Vlaanderen, Epilog und Outtakes (mal wieder)

Auch heuer gibt es einen Nachschlag zur Flandernrundfahrt, die prieditis und ich unlängst im Mai diesen Jahren unternommen hatten. Wer in 2014 schon dabei war, verzeihe mir bitte etwaig auftretende Wiederholungen.

Salsa Casseroll

Da dem Leser in diesem Blog kein Faden hingeworfen wird, der nicht später wieder aufgegriffen wird, sei noch einmal die Packtasche erwähnt. Die Satteltasche von Apidura hatte ich neulich mit gutem Grund in höchsten Tönen gelobt und aus dieser Stimmung heraus nach der Rückkehr gleich noch die Lenkertasche in der kleineren der beiden Versionen (9 L) bestellt.  

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Ihr gilt jedoch eine etwas eingeschränkte Empfehlung. Über das Material und die einfache Benutzbarkeit gibt’s nicht zu meckern. Die Tasche ist leicht, wasserdicht und ohne weitere Vorkehrungen mit Klettbändern an jedem Lenker zu befestigen. Man stopft rein, was rein soll und rollt sie auf beiden Seiten ein, bis man sie ebenfalls auf beiden Seiten mit jeweils einem Click verschließt.

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Das ist denkbar simpel und sehr variabel – wenn man die Tasche nicht am Rennrad verwenden will. Dann nämlich geht, das Foto täuscht ein wenig, nicht viel rein. Vielleicht ein Ferrero-Küsschen, oder lassen wir es ruhig zwei sein, um mal Helge Schneider zu bemühen. Der Platz zwischen den ramps des Rennradlenkers ist begrenzt und man muss die Tasche sehr weit zusammenrollen. Nun bringt man nicht mehr so viel unter, der mögliche Rauminhalt schrumpft auf die Hälfte zusammen. Gleichwohl hat sie dort, wo sie zusammengerollt und verschlossen ist, die Tendenz, sich auszudehnen. Nicht so weit, dass sie zu sehr im Weg wäre, aber etwas störend ist es doch.

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Die Tasche gewinnt schlagartig am Mountainbike. Dort lässt der Lenker ein volles Ausnutzen der Breite der Tasche zu. Ein veritables Segel hat man damit am Bug allerdings gesetzt.

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Schwere Lasten haben nicht viel drin verloren, denn die Tasche ist zwar zuverlässig aufgehängt, aber eben nicht fest in alle Richtungen fixiert.

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Fazit: Es gibt keinen Grund, die Tasche schlecht zu reden, aber sie ist -anders als die universeller verwendbare Satteltasche- am MTB eher zuhause als am Rennrad.

apidura_Lenker_1

onze lieve frouw

Weil alle ungenauen, irreführenden oder unvollständigen Angaben letztlich auf mich zurückfallen, muss ich auch noch einmal auf die Radwege zu sprechen kommen. Besser gesagt auf meine Ausführungen, dass die auch an jeder Nationalstraße vorhanden sind. Daran war nichts falsch, aber man muss da wirklich nicht lang fahren. Gut, man kann das machen. Wer die Frage nach Hobbies mit „Geradeausfahren“ beantwortet, stört sich wahrscheinlich nicht an diesen endlosen, wie mit dem Lineal gezogenen Asphaltstreifen, die allerdings auch schon mal etwas rumpelige Betonplatten sein können und auf denen der Zeitfluss sich in eine klebrig-zähe Masse verwandelt. Prieditis und ich waren, wenn ich mich recht erinnere, die einzigen Doofen, die während all der Tage mal eine solche Nationalstraße entlang gefahren sind. Außer uns haben wir da nie jemanden gesehen. 

liberty

neroMal  abkürzen, mal die direkte Verbindung zum Ziel nehmen, mal eine Stunde früher dort sein und eine Stunde mehr am Abend dort haben, so hatten wir uns das zwischendurch gedacht. Dass so eine Abkürzung sich nach nur einer Stunde strikten Geradeausfahrens schon ziehen kann wie Kaugummi, haben wir schnell spitzgekriegt und es dann den Einheimischen gleich getan. Bei der ersten Gelegenheit runter von der Betonpiste, rein ins Grüne und schon krümmen sich Raum und Zeit im Kontinuum der Radreisenden. Gerade erst los gefahren, schon angekommen. Wo ist nur die Zeit geblieben?

schloss

Spezialität: Spekulatiuscreme...

