The sunday ride is the sunday ride

oder: „Ein gepflegtes Pils“, was soll das denn sein?
1913

Der Sonntag ist der Tag für die Ausfahrt. Da beißt die Maus keinen Faden ab, das ist so das bleibt so, so ist die Tradition. Wir fahren auch an anderen Tagen, doch die Sonntagsausfahrt ist die Sonntagsausfahrt. Gleichwohl wollen wir uns Neuerungen nicht verschließen. Denn die Sonntagsausfahrt ist mit weiteren starren Traditionen behaftet, mit denen wir gerne mal brechen: Die Männer fahren den ganzen Tag herum und schwitzen sich die Leibchen voll. Anschließen sitzen sie den Rest des Tages herum und schütten sich den Leib voll. Die Damen betreuen derweil etwaig in Besitz befindliche Kinder und machen den ganzen Tag irgendwas, von dem die Herren gar nicht so genau wissen, was es eigentlich ist; vielleicht lesen die Frauen Landlust oder so.

Dabei geht das auch anders. kreuzbube als starker Befürworter der Teilnahme weiblicher Sportskanonen (-innen?) erfährt dabei die uneingeschänkte Unterstützung von justbiking, der sich zum ausgemachten Sozialkompetenzler entwickelt. Wir präsentieren:

justbiking’s fabulous exiting and entertaining Guinness Cross Challenge (lots of fun and drinks for free)

Weil justbiking, ich sprach gestern schon davon, sich als Schirmherr der Veranstaltung nicht um alle Kleinigkeiten der Arbeitsebene kümmern kann, hatte er mich als Tourguide angeheuert. Als solcher habe ich am Vortag eine Strecke mit dem Geschmack von Freiheit und Abenteuer erkundet, auf Herz und Nieren abgeklopft, Probe gefahren und für gut befunden. Entscheidendes Kriterium: Auf Streckenabschnitten, die übergroßes Wagnis verhießen, musste eine alternative Passage möglich sein.

Und so lief es dann: Traditioneller Start war Leipzigs Pub Nr. 1, das Killiwilly. Schon an dieser Stelle muss ich einen Einschub machen, ich löse die zweite Überschrift auf. Pils ist eine üble Plörre, die kommt nicht in mich hinein und was daran „gepflegt“ sein könnte, ist mir ein ewiges Rätsel. (Schlimmer geht’s immer, und das ist in diesem Falle Kölsch, diese abgestanden schmeckende Gesöff, das sie sich im Rheinland nicht scheuen zu trinken.)

Nun bin ich nicht der Trinker vor dem Herrn und habe vielleicht einfach keine Ahnung, das ist nicht auszuschließen. don ferrandos bayerisches Klosterbier, das er zum Concours des Corbeaux mitbrachte, war allerdings wahrlich schmackhaft und das gilt auch, um geschmeidig wieder zu unserer Ausfahrt überzuleiten, vom Guinness. Man denkt ja oft, so ein dunkles Bier müsse besonders stark sein, das Gegenteil ist der Fall, es hat einen eher geringen Alkoholanteil.

Wie auch immer, der Startschuss zum Guinness Cross, vom Hocker in den Sattel, fällt im Killiwilly, denn der Pub ist der Pub. Die Herren müssen sich der Damen wegen auf den ersten zehn Asphaltkilometern zügeln und weil nur ich den Weg weiß, nützt ihnen Eile ohnehin nichts. Dann zahlt sich die ausgeklügelte Streckenführung aus: Parallel bzw. ergänzend verlaufen zum regulären Kurs ein halbes Dutzend Schleifen in schwereres Gelände, dorthin, wo das Herbstlaub Äste, Steine, Pfützen und Wildschweinsuhlen verdeckt und der Weg bisweilen nur rudimentär zu erkennen ist. Je nach Lust und Laune kann man es entweder krachen lassen oder man bleibt auf den breiteren Wegen, bis an den vorbestimmten Schnittpunkten alle wieder zusammenfinden. Trennung und Zusammenkunft klappen auf Zuruf und ganz hervorragend.

