Die Wacht am Rhein

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Bismarckturm Köln

An dieser Stelle unterbrechen wir unsere Berichterstattung von der Tour de France und geben rüber zu den Kollegen von der Unendlichen Rundfahrt, wo die Führende des heutigen Tagesabschnitts gerade die Ziellinie am Bismarckturm in Köln überfahren hat. Auf der 18. Etappe hat carodame, die sich zur Zeit im Kölner Stadtgebiet intensiv für kommende Klappradwettbewerb in Form hält, damit ihren zweiten Tagessieg errungen. 

Sie schließt zu Twobeers auf und sitzt prieditis im Nacken, der sich diesen Wertungspunkt leichtfertig vor der Nase hat wegschnappen lassen. Nach wie vor deutlich in Führung ist der kreuzbube, der sich deshalb an der Führungsarbeit nicht beteiligen muss, der aber, wie aus internen Kreisen des Teams zu hören ist, in Kürze wieder ein Achtungszeichen setzen will.

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Lieb’ Vaterland, magst ruhig sein, Fest steht und treu die Wacht am Rhein! sang man in Deutschland schon in den 1850er Jahren, lange bevor das Kaiserreichs im Jahre 1871 überhaupt gegründet wurde. Links und rechts des Rheins, les salles boches gegen die Froschfresser und umgekehrt, hieß es da wieder und wieder.  Seltsame Leute müssen da gelebt haben, denke ich mir mal wieder, bis mir erneut einfällt, dass die Menschen natürlich auch seinerzeit nicht alle kriegslüstern waren. Denn schon damals wurde Die Wacht am Rhein parodiert und, selbstverständlich, der Hesse als Landsmann des kreuzbuben zeigte in Frankfurter Dialekt und in aller Gemütsruhe, was er vom nationalistischem Gedröhne hielt: Wacht ihr am Rhei so viel derr wollt, In Frankfort losst mich schlafe!

Wer mal in Rüdesheim im Rheingau weilt, der empfiehlt sich, so er sich denn vom Schoppen losreißen kann, ein Ausflug hinauf zum Niederwalddenkmal. Das geht entweder mit dem Rad durch die Weinberge oder mit der Seilbahn über sie hinweg schwebend. Oben steht die Germania und im Sockel ist der Liedtext der Wacht am Rhein eingemeißelt. Von dort, von einem der nationalen Monumente der Gründerzeit aus, hat man einen wunderbaren Blick über den Rhein und seine Ufer zu beiden Seiten, über die heute niemand mehr wachen muss.

Der ungewöhnliche Bismarckturm in Köln mit seinem stilisierten Bismarck in Rüstung mit Schild und Eisernem Kreuz reiht sich nahtlos ein in die Reihe der nationalen Symbole, die nach der Reichsgründung geschaffen wurden.  „Wer will des Stromes Hüter sein?“ heißt es in der Wacht am Rhein und so haben sie in Köln den Eisernen Kanzler dort hin gestellt, eiserner denn je, der trutzig über Deutschland wacht. 

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Die Rennleitung hat kurz beratschlagt, carodame den Etappensieg zu verwehren. Denn sie war ja zuletzt aufmüpfig es ist ja auf dem Foto weit und breit kein Rennlenker zu sehen. Da diese Regel aber gar nicht aufgestellt war, hat sie noch einmal Glück gehabt.
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Das Klassement der Unendlichen Rundfahrt nach 18 Etappen.

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9 Antworten zu Die Wacht am Rhein

  1. twobeers schreibt:

    Liebe Carodame, herzlichen Glückwunsch zum Etappengewinn! Vielleicht könntest Du aber den Zusammenhang von Unendlicher Rundfahrt und Niederwalddenkmal erklären. Das Wort Bismarck fehlt in diesem Zusammenhang völlig oder habe ich die Statuten der Unendlichen Rundfahrt falsch interpretiert?

    Twobeers

    • kreuzbube schreibt:

      Ich übernehme das mal. carodame hat „nur“ per sms „Die Wacht am Rhein“, ein paar Stichworte und Fotos übermittelt, sie war ja noch ein paar Stunden klappradelnd am Rhein unterwegs und ist es auch noch.

      Für den Etappensieg ist erforderlich: 1) Bismarckturm 2) Rad davor. Was und in welcher Form dazu erzählt, gedichtet oder angemerkt wird, wie sehr die Gedanken mäandern, liegt in der dichterischen Freiheit der Teilnehmer und könnte z. B. auch schlicht so lauten: „Bismarckturm in Köln. Die Wacht am Rhein. Mein Hund heißt so. Er nimmt das aber nicht ernst. Es ist zum Haare ausraufen.“

      Doch Du hast recht, da fehlt ein Satz zum Turm, die Verbindung zur Germania, das wird sofort erledigt.

      • prieditis schreibt:

        Genau! Es fehlen Höhenmeter, Wattzahlen und so! Es ist ein Skandal!

        Nein, nun ernsthaft:
        Herzlichen Glückwunsch, liebe Carodame!
        War das eine Traininngsrunde für dieses ominöse Klappradbergzeitfahren?

      • kreuzbube schreibt:

        Erlaubt wäre zum Beispiel auch, statt eines Textes ein Bild zum Turm zu malen.

  2. carodame schreibt:

    Oh, danke für die rasche Berichterstattung. Nach sechs Stunden im Klappradsattel habe ich mir diesen Wertungspunkt redlich verdient. Ich bin immer wieder gern am Rhein. Erstaunlich, dass hier nur ein Turm steht…
    Und über das „landschaftliche Elend“ wird man noch plaudern müssen…

  3. Don Ferrando schreibt:

    PS: es war ja fast ein Fall von Majestätsbeleidigung, was Carodame da neulich gepostet hat!

  4. Don Ferrando schreibt:

    Ja das Niederwalddenkmal sollte man besuchen; besonders schön, wenn dann abends Rhein in Flammen gegeben wird mit dem großen Abschlußfeuerwerk auf dem Rhein vor Bingen!

    • kreuzbube schreibt:

      Unbedingt! Ein wunderbarer Anblick den Rhein hinauf bietet sich da.

      (Es sind diese Blogkommentare, die mir das ohnehin mit viel Mühe verdrängte landschaftliche Elend hier im Exil vor Augen halten…)

      Und was soll ich zu carodame sagen? Meine Absolute Herrschaft verdient ihren Namen nicht…

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