Welcome to tomorrow

Unlängst, ich fahre gerade mit knapp 30 km/h schon etwas ermattet gegen leichten Wind, da fährt eine Frau an mir vorbei. Baumwolljogginghose, Turnschuhe, reichlich Hüftgold. Ich bin doch sehr verwundert und überlege, ob ich letzte Reserven mobilisiere und sie in die Schranken weise ihr Windschatten gebe. Ein Stück weit vor uns liegt ein langezogener Anstieg mit vielleicht vier, fünf Prozent, dort mühen sich zwei weitere Rennradfahrer hinauf. Mit scheinbar gleichbleibendem Tempo düst die Dame an ihnen vorbei – und ich halte mal schön die Füße still.

Da muss ich mich nicht einmal weit aus dem Fenster lehnen, ebikes sind die Zukunft. In einem Vierteljahrhundert werden sie den Fahrradmarkt dominieren und sie werden ganz anders aussehen als ihre noch etwas klobigen Vorgänger, die heute herumfahren. Akkus werden so weit entwickelt und verkleinert sein, dass sie in beliebigen Rahmenrohren untergebracht werden können und wenn man sich betrachtet, dass es heute schon Modelle gibt, die 80 km/h bei ebensolcher Reichweite auf den Asphalt bringen, dann kann man sich die weiteren Technologiesprünge ausmalen. Ob mir persönlich das gefällt oder nicht ist für diese Entwicklung völlig wurscht. Die Verkaufszahlen explodieren bereits jetzt. Während der Fahrradmarkt insgesamt leicht rückläufig ist, legen die ebike-Verkäufe in Europa jährlich im zweistelligen Bereich zu und sollen europaweit bis 2020 zwei Millionen Stück pro Jahr betragen. Getoppt wird das nur durch China, dort werden jährlich fast 30 Millionen ebikes verkauft.

Der Sport trägt dem bereits Rechnung. Bei Jedermann-Rennen gibt es längst ebike-Klassen und auch am Nürburgring gibt es ein 24 Stunden-Rennen mit ebikes. Damit fahren die Teilnehmer dann auch jene Streckenabschnitte mit knapp 30 % Steigung, bei denen die Rennräder passen.

Bin ich scharf drauf, mir die Anstrengung der Bewegung alleine mit Muskelkraft zu ersparen? Nein. Bin ich scharf drauf, mal mit so einem Highend-Top-of-the-pops-Stromer mit Drehmoment von der ersten Sekunde an so richtig loszulegen? Absolut! 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter kreuzbube grübelt abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

36 Antworten zu Welcome to tomorrow

  1. carodame schreibt:

    Haha, ich lese dauernd velosex … 😉

    • carodame schreibt:

      … oben bei prieditis….

    • kreuzbube schreibt:

      Nicht als einzige, nicht als einzige…

      Die Badische Zeitung bringt tatsächlich diese fettgedruckte Schlagzeile fertig:

      Velosex: Immer schön langsam

      Wer heute noch Velosolex fährt, fällt garantiert auf – eine Annäherung an das unsterbliche Mofa nach 37 Jahren Pause.

      Die Zürcher haben sogar ganz gründlich geregelt, dass man nicht mit dem Velo zum Sex darf. Da gibt es nämlich Piktogramme, die genau vorschreiben, wie und wo man auf dem Strich Sex haben kann. Man darf nicht mit dem Rad hin, und man darf es nicht auf den Bäumen tun…

      Dieses Schild soll’s richten: Sex nach Vorschrift auf dem Strichplatz

    • prieditis schreibt:

      Ein interessantes Sujet… da wird wohl bald ein neuer „Exkurs“ das Internet zieren.
      Bückware, quasi

      Ich mach mir mal Gedanken…

      • kreuzbube schreibt:

        Wobei natürlich alles in Ordnung ist, solange man noch „velosex“ denkt. Wenn man hingegen bei „velo“ angelangt ist… frei nach Mehmet Scholl, der auf die Frage, ob er auch Golf spiele, antwortete, nein, er habe ja noch Sex.