GC_5Zwei Stunden später drängen sich vor justbikings Balkon so viele stollenbereifte Räder wie in seiner Küche, der irregulären weil konzessionslosen Außenstelle (zwei Zapfhähne überm Guinnessfass…) unseres bevorzugten Pubs, die Teilnehmer des Guinness Cross je einen Quadratmeter für sich finden.

GC1The sunday ride is the sunday ride – auch gemeinsam statt einsam.  Alle haben das ohne zu murren mitgemacht; dear ladies und gentlemen, es war mir ein Vergnügen, herzlichen Dank an (in alphabetischer Reihenfolge und ladies first) carodame, Helga, Petra, Long Harry Frank, Johannes, Jochen, justbiking Jörg, Ralf, Ron und Thomas.

edit: Schön, dass zur after bike party auch Oli mit Gattin erschienen ist.

 

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19 Antworten zu The sunday ride is the sunday ride

  1. lassen wir’s mal frühling werden! aber prag klingt gut!

    • kreuzbube schreibt:

      Prag habe ich fest auf dem Plan. Von Leipzig aus fahre ich über Dresden, komme vorher schon auf den Elbefernradweg, der ganz traumhaft dem Flussverlauf folgt. So etwa 50 km vor Prag biegt man dann ab und folgt der Moldau. es ginge zwar auch kürzer, aber dann führt die Fahrt durchs Erzgebirge, ich wollte aber leiber mal diese ganze Flusslandschaft kennenlernen, die ich bisher nur bis zur Sächsischen Schweiz abgefahren habe, meine schönste Tour dieses Jahr.

      Ich kann aber noch nicht sagen, ob das 2014 was wird, meine Planungen fürs kommende Jahr beinhalten schon zwei Auslandstouren. Weil ich so manches unter einen Hut bekommen muss, kann ich mir nicht beliebig Radziele setzen. Tschechien wird zwar dazu kommen, aber ob es Prag oder eine andere Strecke wird, weiß ich noch nicht, das hängt auch vom Reisebegleiter ab.

  2. kreuzbube schreibt:

    Fernziel: Rote Laterne und kreuzbube treffen sich auf halbem Wege in Prag. Das habe ich sowieso in der langfristigen Planung.

  3. Ralf schreibt:

    Also meine Herren,
    erstmal vielen Dank für die Éinladung jörg und die kulinarische Nachbereitung. Als selbst Organisierender weiß ich, dass nichts selbstverständlich ist, was für die Gäste selbstverständlich ist.
    Als Dazugereister (das Killywilly sah ich nicht) stieß ich nach zwei, drei Telefonaten mit Jörg im Oberholz zur Gruppe. Flott ging es in den Wald, schneller als ich erwartete. Der geschlossene orangebraune Blätterteppich bot eine gute Grundlage für erfolgreiche Desorientierung. Wir sind dort Rad gefahren, wo andere nicht mal spazieren gehen. Man wäre weich gefallen, wenn man gestürzt wäre. Keiner hat auf diese Weise vom Boden Gebrauch gemacht – gottlob. Das Geläuf forderte nach Konzentration. Meine Orientierung erschloss sich größtenteils aus der Hinteransicht meines Vordermanns. Aber irgendwie vertraute ich kreuzbubes Vorbereitungen. Selber vorher abgefahren hatte er die Strecke und sich dabei nicht verfahren – Respekt :-). Das wellenförmige Trennen und Zusammenführen der Gruppe funktionierte hervorragend.
    Nach der Waldpassage tauchten wir in den Störmthaler See ein, baden war damit nicht gemeint, aber die verschiedenen Ebenen an der Kante, veführten uns, uns eine selbige zu geben. Das Tempo erreichte einen gesunden Straßenschnitt…:-). An der Umfahrung zum Markkleeberger See stand schon der Rest der Gruppe und mit einer letzten Crosspassage erreichten wir Markkleeberg und dann das südliche Leipzig, welches uns in Form von Jörg´s Wohnung herzlich empfing. Guiness gab es…und etwas später frischen Flammkuchen. Sicher lag es an einer kleinen Unterzuckerung, dass mich das erste Guiness schnell in eine heiter-entspannte Grundstimmung sinken ließ…:-) Jedenfalls werden wir diesen Tag nicht so schnell vergessen, sicher die Idee und die Durchführung waren top. Aber es gab da noch einige andere Komponenten:
    Es waren 20°C. Es war ein wolkenloser Himmel (fast). Die meisten fuhren in kurz/kurz. Ein nach Herbst riechender Wald. Es war der 27. Oktober. Und um fünf war es finster…

