Millar’s Day

Am 5. Juli geht’s wieder los und langsam muss ich in den Rennmodus finden. Nicht, dass ich die Frischluftbewegung nun gegen eine Rennteilnahme eintauschen wollte; Gott bewahre, in meinem Falle wäre das allenfalls die Karikatur von Sport. Mein Radfahren ist wie ein wenig Kicken sonntags im Park, das weit entfernt ist vom richtigem Fussball junger, dynamischer und trickreicher Ballkünstler.

Aber Sport schauen, das geht. Und David Millar, der ist auch immer ein sicherer Tip. Sein Buch Vollblutrennfahrer hatte ich bereits vorgestellt und nun warte ich darauf, dass sein Film fertig wird. The David Millar Project soll den Rennfahrer aus einer noch nicht gesehenen Perspektive zeigen. Regisseur Finlay Pretsell, selbst ehemaliger Rennfahrer, wählt einen Ansatz, der mich sofort anspricht, weil er den ganzen oberflächlichen Zinnober außen vor lässt.

„People often talk to me about it – who’s going to win this race or that, how many miles have I ridden, what’s my power output, what bike have I got? All of this detail does not excite me – they are tools, necessary but irrelevant.“

Stattdessen will Pretsell vermitteln, was die Fernsehübertragungen nicht bieten können, die pure Essenz des Rennenfahrens wie es der Rennfahrer erlebt und durchlebt. 

We discover what it takes to race at this level, what David has come through and, as he nears retirement, where he is going.

The best films are like experiences, they take us on a journey into a world we would never normally have access to. In my previous films I have aimed at making people feel what it is like to be a velodrome cyclist, an aging weightlifter or an institutionalised prisoner. In this film I want to be as close as possible to participating in the race with David.

Ich bin gespannt und hoffe, dass nicht nur eine bessere Ausgabe der bei jeder RTF üblich gewordenen Go-Pro-Filmchen entsteht. Bis es so weit ist, können wir David Millar an einem Tag der Tour de France begleiten. Blutprobe, Frühstück, Training, zweites Frühstück, Wettkampf. Wie dünn die Radprofis sind! Millar ist 1, 92 m groß und wiegt 76 kg…

Apropos Gewicht: Bradley Wiggins, der Tour de France Sieger 2012, bringt bei 1,90 m Körpergröße 77 Kilo auf die Waage. Der 1,86 große Chris Froome, sein Nachfolger, hatte sein Gewicht für die Tour 2013 gar unter die 70 Kilo Grenze gedrückt.  So schaut’s aus, liebe Leute, wer schnell Berge hinauf kommen will, muss wohl massiv abspecken und aussehen wie ein Skispringer. Ich kann es verstehen, wenn die Fahrer nach Karriereende allenfalls noch ab und an locker vor sich hin radeln und ansonsten genießen, was ihnen bis dahin von der Jugend an verwehrt war.

Aber zurück zum Film. Im Jahr 2009 hat sich David Millar am Tag der 18. Etappe der Tour de France, einem Zeitfahren, von der Kamera begleiten lassen. Bis der in der Mache befindliche Dokumentarfilm fertiggestellt ist, können wir uns damit auf die Tour einstimmen:

(Merkzettel kreuzbube: Diesjährige Eröffnung des Tourcafés auf dem kreuzbubenhof vorbereiten)

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter kreuzbube schaut an abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Antworten zu Millar’s Day

  1. crispinus schreibt:

    man sollte das Erzeugnis in einem Filmabend mal einem/ diesem pepe danquart streifen gegenüberstellen, da zeitgenossenschaft besteht. nach dem Millar Buch ist ein Risiko von embedded films geringer geworden .

    Allerdings habe ich bei den gewichtsdaten der Sky Heroen (wieder einmal) geschluckt. Es geht nämlich darum, die Gewichtsverluste ohne Kraftverluste zu erreichn, was „normal“ nicht drin ist.

    • kreuzbube schreibt:

      Verflixt. Gerade wollte ich schauen gehen, wie weit ich es bis zu den sub70 habe.

    • mark793 schreibt:

      @crispinus: Wieso Gewichtsverluste? Haben diese Typen so starke Gewichtsschwankungen? Solange ich noch rauchte, war < 80 Kilo bei 190 cm Körpergröße meine konstante Gewichtsklasse – auch ohne Schinderei. 😉

      • kreuzbube schreibt:

        Ohne Schinderei, aber dafür wahrscheinlich mit den Wattzahlen einer Energiesparlampe… 😉 Leicht sein alleine ist es ja nicht. Kate Moss ist auch leicht, käme aber trotzdem kaum den Berg hinauf. Für die Radsportler zählt das Leistungsgewicht. Watt pro Kilogramm Körpergewicht. Wenn man bereits nahezu fettfrei ist und dennoch mehrere Kilo abnimmt, dann muss sich zwingend die Muskulatur verändern.

        Wiggins hat als mehrfacher Bahnrad-Medaillengewinner über 6 Kilo Gewicht reduziert. 2016 will er wieder auf der Bahn starten, wird das also in die umgekehrte Richtung machen.

        Radsportlermuskeln:

  2. prieditis schreibt:

    Ah, danke für den Tipp!
    Ich schlafe ja gerne mal bei den herkömmlichen TV-Übertragungen ein.
    „Sunday in hell“ hab ich bis zum Schluss geguckt, obwohl er für heutige Verhältnisse gewisse Längen hat.
    Ich bin gespannt, in welchem Programmkino man den sehen können wird.

    • kreuzbube schreibt:

      Sunday in hell habe ich mir mal auf der Rolle angesehen, um nicht auf der Rolle einzuschlafen. Jeder Dekade probiere ich das nämlich mal aus um mir dann zu sagen, „Mann, ist das einschläfernd.“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s