Das war die Höhe!

Achtung, eine Durchsage: Die Rennleitung weist nach einmal auf die Regeln hin: Turm, Rad, Foto. Im eigenen Blog veröffentlicht oder hierher geschickt. Ohne Foto gibt’s keinen Etappensieg. Eine Nachricht ohne Bild ist nicht ausreichend.  Sollte es sich ereignen, dass zwei Rennfahrer am gleichen Tag einen Turm ansteuern, zählt der Eingang des Fotos. Es lohnt sich also z.B. nicht, per Textnachricht morgens einen Turm zu „reservieren“ und dann irgendwann am Wochenende hinzufahren… Für Einsprüche und Beschwerden gilt bei dieser Veranstaltung ausnahmslos 3F: formlos, fristlos, fruchtlos. Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit, weiterfahren.
***

von carodame

„Diesen Weg auf den Höhn bin ich oft gegangen, Vöglein sangen Lieder…“ Diesen Zeilen des Volksliedurgesteins Herbert Roth konnte man hier im Osten nicht entgehen. Sie stammen aus dem Rennsteiglied und ich entging ihnen auch heute nicht. Den Lügen des Wetterfrosches und meiner hundertmal aufgeflackerten Erkältung zum Trotz zieht es mich heute in den schönen Thüringer Wald. Es gilt auch noch einen Komplettstopp auf der Autobahn wegen schwerer Unfälle auszusitzen. 

heilsberg_2

heislbergtrail

Erst gegen 14:00 Uhr auf dem Rad, die geplante Tagestour wird zur Nachmittagsrunde, trete ich munter in die Pedalen, in der Gewissheit, rasch den ersten Turm zu erreichen. Das moderne Phone schickt mich in den Wald. Sehr viel aufwärts. Zahllose Wege kreuzen sich. Die Vergangenheit hat schon gezeigt, alle Wege zu den Türmen führen steil hinauf und wenn man Glück hat, sind sie noch fahrbar. Nun setzt Regen ein. Fein, unaufhörlich, durchdringend. Macht nichts, denke ich noch anfangs, habe eine Hose aus modernem Material an, welches Wasser abweist. Nun, das gelingt ihm höchstens 10 Minuten. Dann ist die Windel nass. Die Strümpfe und der andere Rest auch. Ich verlasse den Wald, in welchem ich kein modernes hinweisendes Signal empfangen kann und folge nun der Stimme des phones… Irgendwann stehe ich in Thüringen. Oben. Nebel. Etwas Restschnee, Regen, Wind. Da kommt der rettende Bauer auf seinem Traktor, guckt verständnislos, aber freundlich und erklärt mir voller Mitleid, dass ich gerade ganz woanders bin…

Ich finde ihn, den Turm, und stelle fest, ohne den langen Quer-Wald-Feldeinritt, ohne den Drang Thüringen zu erkunden, ist der Weg zum Bismarckturm Heilsberg lächerlich einfach. Aber wer will das schon… Es geht nochmal ordentlich rauf durch den Wald, das Licht nimmt ab, das Phone ist längst durchnässt und gibt mir weder Informationen zu meinem Standort, noch kann ich ordentliche Fotos machen. (Aber das Rad ist schön :))

Der Bismarcktum Heilsberg, eine Bismarcksäule, reckt sich geschlagene sieben Meter in die Höhe, ist aber immerhin mit einem hübschem Medaillon versehen. Das ist insoweit bemerkenswert, als in der DDR allenthalben die Bismarcktürme umbenannt und die Reliefs herausgeschlagen wurden. Hier hingegen hat man das Bismarckmedaillon in den 80er Jahren sogar restauriert.

bismarckturm heilsberg_2

So, eigentlich gibt es noch einen… ganz in der Nähe… mir wird aber von den Einheimischen was von einer längeren Distanz erzählt. Kurz: Ich friere furchtbar, sehe im Regen und Nebel nix und freue mich auf eine warme Wanne…

heilsberg

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6 Antworten zu Das war die Höhe!

  1. kreuzbube schreibt:

    Achtung, die Rennleitung informiert:

    Der Bismarckturm in Burg bei Madgeburg ist wieder zu haben. Bei dieser Gelegenheit darf darauf hingewiesen werden, dass die Anfahrt bis zum Turm mit dem Rad im Kofferraum nicht ausreichend ist. Die Rennleitung gibt keine Mindestkilometerzahl vor, aber die Anfahrt hat aus eigener Kraft auf dem Rad zu erfolgen.

  2. carodame schreibt:

    Vielen Dank für die Anerkennung! Leider muss ich heute doch in der Drogistenschatulle wühlen, um mich halbwegs alltagstauglich zu fühlen…
    Dabei wollte ich einfach nur ein wenig im bergigen Gelände fahren, fotografieren, froh und fit für die echten Berge im Sommer, tsss
    Mehr als kognitive Dissonanz 😦

  3. Anneke schreibt:

    „Sehr viel aufwärts“, so habe ich den Thüringer Wald kennengelernt.
    Respekt, alleine bei solchen Bedingungen im Wald unterwegs. Glückwunsch zum Medaillon!

  4. prieditis schreibt:

    Ups! Ich wollte meine Einlassung, ich müsste dringend nach XY, nicht als Ansprucherhebung verstanden wissen… das war nur Ausdruck einer leichten kognitiven Dissonanz 😉

    Meine Glückwünsche gelten den Türmerinnen und Türmern der vergangenen Etappen!

  5. tinotoni67 schreibt:

    Der Eisenschweinkader ist nicht „fahrlässig“ sondern „großzügig“!

    Ich hoffe die Erkältung ist trotz Restschnee, Regen und Wind nicht zurück!!! Glückwunsch zu dem Abenteuer!

  6. crispsanders schreibt:

    Der Dame meine Reverenz. Das Medaillon ist wunderschön – erinnert an Zigarrenschachteln.

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