Das Erbe der Alfonsina Strada

Herrenfahrer, seid euch eurer Sache nicht zu sicher. Gestern hat carodame das Feld stehen lassen und nach einer 50 km langen Ausreißerfahrt die Bergankunft auf der Herrenkuppe bei Dresden-Cossebaude für sich entschieden. Damit ist sie die erste Frau in der bisherigen Männerdomäne, die sich in die Wertung der Unendlichen Rundfahrt einträgt. Was man als Novum sehen könnte ist keins. Beim Giro D’Italia 1924 dringt Alfonsina Strada als einzige Frau die Phalanx der Männer ein, nachdem sie zuvor bereits drei Dutzend Rennen gegen männliche Konkurrenten gewonnen hatte. Und nun haltet euch mal fest, Zahlennotierer: 1911 fuhr Strada Stundenrekord über 37,192 Kilometer. Und nun haltet euch mal fest, Schönwetterfahrer: „Auf der Etappe von Genua nach Florenz wurde sie 50. von 65. Dann kam es zu einem Wetterwechsel, es regnete in Strömen und die Straßen waren von Schlamm und herabgestürzten Steinen übersät; Strada stürzte häufig, wie viele andere. Als ihr Lenker brach, ersetzte sie die eine Hälfte durch einen Besen, den ihr ein Bauer gegeben hatte.“ 

Doch das ist eine andere lesenswerte Geschichte, der der Guardian unlängst den angemessenen Raum eingeräumt hat. Zurück zum Bismarkturm Cossebaude.

bismarckturm_cossbaude

Wie man sieht ist der Bismarck“turm“ eher ein gedrungener Knubbel und der Weg zu ihm führt -nomen est omen- über einen fiesen, steilen Stich abseits der Straßen, den Gnomenstieg. Unendliche Rundfahrer müssen runter vom bequemem Asphalt und klettern,  schultern, schieben. 

bismarckturm_cossebaude_2

1913 wurde das Bauwerk als Feueraltar zu Ehren Bismarcks errichtet. Nach 1945 sollte auf Weisung des damaligen Bürgermeisters der Bismarckkopf und auch die Widmungstafel entfernt werden. bismarcktürme.de: „Da sich die Bauarbeiter weigerten, wurde dies von der politisch engagierten Jugend übernommen. Das Feuerbecken wurde entwendet, die Bismarckbüste entfernt.

Aktueller Stand der Unendlichen Rundfahrt.

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matthi: 1
carodame: 1

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12 Antworten zu Das Erbe der Alfonsina Strada

    • prieditis schreibt:

      Vielen Dank! Hat Spaß gemacht, ihn zu lesen.
      Ich möchte noch betonen, daß ich ein großer Freund von den wirklich wichtigen Zahlen bin…. 50 Liter…

      • kreuzbube schreibt:

        Man darf auch nicht twobeers flexible und die Konkurrenz überraschende Strategien unterschätzen: Auf die diesjährige Ausgabe hat er sich wochenlang ohne Zahlen vorbereitet – und damit alle überrumpelt!

  1. kreuzbube schreibt:

    @prieditis, wenn mir mal in Prag sind, dann ist das nur noch… ein Klacks, sozusagen.

  2. Twobeers schreibt:

    Am Montag fuhren wir mit dem Zug Wien -Berlin an Dresden vorbei und konnten die Türme bewundern. Gerne hätten wir die Bewegungslosigkeit des Zugreisens gegen eine kleine Runde auf dem Rad getauscht…

    • kreuzbube schreibt:

      Zwei Türme sind in Dresden selbst noch zu vergeben, ein weiterer unweit davon in Radebeul. Mal gespannt, wer sich diese drei auf einen Streich sichert… auch der Moment der Ankunft am Dresdner Elbufer lohnt immer eine Reise. Wien hingegen habe ich auch in schöner Erinnerung, ob ich das meinem alten Stahlrenner noch zumuten kann?

  3. carodame schreibt:

    Dankeschön! Ja das Rad ist vom Handy leider nur schlecht wiedergegeben. Also für die Leser: Es handelt sich um ein einzigartiges Artrad, vom Künstler prieditis sorgsam gestaltet.
    (Der arme Mann sitzt wie viele nun bilderlos! in seinem Blogzimmer, nach sieben Jahren. Wirklich tragisch)
    In meiner Einfalt glaubte ich, auch die anderen beiden Dresdner Türme mal eben zu besuchen. Sind ja schließlich alle in einer Stadt… Ich habe auf dem schmalen Steig dort hinauf diese Idee mit der Rundfahrt ziemlich verflucht(mir die Zähne ausgebissen) und es dann doch bei dem einen Punkt belassen. Meine Reise hatte schließlich einen anderen Grund.
    Die Aussicht allerdings ist wunderbar. Ebenso wie der Empfang durch die Stadtkulisse beim Eintreffen in Dresden am Elbufer. Wirklich grandios. Jedesmal. Da habe ich meine durch Verirrungen, Umleitungen zusätzlich gefahrenen Kilometer im Nu vergessen.
    Den Pfaffenstein, das eigentliche Reiseziel, habe ich am Abend allerdings ohne Rad erklommen. Das geht überhaupt nicht und außerdem war ich in Begleitung meiner Studienfreundinnen, mit denen ich durchs Nadelöhr auf den Gipfel kraxelte und bis zum Sonntag dort blieb. Nachts rief der Uhu durchs offene Fenster und die Bilche kreischten ihre Sorgen ums Dasein in die Dunkelheit. Wunderbar. Am Sonntag kam mir der Kreuzbube in Meißen mit dem Rad entgegen, nahm ritterlich meinen Rucksack und eskortierte mich auf dem kürzesten Weg nach Hause.

  4. prieditis schreibt:

    Hervorragend!
    Herzlichen Glückwunsch!
    Carodame ist ja bekannt für ihre Kletterfähigkeit. Merane und Fichtelschneekoppe oder so.
    Respekt!
    Stammt von ihr nicht auch der Satz: „Eine echte Bergfahrerin braucht nicht mehr als 21 Zähne*!“
    * also, Ritzel, mein ich

    Schönes Rad auch…. ;o)

    • kreuzbube schreibt:

      Und alles, inklusive Bergwertung, mit der großen Kurbel! Sie fährt eben lieber custom-Räder als solche von der Stange, auch wenn die Blätter viel größer sind.

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