncoolen Omma-und-Oppa-Salon, den ich sonst immer frequentiere, bei meiner Stammfrisöse kurzfristig keinen Termin kriegte. Hatte schon etwas mehr angelegt als nur den Tarif für das Jungtalent, war aber trotzdem ziemlich bedient…

  8. prieditis schreibt:

    Herrlich! Da hätte ich auch noch was stiften können ;o)

    Bei der Fassadenwerbung kenne ich in Franken einige Orte, wo gar nichts anderes ausser Fraktur genehmigt wird. Das wirkt schon recht ulkig, wenn dort „Tch*bo“ und „Döner“ steht. Wie früher! ;o)

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