Schon trocken hinter den Ohren?

Ich fahre dauernd mit dem Fahrrad herum und stürze einmal pro Monat. Diese geistige Ausnüchterung genieße ich. Wolfgang Joop
***

Ich muss meine Meinung revidieren, Rennräder brauchen natürlich keine Anlötösen für Schutzbleche, haben noch nie Schutzbleche gebraucht, wie gestern bewiesen wurde.

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Bis zum „Erbeertraum“, einer sensationellen Torte in unserem neu entdeckten Favoriten unter den Cafés, war noch alles gut, Berg rauf, Berg runter, alle waren wir noch in trockenen Tüchern, auch wenn wir die Fahrt auf den richtigen Berg eingedenk der Wettervoraussagen verschoben haben. Die letzten 50 km waren dann eine einzige Regenfahrt. Fast hatte ich ein schlechtes Gewissen, ob das für die Damen nicht eine zu große Zumutung sei, aber die nahmen die Dauerdusche offenkundig als Erfrischung und waren bis zuletzt bester Dinge. Nichts ist so wasserdicht wie Haut, warum also jammern, so lange es sommerlich warm ist?

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Um nun auf die Schutzbleche zurückzukommen, wenn’s regnet ist man früher oder später nass. Von oben bis unten, von den klatschnassen Haaren bis zu den vollgesogenen Socken. Daran würde kein Schutzblech der Welt etwas ändern, das Wasser kommt bevorzugt von oben, je nach Wind gerne auch mal von der Seite und von vorne. Ob ein Teil davon wiederwertet und uns von unten her noch einmal entgegen geschleudert wird, spielt dann keine Rolle mehr.

Schutzbleche braucht man also nur – wenn es nicht regnet. Wenn die Straßen v0n einem vorhergehenden Regen noch nass sind, wenn man nur ein paar Meter zurückzulegen hat, wenn mal ein kleiner, leichter Schauer den Asphalt befeuchtet; auch auf Reisen, wenn man Regenhosen und Jacken im Gepäck hat. Kurzum, nicht beim Sport.

Andererseits, so eine winzige Anlötöse kostet nichts, wiegt nichts, es gibt keinen Grund, bei der Herstellung des Rades darauf zu verzichten und dieses damit vielseitiger verwendbar zu machen. Weil aber bis auf löbliche Ausnahmen wie bei den britischen Machern von Genesis Bikes aber keiner mehr so denken mag, muss die Lösung von Drittanbietern kommen. Und die kommt dann auch. Ihr müsst nicht mehr nach uralten Rahmen suchen, um Schutzbleche ans Rad schrauben zu können.  

eyelets_1

Früher gab’s so etwas Ähnliches schon einmal, als Blechscheiben mit zwei Löchern drin. Durch eins kam der Schnellspanner/die Achse, am anderen befestigte man mit Schraube und Mutter das Schutzblech. Das hier ist die etwas elegantere Lösung. Eloxiertes Aluminium mit Gewinde. Vier Stück kosten 10.- EUR und wie so oft heutzutage im Radsportbereich kommen die guten Dinge aus Großbritannien.

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Die beste Lösung erzielt man am Cyclocrossrahmen, weil an ihm Schutzbleche problemlos durch Hinterbau und Rahmen passen, womit der Crosser seinen Status erneut beweist: The best of both worlds. Aber ich mich hört ja keiner…

***

1 – Hey ho, let’s go!

gruna-fähre

sheena_5Apropos trockene Tücher, da wurde mir jüngst Gutes beschert von Hallzig Express– Presidente Salamander Faxenschwamm, mit dem ich vorgestern -bei Sonnenschein- unterwegs war.

Wir müssten immer mal einen Rock ’n Roll Ride machen, hatten wir nach meinem Ritt zum  Sabbath- Spektakel  überlegt.

Komm‘ mal vorbei, hat Salamander Faxenschwamm gemeint, ich habe hier ein Trikot für Dich liegen. Custom made.

Rock ’n Roll Ride. Ich wollte zunächst ein Bilderrätsel machen, verrate die Auflösung aber gleich am Anfang.

sheena_2

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12 Antworten zu Schon trocken hinter den Ohren?