      • prieditis schreibt:

        Das ist aber ein sehr abgedroschener Altherrenwitz, der mit dem Golf. ;o)
        Den hört man hier, wo auch mal ein Dorf zwischen den vielen Golfplätzen liegt, öfter.
        Erinnern Sie sich noch an diese „lustigen“ Autoplaketten mit sechs Hasen hintereinander?
        Die Hasen trugen Zylinder…

        Velosex sells…

  2. donferrando schreibt:

    Ich plane ja meinen (prekären) Ruhestand und da war die Idee, so ein Elektrofahrrad anzuschaffen auch schon aufgetauch. Zusammen mit einer Solarladestation würde sich das dann für mich schon rechnen.
    Würde ich in der Ebene wohnen, dann sähe das anders aus. Aber für Einkäufe etc müßte ich am Ruhesitz immer fast 500 Höhenmeter überwinden. Das ist das elektrisch unterstütze Fahrrad eine echte Alternative zu Auto oder Moped. Auch aus Umweltgesichtspunkten!

    • kreuzbube schreibt:

      Mal ganz ehrlich, ich sehe mich nicht bis zur Rente arbeiten… und täglich zum Brötchenholen 500 Höhenmeter zu überwinden,, um dann anschließend Unterwäsche, Hemd und Hose schweissdurchnässt in die Wäsche zu geben, das würde mir wohl auch nicht passieren.

      Ich hatte mal einen 250 Meter hoch gelegenen Arbeitsplatz, den man über eine steile Zufahrt erreichen musste. Zur Frühschicht war das immer noch ganz schön mit dem Rennrad, aber zur Spätschicht im August bei 30 °C… Das geht ohne Dusche gar nicht.

      Oder hier, das ist die Auffahrt zur Wartburg. Sie liegt etwa 400 Meter hoch und wenn die dortigen Bediensteten, wie ich erleben konnte, mit dem Pedelec zur Arbeit fahren, scheint mir das mehr als verständlich.

  3. kreuzbube schreibt:

    Hinzu kommen Unternehmen, die ihren Mitarbeitern Pedelecs zur Verfügung stellen, die Deutsche Post, die große Stückzahlen von Elektrofahrrädern ordert, Pizzadienste, die nicht mehr mit Motorrollern fahren… Vor zwei Jahren sind mir die Dinger kaum begegnet, heute immer mehr. Und wir sind hier in der Tiefebene, je hügeliger es wird, umso mehr Leute werden mit Strom fahren, vermute ich. Gleiches gilt für den ländliche Bereich, wo man immer mal ein paar Kilometer fahren muss, wenn man was erledigen will, wo die Leute aber Garagen haben, um die Räder abzustellen.

  4. Texas-Jim schreibt:

    http://www.zeromotorcycles.com/de/

    Für mich persönlich teilt sich das ganze auf:
    Einerseits ein Fahrrad mit Akku und Motor, ob es nun bei 25 km/h oder bei 40 km/h bleibt, wie auch immer. Damit kann ich Rad fahren. Ins Büro pendeln, auch wenn ich dereinst Hemdenträger sein werde. Auch wenn die Zeitdifferenz für Tagesfahrten um die 40 Kilometer deutlicher sein wird als im Moment (22 Kilometer, viel Verkehr auf der Straße). Der Akku schiebt eben die Grenze ein wenig nach oben, bis zu der ich täglich Rad fahren will. Ich will ja, zeitlich und konditionell, auch noch etwas anderes tun, als nur unterwegs vom oder ins Büro zu sein.
    Andererseits dann das Vergnügen, das auch ernsthaft am Verkehr teilnimmt. Ernsthaft in dem Sinn, daß sich jemand beim Bau Gedanken um Unfälle, Sicherheit und so weiter macht. Man schaue sich nur mal den Unterschied in den Bremsen eines Motorrollers und eines Fahrrades an. Da sehe ich mich dann eher beim Zero Motorcycle. Reichweite um die 100 Kilometer, Höchstgeschwindigkeit um die 130 bis 150. Das könnte mir die klassischen Motorräder ersetzen.

    • kreuzbube schreibt:

      Motorrad bin ich lange genug gefahren. Irgendwann war ich es leid, mich in Lederhose und -jacke, Handschuhe, Helm und Stiefel zu zwängen, bis ich mal losfahren konnte. Andererseits erreicht man mit dem Rad (ungeschützt) auf Abfahrten ebenfalls Geschwindigkeiten wie mit dem Motorrad…

      Ob Autos oder Motorräder, die künftig einen anderen Motor haben, bleiben Autos oder Motorräder. (Harley Davidson stellt übrigens derzeit ein paar Dutzend Elektro-Motorräder zur Probefahrt zur Verfügung.)
      Aber Fahrräder, die einen (Hilfe-) Motor erhalten, verändern das, was wir bislang als Fahrrad kannten. Meine Prognose bleibt: Wenn sie preisgünstig genug sind, dazu leicht und schick aussehen, werden wir sie massenhaft im Alltag sehen und viele derer, die bislang Fahrrad fahren, nehmen die Motorunterstützung dankend entgegen. Vielleicht dauert es gar keine 20 Jahre, bis ebenso viele Elektrofahrräder verkauft werden wie herkömmliche.

