Die schönen Schwestern

Den denkwürdigen Titel „Ilona Roderburg fickt alles nur um schwanger zu werden“ trug im vergangenen Jahr ein Bild, das in der Leipziger Kunsthochschule beim dortigen Rundgang ausgestellt war. Seit ich den Titel des Bildes in einem Blogbeitrag erwähnte, gelangt eine nennenswerte Zahl von Menschen mittels verschiedener Kombinationen der Schlagworte Ilona-schwanger-ficken zum kreuzbubenblog. Darum soll’s nun aber gar nicht gehen, sondern im weiteren und schließlich im näheren Sinne um den diesjährigen Jubiläumsrundgang in der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) zu Leipzig.  Die Kunsthochschule wurde dieses Jahr 250 Jahre alt, ebenso ihr Pendant in Dresden, die Hochschule für Bildende Künste Dresden (HfBK), und der mitteldeutsche Rundfunk hat das zum Anlass genommen, in seinem Radioableger „Figaro“ das Bild von den „Zwei Schönen Schwestern“ in den Äther zu hauchen.

Ihr kennt das holde Antlitz der schönen Schwestern noch nicht? Tretet mit dem kreuzbuben ein, besichtigt den Ort, wo hoch talentierte, genialische Menschen das Rüstzeug mitbekommen, um dem Schönen, dem Abgründigen, der Kunst in all ihren Facetten und Wirkungsformen Ausdruck zu verleihen. Doch drehen wir nicht an der Schwurbelkurbel, bringen wir es gleich auf den Punkt. So sieht’s da aus:

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Offenkundig liegt der Schwerpunkt des Lernens und Schaffens der Studenten an der HGB im Fachbereich Typografie. Die ist allgegenwärtig, man hat zunächst ein eigenes System der Kennzeichnung der Türen der Fachbereiche geschaffen.

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Praktischer Weise erstreckt sich dieses System über das gesamte Haus. Wohin man schaut, Typografie. Wände, Heizkörper, Schränke, Balustraden, Säulen, alles steht im Dienst eines umfassenden Orientierungs- und Kommunikationssystems. 

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Die Fachklassen für Fotografie habe ich anhand der famosen Piktogramme an den Türen mit Leichtigkeit gefunden.

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Beeindruckend die minimalistische Herangehensweise der Grafikstudenten.  Wenn man’s ohnehin kann, dann ist die Gestaltung von Tafeln, Schildern und Plakaten nur noch eine hohle und damit überfüssige Geste. Direkt auf den Feinputz mit dem, was man mitzuteilen hat, ohne Schnörkel und Zierrat.

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Dann habe ich erfahren, dass einer, der klaut, ein Nazi ist. Ilona Roderburg habe ich auch gefunden.

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[Platzhalter: „Nackte Vagina“, Fotografie auf Kopierpapier auf Feinputz, 20 x 30 cm]

Nachdem ich die Korridore aller drei Etagen abgeklappert hatte, wollte ich in einen Raum rein, der Künstler erklärte mir aber, es sei ein Raum (25 qm), in dem sich immer nur exakt drei Personen aufhalten dürften. Weil schon exakt drei Personen drin waren, war für mich kein Platz mehr.

exakt_drei_personenIch habe aber einen langen Hals gemacht, drinnen hing ein Plasteplanschbecken an der Wand (ohne Wasser).

Mittlerweile sollte der Geist des Lesers schon mit dem genius loci dieses einzigartigen Orts verschmolzen sein. Damit sind wir so weit, uns auch dieses Jahr gemeinsam jene Werke anzuschauen, die mir besonders auffielen und gefielen. Kommen wir zunächst zu einem Bekannten aus dem vergangenen Jahr, Leif Borges nämlich, der beim letzten Rundgang Nika und der Wolf zeigte. 

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Leif Borges, Sinfonie

Marten Schädlich hatte ich im vergangenen Jahr ebenfalls bereits gezeigt. Da ist mir übrigens was widerfahren! Seine beiden Bartträger sind offenkundig nach Hollywood gelangt. Gestern Abend sprangen sie uns in der erstaunlichen Geschichte des Walter Mitty im Luru Kino von der Leinwand entgegen. Marten Schädlich jedenfalls war dieses Jahr großformatig vertreten. 

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Marten Schädlich, Schwemmmasse

Monar Broschár mit ihrem Superheldeneis im prieditis-format.

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Monar Broschár, Super-Eis

Wunderbar die Stillleben von Sten Gutglück. Wäre doch nur der Sparstrumpf des kreuzbuben besser bestückt…

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Sten Gutglück, o.T.

