Rund um die Hainleite

 Schlag um Schlag
Mit Kraft und Geist-
Schwarzer Staub
Auf Männerschweiß.
Die Nacht der Tiefe
Birgt den Schatz vorm Licht. (Rummelsnuff, Kumpel, Glück auf!)
***
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Das älteste noch ausgetragene Eintagesrennen Deutschlands ist der Klassiker „Rund um die Hainleite”. Was Rang und Namen hat im deutschen Radsport, hat dort gewonnen. Adolf Huschke, natürlich auch Täve Schur, gleich drei Mal, dann Uwe Ampler, Mario Kummer, Olaf Ludwig und Jens Voigt, der frisch gebackene Stundenweltrekordler. Dort möchte der kreuzbube auch mal fahren. Für die ganze Strecke ab Erfurt mit ihren 200 km reicht es nicht, aber länger als die Altersklassen- und Jugendstrecken soll es werden. Gute 120 km plus Bismarckturm sind am Nachmittag drin.

Am Mittwochmorgen strahlt die Sonne noch einmal vom Himmel und lockt mit Macht zur Altweibersommertour. Der kreuzbube ist schon ganz unruhig. Wann kann er endlich den Hammer fallen lassen und sich gen Nordwesten begeben? Denn Twobeers und tinotoni67 sind bereits von Magdeburg aus in südlicher Richtung unterwegs, um den ganzen Tag über ordentlich Bismarcktürme abzuräumen. Noch bevor der kreuzbube ins Renngeschehen eingreifen kann, knarzt es aus dem Tourfunk:

10:40: „Schönebeck ist gefallen“

11:21: „Festung Calbe hat sich ergeben“

Glücklicherweise hat kreuzbube ohnehin bereits die Altersteilzeit vier-Tage-Woche für sich entdeckt und so ist nach einem halben Arbeitstag der Weg frei zur Rundenhatz.

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Die Hainleite ist ein Höhenzug in Nordthüringen, etwa 40 km lang und 1o km breit. Sie ist mit Buchenwäldern bewachsen und Ihre höchste Erhebung ist 463 m hoch. Schön übersichtlich ist das unterwegs, ein deutlich abgegrenztes Stück Landschaft wird ein Mal umrundet. Ständig hat man den Höhenzug zur Linken und die beiden Scheitelpunkte sind deutlich zu erkennen, wenn man sich ihnen nähert. 

Rund um die Hainleite

Und obwohl es dort grünt und eine hügelige, bewaldete Landschaft gibt, sind wir in einer Bergbaugegend, was auf Tagebauanrainer, die riesige Mondlandschaften gewohnt sind, ungewohnt wirkt. Thüringen ist, ich hatte es ja unlängst bereits erwähnt, so: Berge, Wälder, Täler – und in den Tälern Industrie und Bergbau.

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Für den Radfahrer ist die Rundfahrt um die Hainleite nicht immer die wahre Freude. Der Weg ist ziemlich vorgegeben, so dass man sich kaum verfahren kann, denn es gibt nicht viele Straßen. Da bedeutet aber auch, dass man über weite Passagen Autos als stete Begleiter hat. Dabei gilt es, die B4 tunlichst zu meiden. Auf dieser abschnittsweise zweispurigen Bundesstraße hat sich der kreuzbube ganz dicht nach rechts an die Leitplanke gedrückt, während der motorisierte Verkehr ausprobiert hat, wie man auf autobahnähnlicher Piste das Tempolimit überschreiten kann. Da heißt es cool zu kurbeln und die Nerven zu bewahren.

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Tiefwärts, vorwärts
Noch einmal-
Ins Gestein
Schlägt sich der Stahl,
Und Funken tanzen freudig
Durch die Stollen.
Bismarckturm Sondershausen

Bismarckturm Sondershausen

In Sonderhausen sichert der kreuzbube sich die Bergwertung zum Bismarckturm auf dem Spatenberg. Es bietet sich die typische thüringische Zufahrt, wie wir sie in den vergangenen Wochen erlebt haben. Von unten aus der Stadt führt der Weg kerzengerade und 12 % steil nach oben. Hat man sich 700, 800 Meter hinauf geschraubt, setzt sich der Weg noch einmal so lang über feinen Schotter fort. Die letzten 50 Meter werden mit dem geschulterten Rad über eine Treppe aus Bahnschwellen bewältigt. Der Bismarckturm Sondershausen ist sehr gut erhalten, trägt ein Bismarckrelief und Schwarzrotgold, im 19. Jahrhundert die Farbe der Revolution, heute die Farbe von Olé-Olé-Olé-Olé. Leider ist der Zugang zum Turm und zur Aussichtsplattform mit Flagge verschlossen. 