      • Texas-Jim schreibt:

        Da gebe ich Ihnen voll und ganz recht. Wenn ich mir die Marktdurchdringung hier auf dem Dorf anschaue, wo Diebstahl durch Garagen recht gut verhindert wird, bin ich überrascht. Leute in meinem Alter: E-Bikes. Normale Räder werden nur noch von Leuten gefahren, die trainieren.
        Bei dauerhaft höheren Geschwindigkeiten und der dauerhaften Teilnahme am Straßenverkehr (mehrspurig, 70-Zone, etc.) fühle ich mich auf einem Fahrzeug mit Blinkern und Spiegeln (und der Möglichkeit, auch mal scharf Gas zu geben) deutlich wohler. Dazu gehört dann auch der Helm, den ich beim Büroradeln für mich ablehne.

  5. kreuzbube schreibt:

    Huch, mark793, da muss ich wohl aufpassen, was ich im Blog veröffentliche? Am Ende kommt irgendein Hirni auf die Idee mich dafür verantwortlich zu machen, was er da draußen so treibt?

    Troll sein funktioniert am besten, wo Leute etwas übermäßig ernst nehmen, natürlich auch bei Strava, wenn der KOM in die Tischkante beißt, weil ihn da einer, wie es aussieht, locker abgeledert hat.

    Die große Mehrheit derer, die sich mit einem Akku einen kleinen Schub erhoffen, dürfte wohl eher dieser sympathischen Zielgruppe angehören, die sich früher einen kleinen Verbrennungsmotor gönnte:

  6. kreuzbube schreibt:

    Was soll man da noch sagen? Top! Die Idee muss man mal haben. Frontgepäckträger mit „Tasche“ drauf, in der der Akku steckt. Sehr, sehr schön.

  7. kid37 schreibt:

    Wenn die mal schicker aussehen (etwa wie die „Styriette“, die wohl immer nur eine Studie blieb, jedenfalls sah ich nie eine im Verkauf), kaufe ich mir eines für länger Landausflüge. (Damit ich sicher bin, auf jeden Fall zurückzukommen ;-))

  8. crispinus schreibt:

    gemeint sind Verkehrsteilnehmer.! (helmpflicht incl.)

  9. crispinus schreibt:

    darauf wollte ich eigentlich hindeuten – die beginnende und kommende Verbreitung des ebikes wird zu einem neuen Charakter des Radfahrens führen. Der Freizeit- und Sportbereich macht ja erst einen Anfang Es geht um ein Motorrad und Dreirad und Vierrad-substitut mit Alltagscharakter – weshalb entsprechende Regelungen, Pflichten und Erfassungen automatisch folgen: Elektrizität=Erfassung!
    Denn wir können uns wirklich nicht im ernst darauf verlassen, daß teilnehmer von 0 auf 40 solche Geräte (fahrdynamik) ansatzweise beherrschen. Leider.

    • kreuzbube schreibt:

      Das ist ja aber bei jedem Fahrzeug so, ob der Motor mit Strom oder mit fossilem Brennstoff angetrieben wird. Mich interessiert eher die Frage, in welchem Umfang elektrisch unterstützte Zweiräder die herkömmlichen Fahrräder verdrängen werden. Ich habe wenig Zweifel, dass das sehr weitreichend der Fall sein wird, betrachtet man sich die immensen Veränderungen unserer Lebensgewohnheiten in anderen Bereichen, in denen der technologische Fortschritt in kurzer Zeit alles umgekrempelt hat. So ein Blog ist das beste Beispiel dafür.