Spezialität: Spekulatiuscreme…

Geflunkert war natürlich auch, dass die Belgier nur Frittiertes essen und dass wir das auch so gemacht haben. Wir haben das nämlich nur gemacht, wenn wir uns selbst ums Essen kümmern mussten.  Wurde es uns hingegen gebracht, dann sah das ganz anders aus, wie man hier gleich an einem der Gründe sieht, weshalb ich nicht mit einem Zelt losziehe. Tock-tock klopft es morgens um acht an die Tür und die freundliche Gastgeberin serviert das Frühstück. Ob im B&B oder im Hotel, ob der Zimmerservice das Tablett bringt oder das Buffet lockt, nie wird man enttäuscht, immer ist frisch Zubereitetes dabei.

fruehstuck

Englisch sprechen sie in Flandern wirklich alle, das Reisen ist also denkbar einfach. Man quasselt automatisch auf Englisch los und wird auch automatisch auf Englisch angesprochen. Ausnahmen bestätigen die Regel, weil prieditis ja des Niederländischen mächtig ist und auch einige Flamen und dort reisende Niederländer Deutsch sprechen.

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Wetterklischees werden von mir nicht bedient. Es ist ja nicht so, dass sich auf der 20 bis 40 km schmalen  niederländischen Aussackung zwischen Nordrhein-Westfalen und Flandern ein Hochgebirge auftürmt, an dessen westlicher Flanke der Wetterfrosch dauerhaft deprimiert in der Ecke hockt.  Man fährt aus Deutschland raus, durch die Niederlande hindurch und nach Flandern hinein und das Wetter bleibt -natürlich- gleich. 

nach roermond

„Belgisches Wetter“, pfff… Das Wetter unterscheidet sich so sehr wie das von NRW zu jenem in  Rheinland-Pfalz und Niedersachsen. Am Atlantik pfeift der Wind, aber das tut er an der deutschen Nordsee auch. 

Die Anforderungen an die Fahrradtechnik beinhalten in nördlichen Flandern nur aus einem Grund eine Schaltung. Das ist der soeben erwähnte Wind. Er bläst meist vom Meer her und so fährt man mindestens die ersten 300 km gegen ihn. Eine Kassette am Hinterrad hat man, um morgens die Kette auf das zur Windstärke passende Ritzel aufzulegen, mit dem man den Rest des Tages unterwegs ist.

Lier

Lier

Zwei Tage später müht man sich um Erinnerung, wofür diese Hebel da waren und in den Ardennen fällt einem das dann wieder ein. Die Straßen über die Hügel führen im Dutzend mit Steigungsprozenten zwischen zehn und zwanzig über die Katzenköppe.

Den Kanal voll kann man haben, wenn man die nördliche Route durch Flandern fährt. 300 km lang muss man das nicht haben. Die Hälfte reicht auch, dann hat man gesehen, wie es dort aussieht.

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Wer einen Teil der Strecke überbrücken will, um mehr Zeit für andere Gegenden und Städte zu haben, lässt einfach einen Abschnitt zwischen Roermond und Gent weg. Mit der belgischen Bahn geht das einfach, Platz genug für die Räder ist immer und der Flame stellt sein Velo auch gerne mal ins normale Abteil in den Gang. Kugelschreiber einpacken: Es ist dort erwünscht, dass man auf das Ticket, das am Rad hängt, den Namen einträgt.

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Café au Pavé RoubaixBrügge ist absolut unverzichtbar, wer sich das entgehen lässt, dem ist nicht zu helfen. Gent nimmt man mit, die Nordseeküste ebenso, selbstredend auch die ganze Region um Yypern herum und dann tobt man sich in den Vlaamse Ardennen aus, zwischen all den Hellingen zwischen Oudenaarde und Geraardsbergen und natürlich über sie hinweg. Katzenköppe hoch und runter knüppeln gehört dort einfach dazu und jene unter uns, die wir die mehrere Kilometer langen ostdeutschen Pavéabschnitte kennen, schrecken die Steine dort sowieso nicht.  In Magazinen und Berichten wird mehr daraus gemacht, als es tatsächlich ist.

rinder

Südlich an Brüssel vorbei und über das schöne Leuven fährt es sich sehr schön und auch mal durch einen Wald. Es bleibt reizvoll via St.Truiden und Tongeren durch den schönen Haspengau mit seinem Obstanbau, bis man durch saftiges Grün von Wiesen und Weideflächen durch das Geertal schließlich in Maastricht an der Maas ankommt. Das ist einen Stopp wert, wer sich noch einmal an Speise und Trank laben will, wird dort nicht enttäuscht.