Unterdessen haben die Verfolger mächtig Fahrt aufgenommen. Twobeers und Toni machen Druck und holen sich Punkt für Punkt:

13:51: „Belagerung Ballenstedt erfolgreich beendet“

16:01: „Grüße vom Turm Halberstadt“

16:58: „Der Turm Quedlinburg ist auch sehr schön“

apfel KopieSehr hübsch ist der einzige Verpflegungspunkt des Tages bei etwa Kilometer 70, dessen Angebot nicht nur einladend aussieht, sondern auch so schmeckt. Es wurde auch Zeit, endlich etwas zu essen. All die vielen neuen Eindrücke haben den Hunger ganz vergessen lassen, deutlich spürbar muss nun der seit dem Frühstück sich leerende Tank aufgefüllt werden. Gefahren wird zunächst leider auch ohne Getränke, denn der kreuzbube hat die Trinkflaschen vergessen. Zwar findet sich unterwegs ein Fahrradladen und ein Imbiss, der Apfelschorle feilbietet, doch ein halber Liter ist für die gesamte Strecke zu wenig, wie sich später zeigen soll, erstaunlicherweise erst, nachdem das Rad wieder im Kofferraum gelandet ist. Da baut der kreuzbube auf einmal ab.

Wieder mal,
Trotz seiner Kraft,
Hat es einer
Nicht geschafft.
Mutter Erde gab ihn
Nicht mehr her.
petersenschacht_sm

Petersenschacht Sondershausen

Der kreuzbube guckt ja unterwegs dauernd nach links und rechts und hält Ausschau, was man bei späterer Gelegenheit noch erkunden könnte. Auf dem Werk nach Sondershausen fallen nicht nur all die Fördertürme und vor allem der beeindruckende Petersenschacht ins Auge, sondern wiederholt auch die Schilder, die den kreuzbuben wie magisch anziehen.

erlebnisbergwerk

Dort muss er unbedingt mal hin. Das Bergwerk nämlich ist nichts Geringeres als die älteste befahrbare Kaligrube der Welt. Da gibt es weit unter der Erde fünf Meter breite Straßen, kilometerlange Strecken auf denen unter Tage LKW fahren. Auf dem tiefgelegensten Salzsee der Welt kann man mit Spreewaldkähnen herumschippern und in sage und schreibe 700 Metern Tiefe gibt es einen Konzertsaal. Meine Damen und Herren Mitfahrer und Leser, wenn das nicht eindringlich nach einem Winterausflug ruft! Dort unten ist es zwischen 22 und 30° C warm und jetzt stellt euch mal das hier vor: Bei nur 30 % Luftfeuchtigkeit wird dort unten Marathon gelaufen und damit es noch fordernder wird, führt die Laufstrecke über Steigungen mit bis zu 20 %. Der Boden ist uneben und rutschig und wegen des Staubs kann man ihn teilweise nicht einmal sehen. Helm und Leuchten sind beim Lauf obligatorisch. Mit solchen Bedingungen muss man nicht nur körperlich, sondern auch mental erst einmal fertig werden.

Auch Mountainbike wird unter Tage gefahren, doch an diesem schönen Tag im Spätsommer ist das für den kreuzbuben gedanklich -noch- sehr fern. Er beendet seine Runde und nimmt zur Kenntnis, dass Twobeers und Toni weitere Punkte gesammelt haben. Im Gesamtklassement der Unendlichen Rundfahrt gibt es damit größere Verwerfungen, von denen noch zu berichten sein wird.

Gen Abend finden wir alle drei zusammen in der Bahnhofsgaststätte eines längst schlafenden Nestes im Harz. Toni und Twobeers bestellen mir schon das Abendessen, während ich noch im Auto durch den Harz kreuze. Dann stoßen wir an, tauschen die Erlebnisse des Tages aus und ich finde es schön, nicht kommentarlos das Rad in den Kofferraum verladen zu haben und nach Hause gefahren zu sein. Dieser Abschluss gehört einfach dazu und rundet einen Tag ab, dessen Motto sich am Wegesrand wie für uns gemacht fand.

fortschritt_tradition_kultur

Kumpel, Glück auf!
Gruß an die Gesteine!
Durch Jahrmillionen
Deine Reise führt.

Das aktuelle Gesamtklassement der Unendlichen Rundfahrt.

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6 Antworten zu Rund um die Hainleite

  1. Twobeers schreibt:

    Immerhin teilen die Eisenschweine die Türme unter sich auf.

  2. crispsanders schreibt:

    ja, haben Blut geleckt – dann kommt die Meute

    • kreuzbube schreibt:

      Als Weltverband kann ich jederzeit das Reglement ändern und Ergebnisse annullieren. Unzulässiges Material, nicht statthafte Sitzposition… Mir fällt da schon was ein..

  3. crispsanders schreibt:

    Klasse fahrt, schöne Denmäler! Nun fehlt der Punktestand. Die Berliner pirschen demnächst südwärts, las ich….

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