  10. randonneurdidier schreibt:

    Hat dies auf randonneurdidier rebloggt und kommentierte:
    ist ja schön, was mit solchen Geräten mittlerweile geht. Wenn aber Vernunft und Vorsicht komplett ausgeschaltet werden, sämtliche Verkehrsregeln missachtet werden und reichlich andere Menschen gefährdet werden – ja dann hört für mich der Spaß auf! Dann ist es leider keine Werbung für E-Bikes und Co. ( Auch ich ich sitze ab und an auf dem smart E-Bike meiner Frau und freue mich dran. Verstand und Vernunft lasse ich aber immer eingeschaltet!

  11. kreuzbube schreibt:

    @prieditis, da habe ich eine falsche Angabe übernommen. $ 799 ist der Preis, da sind bei aktuellem Wechselkurs 583.- EUR. Da die Dinger aber aus den USA kommen, würde zusätzlich Zoll fällig, ebenso die Einfuhrumsatzsteuer.

    Hier kann man ordern…

    https://www.superpedestrian.com/

    In großen Stückzahlen würde der Preis sicherlich dramatisch fallen.

  12. prieditis schreibt:

    Ich hatte das bestimmt schon mal erwähnt:
    Das Kopenhagen-Hinter-Rad finde ich nach wie vor sehr interessant und ansprechend.
    Alleine, mir fehlt das nörige telefon ;o)

    • kreuzbube schreibt:

      Das hatt eich gesucht und nicht gefunden. Für mich der interessanteste Ansatz, wenn es nicht um maximale Geschwindigkeit geht. Einfach des vorhandene Hinterrad austauschen und fertig. Kosten: 510.- EUR.

  13. mark793 schreibt:

    Ach was, in Zukunft fahren wir alle nur noch im Internet!

    • kreuzbube schreibt:

      Wir bloggen dann nur noch, wo wir hätten hinfahren können, wäre die Zeit nicht mit bloggen ausgefüllt… Neulich ist mir ein -nicht ganz ernst gemeintes- Video begegnet, wie man mittels ebike Strava (wir erinnern uns an How to be a road biker: „If it isn’t on Strava i didn’t happen“) überlisten kann. Dagegen verwahrten sich dann welche ganz furchtbar ernst, die sich um ihre Meriten als ernstzunehmender Rennradler gebracht sahen…

      • mark793 schreibt:

        Strava, da sagst Du was. Hast Du sicher mitgekreigt, dass es neulich einen geschrägt hat, der versucht hatte, seinen Streckenkönig-Status auf einer Abfahrt zurückzuerlangen. Die Eltern wollen jetzt Strava gerichtlich zwingen, gefährliche Strecken nicht mehr zu listen. Ich mein, wo will man da die Grenze ziehen, ich kann auch auf dem Weg von hier zur Post umgebügelt werden…

        Aber wo Du’s ansprichst, ich sehe noch nicht so klar, wie das E-Bike mit dem Self-Measurement-Trend zusammengeht. Was bringt eine permanente Pulsmessung auf einem Rad, das Dich mittels seines Zusatzantriebs gar nicht in den roten Bereich kommen lässt?

  14. crispinus schreibt:

    Obacht: e-Bike = app-gesteuertes Nummernschildrad mit allen Folgen. Der Sport ist „nur“ eine kostspielige Entwicklungsplattform, weil dort die höchsten VerbraucherPreise verlangt werden können. Eine tragfähige Rennszene wird sich parallel entwickeln. Das ist eine logische Entwicklung und löst unsere postromantisch-ökologische Freiheitsbewegung ab. im übrigen hat die zukunft der e-Rikscha begonnen, unsere Freizeitmobile sind eigentlich ein Witz!

    • kreuzbube schreibt:

      Ich habe einfach mal salopp ebikes als umgangssprachliches Synonym hier hingeschmissen. Du hast natürlich recht, wenn Du auf die unterschiedlichen Typenbezeichnungen (Pedelec, schnelle Pedelecs, E-Bikes) in Deutschland mit den jeweiligen Folgen für die Benutzung hinweist.

      MIr geht es hier erst einmal nur um die strombedingte Unterstützung des Fahrers, durch wie viele Watt und bis zu welcher Geschwindigkeit auch immer.

  15. Twobeers schreibt:

    Und stell Dir vor: in nichtmal 30 Jahren gibt es Klassikerveranstaltungen wie die Leroica für alte eBikes. Dann haben die Akkus keine Kapazität mehr, die Räder sind aber immernoch 30kg schwer. Für leistungsfähige Akkus alter Bauform legt man mehr als für eine Dura Ace Jubiläumsgruppe….Ich freu mich drauf!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s