Als Bayern sich mal wieder Preussen unterwarf

Die Rennleitung teilt mit

bismarckturm bonn gronauAusnahmsweise und im Hinblick auf die besondere Vertrauenswürdigkeit des Sportkameraden prieditis wird einem Teilnehmer der Unendlichen Rundfahrt eine Beweiserleichterung gewährt. Der Selbstzerstörung der elektronischen Bilderfassungs- und speicherungsapparatur geschuldet, war der Rundfahrer prieditis gezwungen, statt eines Lichtbilds eine Beweiszeichnung beim Organisationsteam einzureichen. Zweifelsfrei erkennbar sind der Bismarckturm in Bonn-Gronau und das davor befindliche Rad des Pedaleurs prieditis, der auf diese Weise kurz vor dem Jahreswechsel die 60.Etappe für sich entscheiden konnte.

Die anderen Rennteilnehmer werden darauf hingewiesen, dass die Rennleitung solche Mätzchen nicht einreißen lassen wird und ein Auge nur deshalb zugedrückt hat, weil der Teilnehmer prieditis sich heute  wieder ordentlich ins Renngeschehen eingefügt und unaufgefordert das obligatorische Zielfoto eingereicht hat.

***

Nach einem weiteren, dreistündigen und harten Kampf im bayrischen Schnee auf einem … nun ja… Fahrrad… konnte der erste preussische Vertreter unserer Unendlichen Rundfahrt einen Bismarckturm auf bajuwarischem Territorium einnehmen.

Bismarckturm Assenhausen

Bismarckturm Assenhausen

Auf nennenswerte Gegenwehr einheimischer Konkurrenten auf der Etappe zum Bismarckturm Assenhausen am Starnberger See traf prieditis dabei nicht. Der Name Bismarck mag seine Wirkung auch heuer entfaltet haben, war es doch der preussische Reichskanzler, der dem klammen bayerischen König Ludwig II. seinerzeit aushalf und ihm die Haushaltskasse aufbesserte, die ob des Königs Fehlspekulation in Sachen Immobilien aller Gulden verlustig gegangen war. Das war gute, alte Familientradition, auch Ludwigs Vorgänger hatten schon ordentlich Gelder verjubelt, um sich München aufzuhübschen. Wenn mal wer zu Besuch kommt, dann will man bei Königs ja auch mal repräsentieren. 

Nun stand anno 1871 die Wahl eines deutschen Kaisers an, denn man hatte ja keinen, bis man unsere heutigen französischen Freunde, die die meiste Zeit über unsere innigsten Feinde waren, besiegt hatte. Ludwig zierte sich gegen das Kaiser- und Reichsgedröhne ganz ordentlich, aber der Kini war halt klamm – und Bismarck wurde das von einem seiner Minister gesteckt:

„Ganz Geheim. Der König von Bayern ist durch Bauten und Theater in große Geldverlegenheit geraten. Sechs Millionen Gulden würden ihm sehr angenehm sein, vorausgesetzt, dass die Minister nichts erfahren. Für diese Summe würde er sich auch zur Kaiserproklamation und Reise nach Versailles entschließen.“ 

Der Reichskanzler wusste das zu nutzen. Flugs wurde ein Kaiserbrief aufgesetzt, den Ludwig II. nur noch unterschreiben musste und mit dem er Bayerns Souveränität an Preussen verkaufte:

„Nach dem Beitritte Süddeutschlands zum deutschen Verfassungsbündnis werden Ew. Majestät übertragenen Präsidialrechte über alle deutschen Staaten sich erstrecken. Ich habe mich zu deren Vereinigung [… blablabla…] in der Überzeugung  [… blablabla…] Gesamtinteressen des deutschen Vaterlandes [… blablabla…] Wiederherstellung eines deutschen Reiches  [… noch mehr blablabla…]“

Dreizehn Türme haben Sie dem Bismarck in Bayern errichtet, allesamt in Regionen, wo Protestanten lebten. Der in Assenhausen war der einzige, dessen Bau bereits zu Bismarcks Lebzeiten begonnen wurde. Die Katholiken hingegen blieben standhaft, wo es keine Protestanten gab, kam auch kein Turm hin. Wäre ja auch noch schöner gewesen.

Übrigens, die Schulden, die Ludwig II. hinterlassen hatte, wurden durch das Haus Wittelsbach bis zum Jahre 1902 vollständig zurückgezahlt. Das sollte doch Anregung sein, mal eine Radtour zu Wowereits zu machen und zu schauen, dass sie für den Flughafen und das Stadtschloss was springen lassen. Und jährlich einen satten Zuschuss zum Sechstagerennen, das wäre eine feine Geste.

Die Unendliche Rundfahrt ist Kultour: Luchino Viscontis Meisterwerk Ludwig mit einem damals noch grandiosen Helmut Berger in der Titelrolle und einer bezaubernden Romy Schneider als Kaiserin Elisabeth. 

Das aktuelle Gesamtklassement der Unendlichen Rundfahrt

edit: Da ist der, der zunächst nur zeichnerisch festgehaltene Bismarckturm:

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5 Antworten zu Als Bayern sich mal wieder Preussen unterwarf

  1. schosse schreibt:

    Sportbetrug wohin man schaut.

    Der Bismarckturm Assenhausen ist bereits im Jahre 1914 eingenommen worden:

    http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB00018B9900000001

    schosse

  2. kreuzbube schreibt:

    Gern geschehen! Text geht bei mir immer schnell, es sind die Fotos, die dauern. Ich sollte es auch mal mit Zeichnungen versuchen…

  3. prieditis schreibt:

    Vielen Dank! Sowohl für den kurzweiligen Text als auch die gnadenvolle Anerkennung!
    Ich reiche die Fotos der 60. Etappe nach, sobald wieder darauf Zugriff besteht.

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