  1. kreuzbube schreibt:

    @rote laterne: Komische Vorstellung nicht wahr, dass man beim Sport nicht nass und nicht schmutzig werden darf. Die nächste Forderung: Auch nicht schwitzen.

    (Heute werde ich wieder mit Putz- und Mauermörtel hantieren – und hinterher entsprechend aussehen.)

    • lässiges video 🙂 ja, in der tat komisch, dass man beim sport auch immer perfekt aussehen muss: nicht schmutzig, nicht verschwitzt, vielleicht auch noch geschminkt. schweißgeruch beim sport wird vielleicht bald geächtet…
      ich habe mit dreck und salzkruste an mir beim sport keine probleme. mit schweißgeruch auch nicht, das riechen eh nur die anderen. das problem bei regen- oder cross-ausfahrten ist ein anderes: straßenstaub und dreck zieht sich in kette, schaltwerk, antrieb und überhaupt in alle ritzen des rades, das finde ich aufgrund des erhöhten verschleißes nicht gut. und das putzen der räder, da ich meist gewissenhaft reinige, ist halt dann schon zeitaufwändig…
      wünsche gute nerven, viel erfolg und spaß beim heimwerken 🙂

      • kreuzbube schreibt:

        Im täglichen Verkehr ist das Singlespeed klar im Vorteil, was die Wartung betrifft. Ansonsten bin ich schon recht häufig dabei, Kassetten zu reinigen, auch wenn ich die Intervalle schon ausgehend habe.

        Nerven brauchte ich gestern, als ich eine Feder in einem Ergopower Schalthebel auswechseln wollte. Die Feder wollte aber nicht so, wie ich wollte, obwohl ich das schon mal gemacht habe. Gegen 23:30 fiel mir auf dem Sofa ein, wie es gehen könnte, also noch mal rüber in meine kleine Werkstatt. Siehe da, es ging, und die Nerven waren wieder beruhigt.

  2. kid37 schreibt:

    „Sheena is… a Cross-Rider… Sheena is… a Cross-Rider…“
    Ich hatte angenommen, ihr habt da so wasserdichte Ganzkörperpellen am Leib und wärt immun. Für meine regnerischen Landpartieausfahrten nutze ich ab und zu so „Chaps“, die bloß die Oberschenkel bedecken. Also die Partie, die von oben vom Regen getroffen wird. Die sind blitzschnell angelegt und helfen recht gut. (Man schwitzt trotzdem ein bißchen unter der Schicht,weshalb ich mir echte Regenhosen etc überhaupt nicht vorstellen könnte.)
    Am Holländer wird sonst auch übertrieben – ich hatte ursprünglich noch so einen Gummilappen vorne unten am Schutzblech. Aber da ich keine Kuhfladen aufwirbele, brauche ich das nicht.

    • kreuzbube schreibt:

      Sheena: Das wusste ich, von wem die Auflösung im Nu kommen würde.

      Wasserdichte Ganzkörperpellen: Man hat die Wahl: Möchte man lieber vom Regen nass werden oder in der eigene Nässe schmoren?

      Ich habe leichte Regenhosen von VAUDE („spray pants“) in 3/4 Länge. Die sind bei kühlen Temperaturen wirklich klasse, weil die zuverlässig trocken halten und den Wind stoppen. Aber im Sommer möchte ich damit nicht unterwegs sein. Atmungsaktiv und wasserdicht gibt es nicht. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis man nass ist – von außen oder von innen.

      Aber wie gesagt, das muss mich beim Sport nicht stören. MTB- und Querfeldeinfahrern ist das sowieso egal, Triathleten springen erst einmal für ein paar Kilometer ins Meer, bevor sie auf s Rad umsteigen. Als ich noch Fussball gespielt habe, war ich im Winterhalbjahr ständig vom Schlamm besudelt. „Ich kann heute nicht mitspielen, es regnet“, kein Satz, der einem da über die Lippen kommen sollte.

