Der Schopftintling

Der Schopftintling ist, solange noch jung und frisch geerntet, ein ausgezeichneter Speisepilz. Lässt man ihn nach dem Ernten zu lange liegen, zerfließt er tintenartig. Das geht ihm auch als altem Pilz so, sein Leben rinnt sprichwörtlich dahin. Freunde bewusstseinserweiternder Maßnahmen können ihn mit Alkohol zu sich nehmen, dann ist er kleines bisschen giftig.
Der Führer der Turkmenen, der Türkmenbaşy, war (er ist seit ein paar Jahren mausetot) ein ziemlich durchgeknallter Typ, der nicht nur im ganzen Land Turkmenistan Statuen von sich aufstellte, sondern sich auch zum Propheten ausrief. Der Mann machte nach der Perestroika nochmals Karriere, denn zuvor war er Vorsitzender der Kommunistischen Partei. Wenn schon Personenkult, denn richtig, hat er sich gedacht und kurzerhand eins seiner Bücher zur Pflichtlektüre für sein Volk bestimmt.
Friedrich Wilhelm Bossan, seinerzeit Leiter des Vorläufers des Anhaltinischen Theaters in Dessau leistete Lazarettdienst bei der Völkerschlacht zu Leipzig, erkrankte, wie so viele andere auch, an Typhus (das Begraben aller Toten dauerte ein Jahr) und starb 1813.
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Der Schopftintling, der Türkmenbaşy und Friedrich Wilhelm Bossan haben nur eins gemein, alle drei sind sie anlässlich des heutigen Radausflugs hinzugewonnene Erkenntnisse unseres kreuzbuben. So geht’s, plaudernd, sinnierend und Inspirationen für künftiges Treiben einholend fährt es sich für ihn wie von selbst, fast schon nebenbei. Wichtigste Erkenntnis nach nochmaliger Erkundung jedoch: Die Strecke des künftigen alljährlichen Anhalt Gold Race wird die Fürst-Franz Gartenreichtour sein. Mehr noch als im Frühjahr lädt das sich im Oktober rot und golden färbende Laub dazu ein, durch Wald und Feld und Flur zu fegen.

13.55.02

11.04.47Zum Ausprobieren: Idealer Start- und Zielpunkt ist das Bauhauscafé, da kann man erst einmal mit Kaffee und Kuchen in den Morgen kommen. Nach der Runde füllt das Arbeiter- und Bauernfrühstück den knurrenden Magen und durch die großen Scheiben brutzelt die Sonne wärmend durch den Raum. Als Einstieg in den Rundweg im Uhrzeigersinn bietet sich das etwa zwei Kilometer vom Bauhaus entfernte und gut ausgeschilderte Kornhaus direkt an der Elbe an. Mit dem Crosser erfährt man von dort an ein einziges Vergnügen, der Crosser ist aber auch vonnöten, die knapp 70 km lange und perfekt ausgeschilderte Strecke führt partiell über Asphalt, meist aber über Waldwege mit Laub und Ästen, und als Bonbon winken Kopfsteinpflasterabschnitte. (Fotos gab es hier schon in Hülle und Fülle.) 

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Abendvorstellung im Cinema kreuzbube: „Faxen machen mit Carbon“. Martyn Ashton beweist in spektakulärster Manier, dass man mit dem Pinarello Dogma nicht nur die Tour de France gewinnen kann.

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6 Antworten zu Der Schopftintling

  1. kreuzbube schreibt:

    Wenn man auf riesigen Mengen Öl und dem weltgrößten Erdgasfeld sitzt, dann kann man Leuten aus so einem pupsigen mitteleuropäischen Kleinstaat die Bedingungen fürs Geldverdienen wohl diktieren.

    Ich habe gerade mal geguckt, mit dem Rad werden wir da nicht hinkommen, dazu müssten wir einmal ums ganze Kaspische Meer herum. Aber diesen seit 1971 brennenden Gaskrater von Derweze, das „Tor zur Hölle“, den würde ich mit brennendem Interesse sehen wollen:

    Gaskrater von Derweze

    Quelle: wikipedia

    • justbiking schreibt:

      Ach, das Kaspische Meer…ist nicht so problematisch. Da gibts ’ne Fähre von Baku rüber nach Türkmenbashy. Ich habe das schonmal durchgespielt. Also nochmal langsam: Wir fahren über Wurzen und dann halbrechts Richtung Falkenhain…

      • kreuzbube schreibt:

        Wenn man sich die Strecke mal genau anschaut, dann hast Du natürlich recht. Von Falkenhain aus sind wir schon fast auf der Krim, da könnten wir dann eine Verpflegungspunkt einplanen und anschließend ein wenig mit der Schwarzmeerflotte umherschippern.

  2. justbiking schreibt:

    Noch eine Anmerkung zum Vater der Turkmenen. Dieser ist auch als Prophet in Erscheinung getreten und hat der Welt eine Heilige Schrift – die Ruhnama – hinterlassen, welche die große Geschichte der Turkmenen(…immerhin, die Erfinder des Rades!!!) mit Personenkult vermengt. Pflichtlektüre für jeden Turkmenen!
    Schön, dass die Heilige Schrift uns auch in deutscher Sprache vorliegt. Das haben wir namenhaften führenden deutschen Aktienkonzernen zu verdanken, die sich nicht erblödet haben, jenes Blendwerk ins Deutsche zu übertragen, nur um den ein oder anderen Euro in Turkmenistan zu verdienen.

  3. kreuzbube schreibt:

    Nicht wahr?

    Hier gibt’s die outtakes zum Video:

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