Elbe. Zwar nicht der Rhein, aber auch ganz hübsch

Zwischen den Spätleseritt und die Tour durch die unterschätzten Weinbaugebiete passt immer noch ein Turm. Den liefert, wie so oft in den zurückliegenden Wochen, juriloop. Während ich die Etappe am Rhein fahre und in Ingelheim erfolgreich bin, konzentriert sich juriloop auf Spremberg, den letzten verbliebenen Turm in Brandenburg. Nicht zu früh, wie ich anmerken darf, denn diesen Turm hatten Twobeers und Toni und auch ich schon auf dem Schirm. Jene unter uns, die nicht im Westen wohnen, kosten die Türme nun mehr und mehr Körner, denn Sachsen ist abgeräumt, Brandenburg und Meck-Pomm ebenfalls, und wer im Anhaltinischen und Thüringischen Etappensiege erringen will, der muss immer größer werdenden Aufwand betreiben.

Wie auch immer, juriloop hat einen der schickeren Türme ergattert, einen Turm, der sogar gekrönt ist und den man laut bismarcktuerme.de für romantische Candlelight-Dinner mieten kann.

Bismarckturm Spremberg Kopie

Bismarckturm Spremberg

Damit sieht das aktuelle Gesamtklassement der Unendlichen Rundfahrt nun so aus.

Derweil bin ich vom heimatlichen großen Fluss ins selbstgewählte Exil zurückgekehrt und mit carodame kurzerhand am 25.04. nachmittags noch an die etwas kleinere, aber auch ganz hübsche Elbe aufgebrochen.

Schloss Hartenfels

Schloss Hartenfels

25041945In Torgau, das dominiert wird vom schönen Schloss Hartenfels, trafen an besagtem Tag im Jahr 1945 die US-amerikanischen Truppen und die Rote Armee bei ihren Vormärschen aufeinander. Für das deutsche Reich, das gerade einmal 74 Jahre existiert hatte, hatte sich Bismarcks Mahnung bewahrheitet: „Der junge Herr will Krieg mit Russland. Wehe meinen Enkeln.“ Es war zwar nicht mehr Wilhelm II., sondern der uns allen bekannte Oberirre, der nach Weltgeltung strebte, aber das Ergebnis des Krieges mit dem östlichen Nachbarn wurde das gleiche Debakel, das einst Napoleons Frankreich erlebte. Mit ganz vielen Soldaten zieht man ostwärts – und ganz, ganz wenige kehren zurück.

Torgau 25.04.2015

Torgau 25.04.2015

kranz usaWächst man im Westen mit Hollywoodkriegsfilmen der Nachkriegs-jahrzehnte auf, dann glaubt man fast, ein paar tollkühne GIs, angeführt von einem knurrigen Anführer mit Stumpen im Mundwinkel (damals durften die Darsteller in Filmen noch rauchen) hätten den Krieg ganz alleine gewonnen. Wollen wir mal bei der Wahrheit bleiben, denn es hat außer dem damaligen politischen auch seinen guten Grund, weshalb in Torgau die Denkmale so gestaltet sind, wie sie es sind und weshalb dort am 25.04. vor allem Gedenkkränze der ehemaligen Sowjetrepubliken niedergelegt wurden. Die Kriegsopfer der Alliierten:

Frankreich 360.000
Großbritannien 330.000
USA 410.000

Sowjetunion: 27 Millionen.

torgau_3

kranz russlandIn Torgau gibt es am 25.04.2015, 70 Jahre nach dem D-Day, Feierlichkeiten mit Botschaftern und Veteranen, die mit ihren 90 Jahren auf dem Buckel das ganze Lametta auf der Brust kaum noch schleppen können. Eine als Russen verkleidete Band aus Berlin spielt irgendeinen Speed-Balalaika-Rock, als Amerikaner verkleidete Niedersachen spielen Blues und Boogie. Wir essen was, trinken was, hören was, dann ziehen wir unsere abendliche Bahn über dunkle Landstraßen, was nicht unbedingt ein Spaß ist angesichts hupender und aufblendender Automobilisten, dem kreuzbuben aber mal wieder vermittelt Bube, aus Dir wird in diesem Leben kein Randonneur mehr.

Aber lassen wird das, im Wonnemonat Mai geht es hier in Kürze wonnig weiter, denn eingangs war sie ja bereits erwähnt, die Tour durch die unterschätzten Weinbaugebiete, oder prägnanter: Von Dom zu Dom.

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3 Antworten zu Elbe. Zwar nicht der Rhein, aber auch ganz hübsch

  1. Twobeers schreibt:

    Ja, es kann garnicht genug erinnert werden, sind doch die Tage der Augenzeugen gezählt und danach wird sich die Geschichtsschreibung und die kollektive Erinnerung immer weiter von den Tatsachen entfernen. So zumindest meine Befürchtung.

    • kreuzbube schreibt:

      Augenzeugen werden immer weniger, das ist richtig. Auf der anderen Seite ermöglicht zeitlicher Abstand der Geschichtsforschung eine Herangehensweise, die aufgrund des größeren Abstands vielleicht unvoreingenommener ist. Das Interesse am 1. Weltkrieg ist ein Beispiel dafür. Heutige Generationen haben keine Großeltern oder gar Eltern mehr, die diesen Krieg miterlebt haben. Ähnlich wird es mit dem 2. Weltkrieg werden und man kann sich ja auch fragen, ob die eigenen Verwandten als Augenzeugen uns immer das gesagt haben, was ihre Augen wirklich bezeugt haben. Diese Menschen mussten irgendwie damit umgehen und jahrzehntelang damit leben, was sie erlebt und was sie selbst getan hatten. Für meinen Großvater väterlicherseits, einen Nazi, waren die Russen die Projektionsfläche und an allem Schuld. Auch „die Juden“ wurden 30, 40 Jahr später immer wieder mal thematisiert, wohingegen dem Ami vor allem die Zerstörung der deutschen Sprache und des deutschen Liedgutes vorgehalten wurde.

  2. traumradeln schreibt:

    Ja, die Elbe ist auch schön. Und ja, Geschichte wird immer unterschiedlich dargestellt und interpretiert. Grüße.

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