Dickes B

Kaum beginnt die Zeit der Hawaiihemden und Flipflops den in hiesigen Breitengraden viel zu vielen Tagen und Wochen und Monaten der Gummistiefel und Outdoorfunktionsbekleidung zu weichen, da nimmt die Unendliche Rundfahrt wieder Fahrt auf. Zumindest im Norden und im Westen ist das so, dort, wo sie sich bislang entspannt und frei von lästiger Konkurrenz zurücklehnen konnten, um dem Gemetzel zuzuschauen, das die Kontrahenten in Mittel- und Ostdeutschland in ihrem Ringen um Etappensiege anrichteten. Nun können wir in besagtem Ost- und Mitteldeutschland unsererseits nur noch hilflos zuschauen, da alle hiesigen Etappen längst gefahren sind.

„Ahoi“, schreibt mir gestern Abend aus Aachen prieditis, wo er endlich den dortigen Bismarckturm für sich vereinnahmt hat, „Ahoi, der Turm steht auf einem Soldatenfriedhof. Darum hab‘ ich die letzten 100 m geschoben. Am Fahrkartenautomat das gleiche Spiel wie immer – Zug verpasst und 1,60 Wechselgeld in 5 Cent Münzen erhalten…“

Das gleiche Spiel wie immer muss ich kurz erklären. Es war nicht das erste Mal, das prieditis mit dem Rad in Aachen weilte. Wir waren bei beide schon zweimal zusammen da, denn Aachen war das Ein- und Ausfallstor für unsere Reisen durch Flandern. Wir haben das stets so einzurichten gewusst, dass wir Abends im Dunkeln auf den letzten Drücker von Belgien kommend die Niederlande durchquerten und durch Aachen Richtung Hauptbahnhof vordrangen. Am Fahrkartenautomaten waren wir dann so erfolgreich wie Dezernatsleiter Pilch in „Kottan ermittelt“ am Kaffeeautomaten, falls sich daran noch jemand erinnert. Den Zug haben wir jeweils verpasst, was den Abend umso offener gestaltet, wenn es der letzte Zug ist.

Doch das nur am Rande und um zu erklären, warum wir aus naheliegenden Gründen nicht des Nachts noch in den Wald geirrt sind, um den Bismarckturm zu suchen.

Bismarckturm Aachen

Bismarckturm Aachen

Dabei war der Bismarckturm Aachen schon immer mein heimlicher Favorit. Der Turm ist nichts anderes als ein großes B mit einer Krone drauf, die ursprünglich noch einen Reichsapfel trug, der aber verschwunden ist. Und er gehört nun prieditis, der ihn sich wahrlich verdient hat, denn auch diese Etappe hat er periodengerecht auf 25 Kilo schwerem Stahl, vorangetrieben über ein Kettenblatt und ein Ritzel und behutsam verzögert von einem Gummistempel auf dem Vorderrad, bewältigt. Sehr schön anzusehen sind auch die cremefarbenen Vredesteinreifen, die den Herstellernamen als Gummiprofil tragen. Damit kurbelt sich prieditis wieder an Twobeers vorbei auf Rang 6.

Wanderer Kurbel

Das aktuelle Gesamtklassement der Unendlichen Rundfahrt

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6 Antworten zu Dickes B

  1. Anneke schreibt:

    Das ist ja ein ausgefallener Turm, so als dickes B. Sehr schön, Turm, Rad, Wolkenfabriken…… 😉

  2. prieditis schreibt:

    ich hab auch ein paar zeilen geschrieben.

    http://prieditis.blogger.de/stories/2530628/

    heute ist übrigens tag des offenen denkmals. also bei der heutigen ausfahrt unbedingt ein schloss mitnehmen 😉

  3. kreuzbube schreibt:

    „Wer ein 23er Ritzel braucht, ist kein Bergfahrer.“ Marco Pantani (57 kg)

  4. carodame schreibt:

    Sensationell diese Etappe mit DIESEM wandervollen Fahrrad!

    • prieditis schreibt:

      Danke, danke, danke. Ich danke auch dem Rad, dass diese Etappe mit Bravour durchgestanden hat. Meine Knie indes tausche ich aus, die taugen nix ;o)
      Oder, falls ich nochmal in die Höhe gehe, muss ich mir zunächst noch ein 28 er Ritzel besorgen.
      Mit 46/28 sollten dann auch 12% fahrbar sein.
      Ich schreibe zu dieser Etappe aber noch einen Text…

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