200

Toni war bei diesem Wetter tatsächlich in der Altmark und hat die Unendliche Rundfahrt verewigt. Aus Anlass des 200. Geburtstages Bismarcks hat er den frühmorgens von der Rennleitung für den 1. April ausgelobten Jubiläums-Sonderwertungspunkt ergattert und von uns allen einen Gruß hinterlassen.

gaestebuch schoenhausen

Gästebuch Bismarckmuseum Schönhausen

bueste schoenhausenDie Unendliche Rundfahrt, das ist eine epische Geschichte der Triumphe, aber auch des Scheiterns. Nicht jeder Vorstoß gelingt, nicht jeder Angriff, und sei er noch so beherzt, führt zum Erfolg. Da musste zuletzt carodame desorientiert in Regen und Kälte wenige Kilometer vor dem Ziel das Tempo rausnehmen, da blieb der kreuzbube gestern auf 60 Feierabendkilometern in Sturm und Regen, dann in Hagel und Schnee ohne den angestrebten Sonderwertungspunkt. All das gehört dazu, und der Unendliche Rundfahrer weiß damit umzugehen, dass er mit seinen Anstrengungen nichts stets mit einem Sieg belohnt wird. Auch juriloop musste jüngst aufgeben, wovon er in Kürze hier zu berichten weiß. Was sich anhand seiner Schilderungen auch zeigen wird: Die Unendlichen Rundfahrer auf den Mitteldeutschen Etappen waren zuletzt mehr und mehr zum Taktieren gezwungen. Nicht auf jeder Etappe konnte noch auf Sieg gefahren werden. Es galt, sich im Vorfeld zu überlegen, wo der nächste Angriff der Wettstreiter erfolgen könnte.
***

von juriloop.

Erst einmal ein paar Zeilen zur Etappe zum Turm in Plauen, welche ja nun schon 10 Tage zurückliegt. Der Grund ergibt sich aus dem folgenden Bericht.

Plauen5Startpunkt war die Autobahnausfahrt Treuen. Das Wetter kalt, aber trocken – schönes Einrollen bis Plauen – erste (gute) Auskunft an einem Baumarkt – und schon den Turm im Blick. Aber eben nur im Blick! Jetzt kommt die Eitelkeit, die Türme ohne Hilfsmittel anzufahren, in Spiel. Also einmal im Riesenradius fast um den Turm herum bis eine Auffahrt gefunden ist… Die letzten, verblüffend flachen Meter, und der im Blog schon gezeigte Turm Plauen ist geschafft. So mache ich aus evtl. 15 ‚gps-geführten‘ Minuten mindestens eine Stunde! 

Spät gestartet ahne ich, dass ich auf dieser ja noch nicht beendeten Bergetappe aus dem Zeitlimit fallen werde… In Oelsnitz frage ich nach dem Etappenziel und höre: „…ober Gung net de Bundesstroaaß…“. Und so werde ich, um mich vor dem Verkehr zu schonen, auf 20 km mit ca. 900 Höhenmetern geschickt.

MNK4Der Radweg Falkenstein-Oelsnitz hat eigene Hinweisschilder ‚Vorsicht Abfahrt‘, d.h. der Weg ist nicht weg – er geht nur für 20m steil nach unten, um dann wieder genauso anzusteigen. Der Besenwagen („Ich geh heut noch einkaufen!“) kommt immer näher. Inzwischen schneit es mir leicht ins Gesicht und so muss eine Entscheidung her. In Schöneck frage ich nochmal nach den verbleibenden Kilometern bis zum Ziel: ca. 12! Das heißt: 24 Mehrkilometer plus 15 bis zum Auto – neeeee, heute nicht mehr – ABBRUCH!!

Blinker links und im Schneeregen die 15 km lange Abfahrt von 700 auf 420 m „genießen“. Der Seitenblick auf den zugefrorenen Dorfteich stärkt meine Entscheidung (oder Ausrede).

Der geneigte Leser hat natürlich längst erkannt, dass der letzte sächsischen Turm in Markneukirchen das Ziel meiner Begierde war.  Dafür war die Etappe zu schwer…

Nach 75 km und ca. 1100 Hm bin ich wieder im Auto und es reift der Entschluss, einen zweiten Anlauf zu nehmen. Mit dem Atem der starken Lokalmatadoren Carodame, Kreuzbube, Andreas (und nun noch dem schwer einzuschätzenden Opi) im Nacken weiß man, dass da nicht viel Zeit bleibt…

***

Der zweite Anlauf

Sieben Tage später (diesmal wieder zeitig los) war es soweit. Am Vortag war ich, zum Training, auf der Suche nach einem Sonderwertungspunkt in Freiberg. Start war diesmal Bösenbrunn. Von dort ging es über Adorf nach Markneukirchen. Der Aufstieg vom Dorf zum Turm wäre mir eine Woche vorher definitiv nicht mehr gelungen. Oben angekommen belohnte mich ein schicker Turm, strahlende Sonne und ein grandioser Ausblick.

Bismarckturm Markneukirchen

Bismarckturm Markneukirchen

Mit diesem Turm ist Sachsen „abgefahren“! Da mein zweites Ziel der Turm in Hof war, konnte ich nicht lange verweilen. Jetzt galt es „Höhe zu halten“. Dies sollte mir eine zeitlang auf dem Kammweg gelingen. Dort kam mir bergab eine Frau, das Rad schiebend, entgegen. Auf meinen Zuruf: „Bergauf ja – aber bergab?“ erklärte sie mir, daß ihre Bremsen das Rad nicht mehr ganz zum Stehen bringen. Im Dorf wäre es kein Problem (da gibt’s genug Möglichkeiten zum ausrollen) aber hier sei ihr das zu heikel… So fragte ich mich bis Hof durch. Nachdem ich auf den ersten Etappen wenig zielführende Auskünfte erhalten hatte, gibt’s im Vogtland ein Lob für die wirklich ortskundigen Leute. So war der Turm schnell gefunden und erreicht. Rad in Pose – Foto.

Bismarckturm Hof

Vor der Treppe fällt mein Blick auf … einen gelben Kronkorken. Schrecksekunde: War Twobeers heute schon da? Vorbei ist’s mit der Ruhe… 

Hof5

Bis zum Kaffee bei McD hab ich mich wieder ein. Zur Sicherheit schicke ich aber gleich beide Turmfotos von hier ab – jetzt liegt’s in den Händen der Rennleitung…

Zurück nach Bösenbrunn und eine schöne, sonnige Etappe ist Geschichte. Eine Etappe zum 200. Geburtstag des „tollen Junkers“ kann ich leider nicht fahren, da alle unter der Woche zu fahrenden Türme meiner Gegend gefallen sind.

In diesem Sinne wünsche ich allen Klassementsfahrern gutes Wetter und frohe Ostern!

juri.loop

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2 Antworten zu 200

  1. crispsanders schreibt:

    Drama baby, drama!
    bin von den mitteldeutschen Türmen sehr beeindruckt – dort hat es viele Steine übrig!

  2. kreuzbube schreibt:

    Diese Radfernwege hätte ich also nehmen müssen zu den Türmen Netzschkau, Plauen und Markneukirchen… naja, gar so böse bin ich nicht darum, da geht’s ja dauernd nur rauf und runter…

    Die Ostergrüße gebe ich gerne zurück, aber an schönes Wetter glaube ich nicht. Gestern Abend hatte ich 60 km Zeit zu erkennen, dass Kanzlerwetter kein Kaiserwetter ist…

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