    • kreuzbube schreibt:

      Ralf, ich kenne die Gegend halt ein wenig, meine innere Taube ist daher gut trainiert. Tatsächlich war ich aber selbst überrascht, wie gut die Zusammentreffen zeitlich geklappt haben, das konnte ich vorher nicht so recht einschätzen. Für das nächste Mal könnte ich noch zwei, drei kleine Schlenker einbauen, Feinabstimmung betreiben sozusagen. Es lassen sich da durchaus Variationen schaffen, fiese, sandige Steigungen am Störmthaler See…

      Jörgs Idee, das als Crossfahrt auszurufen, war hervorragend. In der schönsten, wärmsten Mittagssonne treffen, fahren, drei Stunden später wieder drin, bevor es dunkel wurde (draußen und im Glas), da vergeht die Zeit im Flug.

  4. hmmmm… also ich mag kölsch sehr gerne… liegt aber vielleicht auch daran, dass ich zu den zeiten, an denen ich in köln bin, meist musikeuphorisiert bin 😉 gibt aber beim kölsch auch unterschiedliche sorten, wovon eine für mich auch ein ordentliches „gschloder“ (=plörre) darstellt. aber bevor mir beim anblick der 4 guinness-gläser zu viel wasser im munde zusammenläuft, höre ich nun zum kommentieren auf…

    • kreuzbube schreibt:

      Ah, ein Kandidat für den nächstjährigen Guinness-Cross!

      An die Kölner Altstadt habe ich gute Erinnerungen. Da konnten man, damals nach dem Abitur war das irgendwann, in picke-packe volle Kneipen gehen, ein Bier trinken, in die nächste gehen, dort ein Bier trinken… und man musste nirgends bezahlen… Wahrscheinlich werden die ihr Kölsch anders nicht los.

  5. kreuzbube schreibt:

    Es ist doch schon schön, wenn man gemeinsam fahren kann, Tempo hin oder her. (Ich frage mich gerade, ob es Zeitgenossen gibt, die klammheimliche Befriedigung empfinden, dass sie ihre eigene Frau mal aus den Schuhen gefahren haben…)

    Die Sitzprobleme rühren vielleicht daher, dass Du bei normalem Tempo eine höhere Körperspannung hast. Man bringt Druck aufs Pedal, zieht ein wenig am Lenker, die Bauchmuskulatur ist leicht gespannt und so entsteht zwischen Händen und Füßen nicht unbedingt ein Flitzebogen, aber eine Spannung, die den Druck verteilt. Wenn man sich nun gar nicht anstrengen muss, dann sackt das in sich zusammen und man sitzt halt mit seinem ganzen Gewicht auf dem Allerwertesten. Deshalb kaufen sich die Aufrechtfahrer ja auch diese monströsen „aahh-supersoft!“ Sättel.

    • mark793 schreibt:

      Ja, so in etwa reime ich mir das auch zusammen, dass die Körperspannung den Unterschied macht. Und den einzigen softeren Sattel im Stall, der Langsamfahren auf Dauer genügend abfedert, habe ich natürlich ans Damenrad geschraubt. 😉

      Zu Deiner Frage: Wenn man(n) in anderen Bereichen eher das Gefühl hat, hinterherzuhecheln oder es auch sonst ausgeprägte Rivalitäten zwischen den Partnern gibt, mag das schon vorkommen. Und wer weiß, bei einigermaßen gleichem Trainingsstand/Leistungsniveau wäre mir das vielleicht auch nicht völlig fremd.