Für Yuka Kashiharas Bild (dessen Titel mir zu notieren ich leider vergessen habe) bräuchte ich eine große und dazu die richtige Wand, dann könnte ich aus dem Zimmer in eine andere, fremde Welt treten. Mitten rein, mit einem kleinen Hopser.

yuka_kashihara

Yuka Kashihara

Draußen, ein Stück weit den Karl-Heine Kanal entlang, die Symbiose der akademischen Hochkultur mit den Straßenexpressionisten: Murat, aus der Fachklasse Typographie, hat seine persönliche schöne Schwester gefunden und legt ihr Make up auf, so wir er es in den Fluren und Treppenhäusern seiner Akademie unzählige Male geübt und verfeinert hat. 

persil_heine_kanal

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41 Antworten zu Die schönen Schwestern

  1. kreuzbube schreibt:

    Besagter Wasserhahn. Zudrehen verboten!

  2. kid37 schreibt:

    Supereis, wie schön! Ich fotografiere bei diesen Rundgängen auch immer die Atelierwaschbecken nach den Samstagsparties. Die werden auch zu ganz wunderbaren Installationen, unter Partizipation des saufenden Publikums (Bierflaschen) oder wohlmeinender Geschlechtspartner/Eltern (Blumensträuße). Eine Frage: Durften denn aus dem exakten Raum auch Personen wieder raus? Ich meine, wenn einer geht, sind es in dem Moment doch nicht mehr exakt drei, sondern nur zwei oder gar einer. (Also wenn zwei gehen.)

    • kreuzbube schreibt:

      Eine wichtige Frage! Was passiert, wenn einer raus will, aber keiner dafür rein? Da hätte ich mal drauf kommen müssen, das hätte den Künstler wahrscheinlich in arge Bedrängnis gebracht. Das nächste Mal berichte ich gleich am ersten Tag vom Rundgang, lasse mich dann von euch schlau machen und dann trumpfe ich auf!

  3. donferrando schreibt:

    na ja, die Tierhalterhaftpflicht hätte das schon geregelt.
    Schlimmer wär’s gewesen, wenn der kreuzbube oder gar carodame sich an den Keksen gelabt hätte!

    • kreuzbube schreibt:

      Man muss auch an den Hund denken. Der hätte am Ende dem Richter Rede und Antwort stehen müssen.

      Apropos, da fällt mir ein alter Witz ein:

      Klingelt der Nachbar beim Richter.
      „Herr Richter, so geht’s nicht, Ihr Hund hat mir die Hose zerrissen. Ich verlange Schadensersatz. 100.- EUR!“
      Der Richter überlegt einen Moment, zückt die Geldbörse und gibt seinem Nachbarn 100.- EUR.
      Anschließend meint die Frau des Richters zu ihm: „Aber Liebling, wir haben doch gar keinen Hund!“
      Antwortet der Richter: „Das stimmt, aber man muss immer mit dem Richter rechnen.“

      (Ich soll vom Fußboden essen? Ich heiße doch nicht Hasselhoff.)

  4. kreuzbube schreibt:

    Ein Nachtrag. Der Gute Bubi ist ein Kunstspürhund. Hat man ihm einmal eine Installation gezeigt,


    oder auch zwei,


    dann findet er sie immer und überall.

    • prieditis schreibt:

      Ey! Auf dem unteren Foto… da hat doch tatsächlich wer mein Konzept gekllaut!!!
      Da SIe es gefunden haben, nahmen Sie es sicherlich mit nach Hause, oder?
      Haben Sie auch schon einen neuen Ort, an dem Sie es aussetzen werden?
      Oder lieber behalten, im Wohnzimmer präsentieren, um die Nachbarn neidisch zu machen?

      Vorhin im Radio:
      Putzfrauen haben Kekskrümel beseitigt. Reinigungsfirma soll 10000,- Euro Schadenersatz leisten. Eine hübsche PR-Aktion, denn jetzt gehen bestimmt viele nur aus Neugier in dieses Museum…

      • donferrando schreibt:

        Ja, die Putzfrauen Problematik des guten alten Josef B. wird immer wieder mal eingesetzt!

      • kreuzbube schreibt:

        Mein Wohnzimmer ist nicht groß genug. Ich müsste die Installation verändern, um sie unterzubringen. Das darf man aber glaube ich nicht.

        Aber ich bin jetzt gerade erschrocken. In der Kunsthochschule hatte jemand Kunst aus Käsegebäckstücken auf dem Boden verteilt. Und die Lana hat sich das genau angeguckt. Nicht auszudenken, sie hätte ein Stück… 10.000.- EUR!

  5. kreuzbube schreibt:

    Der Hund ist sozusagen ein Guckskurrilist… -e … /in.