      • ja… fußball… ich war mal tormann und meine augen haben immer geleuchtet, wenn’s nass und weich war… schutzbleche am rennrad – unabhängig davon, ob’s etwas bringt – sehen mMn nicht gut aus. damit hat sich’s für mich 😉

      • mark793 schreibt:

        Im Sommer kann ich auf die Regenhose auch sehr gut verzichten – aber wann ist hier in diesem maritimen Scheißklima des Niederrheins schon mal meteorologischer und nicht nur kalendarischer Sommer?

        Ich guck aus dem Fenster und frage mich, ob ich um 14 Uhr schon Licht an den Lenker vom Schutzblechrad klemmen soll. So stark, dass ich die Regenhose anziehen würde, pladdert es zwar grad nicht, aber obenrum hab ich echt keine Lust durchzuweichen bei diesen nicht alzu hohen Temperaturen.

  3. kreuzbube schreibt:

    Frischen Schwung in die Wassermassen brachten auch entgegenkommende Autos, die durch tiefe Pfützen fuhren. Da kann man das Wasser nur annehmen, es ist ja nur Wasser. Und der Dreck wird ja sowieso sofort wieder runterspült, wenn es ergiebig und die ganze Fahrt über regnet. Womöglich kommt man sauberer an, als man losgefahren ist…

    • mark793 schreibt:

      Das hängt von vielen Faktoren ab. Gestern war ich vergleichsweise wenig eingesaut, aber zu Zeiten mit mehr landwirtschaftlichem Verkehr sahen Rad und Reiter auf der gleichen Strecke auch schon ganz anders (lies: schlimmer) aus.

      • kreuzbube schreibt:

        Ja, aber duschen muss ich hinterher ja sowieso, ob ich nur halb oder ganz verdreckt bin, das kommt aufs Gleiche raus.

      • mark793 schreibt:

        Jein, im Zweifelsfall bin ich lieber nur nass als auch noch vermatscht. Und ich wische lieber ein nasses Rad trocken als ein verschlammtes Rad saubermachen zu müssen. Habe ja weder Garten noch Innenhof mit Wasseranschluss, die Badewanne mit Brause ist zwei Stockwerke höher und eigentlich auch off limits für Fahrräder. Kurzum: Je weniger Matsch im Spiel ist, desto besser. Wobei ich das Schlechtwetterrad auch mal dreckig in den Keller stelle, bin da nicht überpenibel.

  4. mark793 schreibt:

    Stimmt schon, im Grunde kann es einem ab einem gewissen Punkt egal sein, ob die Brühe nur von oben kommt oder auch von unten hochspritzt. Aber im Pulk fahrend ist es schon von Vorteil, wenn einem der Vordermann die Dreckbrühe vom Hinterrad nicht gerade voll in die Fresse spritzen lässt. Um nicht eigens einen (für mich ansonsten völlig nutzlosen) Crosser anschaffen zu müssen, habe ich mir übrigens vor Jahren diese Variante aufschwatzen lassen – und es bislang nicht bereut. Dass die sehr leichten Schutzbleche zu kurz sind, um sie unter den Bremsen durchzufrickeln, ist zwar optisch etwas gewöhnungsbedürftig, aber unter funktionalen Gesichtspunkten völlig vernachlässigbar. Die DInger sind bei Bedarf auch ruckzuck vom einen Rad ans andere drangefummelt.

    Hier war es gestern nicht sommerlich warm, und so war ich froh, die Regenklamotten dabeizuhaben (und auf dem Schutzblechrad unterwegs zu sein), als es lospladderte. Was fehlte, waren Überzieher für die Schuhe, aber zumindest ließ sich das Durchweichen bis auf die Socken mithilfe zweier Plastiktütchen in den Schuhen hinauszögern. Für den Helm habe ich übrigens einen Überzieher, den ich bei sommerlichen Temperaturen auch als verhandelbar betrachten würde – aber hey, wann haben wie hier am Westpol schon mal sommerliche Temperaturen? Entsprechend froh und dankbar bin ich für alles, was einem bei etwas frischeren Außentemperaturen das Gefühl des totalen Durchgesupptwerdens erspart.

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