      Aber darauf hinarbeiten muss ich nicht. Das wichtigste ist doch, dass man eine gute Zeit zusammen verbringt. Und wenn ich der Liebsten dabei ein paar schöne Strecken und Ecken zeigen kann, die ich selber ausbaldowert habe (oder die mir von anderen nahegebracht wurden) – umso besser.

    • prieditis schreibt:

      Supersoft…
      wie z.B. „Der Krefelder“ am Wanderer, mit seinen 7 Federelementen und 2,2 kg Federleichtbaugewicht? ;o)
      http://prieditis.blogger.de/stories/2302106/

  6. mark793 schreibt:

    Diese Variante mit alternativer Streckenführung für Morast-Allergiker_Innen hat definitiv was. Und gemischtgeschlechtliches Radeln sowieso, wenngleich ich gestehen muss, dass es schon mit gewissen Mühen verbunden ist, die marquise793 für Strecken auch jenseits der 18-Kilometer-Biergartenrunde zu konditionieren. Aber wir arbeiten dran (zuletzt war die Zollfeste Zons unser Ziel).

    Zum Thema Gerstensaft kann ich mich gerne als Ignorant outen mit der Feststellung, dass Bier (egal welche Sorte) ohnehin überschätzt wird. Aber mit einem Radler, Alsterwasser oder anderen Mädchenvarianten kann man mich schon kriegen (mit Guinness freilich eher nicht, da würde ich ein hiesiges Alt dann doch vorziehen).

    • kreuzbube schreibt:

      Hier sollte mal alles unter einen Hut gebracht werden. Damen, Herren, Rekonvaleszenten nach Bruch von Handgelenken und Schulter. Was erfahrungsgemäß in einer Gruppe nie funktioniert: Jetzt fahren wir alle zusammen mal langsam. Aus irgendeinem Grund kriegen Männer das nicht gebacken, dass die Frauen das Tempo bestimmen und wenn es nur 2 x im Jahr ist. Frau wiederum fehlt ein Gen für das Windschattenfahren. Also muss man sich was einfallen lassen, wenn man einen gemeinsamen Ausflug machen will. Die geschilderte ist eine mögliche Variante.

      Die „18 km Biergartenrunde“ klingt nach don ferrando…

      • mark793 schreibt:

        Die Biergartenrunde war früher das, was die Liebste auf ihrem Trecker grad noch mitmachte (und was Töchterlein mit ihrem ersten Rad grad so packte). Allein das sportlichere Damenrad hat den Radius der Dame des Hauses schon deutlich erhöht, aber das Tempo, das ich mit ihr fahren kann, wird wohl auf absehbare Zeit eher gemütlich bleiben. Was auch okay ist, es geht mir da wirklich mehr um die gemeinsam verbrachte Zeit als um Leistungsschau. Gelegenheiten, mich alleine auszutoben, habe ich ja genug.

        Ein Problem mit dem Langsamfahren macht mir übrigens der Sattel vom Mercier (der auch schon vorher an Sir Walter dran war). Wenn ich mein eigenes Tempo fahre, fällt mir da eigentlich nichts auf, aber in gemütlicherer Gangart merke ich den Hintern schon nach 50 Kilometern. Wenn ich die Frau dann zuhause abgeliefert habe und noch paar schnellere Kilometer dranhänge, gibt sich das wieder.

  7. justbiking schreibt:

    Sehr hübsch.
    Zum Bier: natürlich war am linken Hahn ein Alternativbier im Anschlag. Nicht jeder mag Guinness, und daher, getreu dem Motto: think global, drink local, warteten 30 Liter Radeberger auf die Aufmerksamkeit der heiteren, trinklustigen Gesellen. Nur wurde das lokale Bier mit vollkommener Ignoranz bestraft. Es war schließlich Guinness Cross – kein Radeberger-Race!

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