  6. carodame schreibt:

    @prieditis: Soll eine Fassade in Düsseldorf verschönert werden? Da komme ich auf Ideen. SDAP(Secondary Dog Art Photograph). Nur echt mit diesem Hund.
    Sie kriegen einen Abzug. Den ersten. Von einer kleinen Auflage. 😉

    • prieditis schreibt:

      „Die Kunst ist auf den Hund gekommen“ – Ganz große Klasse! Ich freue mich vorab!
      Das Foto wird goldgerahmt!
      So, jetzt sind mir die „!“ ausgegangen ;o)

      Eine Fassade… hm…. mal überlegen…

      • carodame schreibt:

        Oder das hier?

        Biete „????“ gegen „!!!!“ oder einself…
        Vielen Dank aber auch.

      • prieditis schreibt:

        Auch ganz hervorragend! (Oh, da sind die „!“ ja wieder)
        Aber der Blickdes Hundes gefällt mir auf dem anderen besser.
        Es ist ja bekannt, das dieser Hund seine Popularität vom gucken her hat.

  7. don ferrando schreibt:

    Apropos Bilder des P. :
    Gab es noch Rückmeldungen der Apel-Aussetzungen?

  8. don ferrando schreibt:

    Mir gefällt die Persil Installation besonders!

  9. kreuzbube schreibt:

    carodame lässt eine wichtige Erklärung vermissen. Der laufende Wasserhahn über einem der Waschbecken war Kunst. Immer wieder haben Besucher den Wasserhahn zugedreht und mussten vom Künstler ermahnt werden, dass sie das Wasser bitte laufen lassen sollen.

    Ich selbst habe neulich erst über Nacht nach der Reinigung des Fahrrads den Gartenschlauch aus Versehen mit voller gestalterischer Wucht laufen lassen.

    • prieditis schreibt:

      Ich hab hier einen Spülkasten, der macht, was er…äh… ich will.
      Der rinnt nämlich. Titel: „Pissrinne“, quasi. Melde ich mal gleich ne Wort- und Bild- und Geräuschmarke an.
      Und wehe! Da hat dann irgendeiner auch so ein rinnendes Etwas daheim. Den zeig ich an! Beim Polizeipräsidenten nämlich.

      Wieso hat denn der Studioso keine Videoinstallation gemacht?
      Schicke Glasbausteine vor den Monitor, Böse Surround 5.5… arrgh, keine Phantasie mehr, die jungen Leute…keine Phantasie…

      • carodame schreibt:

        Es gab auch eine Art Galaxiemodell aus abertausend Wattestäbchen. Fleißig nenne ich das. Hab auch irgendwo ein Foto davon…

  10. carodame schreibt:

    Mir kamen am Eingang Leute mit „das wird´s dann hier wohl gewesen sein“ entgegen.
    Wahrscheinlich mit Ilona und Miroslav Klose.

    • kreuzbube schreibt:

      Auf solches Geunke muss man auch nicht allzu viel geben. Ich entdecke jedes Mal eine Handvoll Künstler, deren Werke genug bei mir in Bewegung setzen, damit sich die Bewegung durchs Gebäude gelohnt hat. Wenn nun aber unter neuer Leitung der Schwerpunkt des Hauses tatsächlich in Richtung irgendwas mit Medien medienübergreifende Gestaltung gehen sollte, dann wird mein Interesse womöglich erlahmen.

  11. Pingback: Kunst im Gipsraum… | G i p s r a u m

  12. justbiking schreibt:

    Jeder ist Künstler, wer hat das gesagt? Wenn ich den oberen Teil der Kunstwerke sehe kann ich durchaus mithalten.

    • kreuzbube schreibt:

      Das war der Beuys. Er hat das sogar bewiesen, indem er mal 5 Kilo Butter an die Wand geklatscht hat. Ein paar Jahre später, der Beuys war auch schon tot, hat der Hausmeister der Kunstakademie die Putzfrauen den Fettfleck beseitigen lassen. Daraufhin hat das Land NRW als Träger der Hochschule 40.000.- harte Deutsche Mark Schadensersatz gezahlt, an einen Schüler Beuys‘, der vor Gericht zog, weil Beuys ihm angeblich die Fettecke vermacht hatte.

      http://www.zeit.de/1987/46/kunst-im-eimer

      Der Beuys war auch für solche kulturellen Kracher wie den Song „Sonne statt Reagan“ verantwortlich. Seine gesangliche Darbietung mag ich hier aber nicht präsentieren…

  13. prieditis schreibt:

    Spektakulär! Grandios! Revolutionär!
    Natürlich ist alles ab Leif ff reaktionäre Sche*ße.
    Ilona auch.

    • prieditis schreibt:

      Achso, der Düsseldorfer Joachim Murat hat natürlich das Düsseldorfer Waschpulver hervorragend in Szene gesetzt.

    • kreuzbube schreibt:

      Ilona ist aber ein Dauerbrenner. Seit gestern wird sie, nach wie vor schwanger, vermehrt in Dresden gesucht. So wie es ausschaut von Leuten, von denen man nach dem Hauptsatz keinen Nebensatz mehr erwarten darf.

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