Was danach kommt, winkt man am besten durch. Ist der Start/Zielort Aachen, wie das für viele der Bahnverbindung wegen der Fall ist, dann hat man gute 30 km Ödnis vor sich. Von Maastricht bis Aachen fährt man nämlich -wir erinnern uns: Nationalstraße- nur geradeaus. Abwechslung gibt es dabei nur vertikal. Einen Kilometer hinauf, einen Kilometer hinab. Auf und nieder, immer wieder. Aber immer geradeaus an der N278 entlang. Unglaublich auf die Nerven gehen einem dabei die Schilder, die sage und schreibe alle 100 Meter anzeigen, dass man gerade weitere 100 Meter zurückgelegt hat. Das hört gar nicht auf, zieht sich wie Kaugummi, ich hatte das oben bereits erwähnt. Nicht der schönste Abschluss eines Urlaubs, aber was will man machen?

Kommen wir abschließend zu einer weiteren, urlaubserprobten Verbraucherinformation. Keine 100, keine 70, keine 50 EUR kostet der Charge Spoon. Für schlappe 30.- EUR ist er zu bekommen und ich habe ihn auf dem Rennrad und auf dem Mountainbike nun über ein Jahr lang auf Fahrten bis ca. 200 km und über jedes Terrain bis hin zu grobem Schotter und Felsuntergrund getestet: Tadellos.

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Mich wundert es nicht, dass er auf britischen Versandhandelsseiten über 900 Bewertungen einfährt, die durch die Bank weg positiv sind. So viele gekaufte Rezensenten gibt’s dann doch nicht. Ein schöner Nebeneffekt der geschwungenen, abfallenden Form ist der seitliche Halt, den der Sattel bietet. Rutscht man mit dem Hintern auf Abfahrten hinter den Sattel, finden die Oberschenkel wie von selbst ihre „natürliche“ Position und klemmen sich fest.

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Der Sattel fällt mir beim Fahren einfach gar nicht auf und etwas Besseres kann ich darüber nicht sagen.

Damit wäre ich mit meinen Reiseerfahrungen und -empfehlungen zu Flandern durch. So in etwa zehn Episoden dürften das im vergangenen und diesen Jahr gewesen sein. Nun brauche ich Abwechslung und die nächsten Bilder erwarten euch dann aus den Dolomiten, aller Voraussicht aus dem Blickwinkel des Mountainbikefahrers. Hollaröhdulliöh! 

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4 Antworten zu Vlaanderen, Epilog und Outtakes (mal wieder)

  1. randonneurdidier schreibt:

    Deine Erfahrungen mit der Fronttasche/ Barbag kann ich genau so bestätigen. Am Rennrad bleibt recht wenig Platz zwischen den Bügeln. Ein Biwaksack, Regenjacke etc. passen aber durchaus hinein. Und dann ist mir die Kombi von Tasche an der Sattelstütze und Barbag allmal lieber als ein Rucksack. Spätestens nach 20 Stunden ist man den leid. Die Schultern schmerzen und der Rücken ist nass.
    all the best
    Dietmar

    • kreuzbube schreibt:

      Apidura bietet noch eine Tasche zur Ergänzung an, die an die eigentliche Tasche vorne dran geklickt wird. Die Verschlüsse sind bereits drangenäht. Damit hat man zusätzlichen Raum nach vorne. Wahrscheinlich wäre auch die größere Tasche am Rennrad geeigneter, auch wenn das paradox klingt. Seitlich ist man zwar noch wie vor begrenzt, aber der größerer Durchmesser der größeren Tasche nutzt den Platz nach unten und nach vorne womöglich besser.

      Hinterher ist man schlauer.

      Meine Agu Sport (oben im Bild) ist vom Platzangebot weit besser. Ohne Klickfix-Bügel und Halterung braucht man aber einen Frontgepäckträger. Man hat dann aber eine kleine Tasche vorne an ihr dran, seitlich zwei kleine, hinten zwei kleine und oben das Kartenfach. Man glaubt gar nicht, was man da unterbringen kann, jederzeit griffbereit zudem und ohne alles durchwühlen zu müssen.

  2. prieditis schreibt:

    Rucksack geht auch ;o)

    • kreuzbube schreibt:

      Neulich hatte ich carodames schweren Fotorucksack auf dem Buckel. Ich habe geschimpft wie ein Rohrspatz. Es bleibt mir ein Rätsel, wie man so fahren kann. Ich habe das Mitte der 90er mit voller Ladung auf dem Rücken zuletzt gemacht, einen Pass hoch bei 30° C…

      edit: Fast hätte ich’s vergessen. Es gibt Kühltaschen zur Bef… für am Lenker. Kosten nix, werden mit zwei Bändern am Lenker festgemacht.

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