Triple B – Bismarckturm Bad Berleburg

Irgendwer fährt immer, das ist das Schöne an der Unendlichen Rundfahrt. Es gibt immer was zu lesen und immer was zu schauen, auch wenn die eigenen Unterfangen ins Wasser fallen oder -wie derzeit- den wichtigen Dingen des Lebens weichen müssen.  So ein mehr oder weniger monothematischer Blog wieder dieser verzerrt ja alles. Am Ende denkt gar noch wer, dass sich mein Leben nur um die sich drehenden Räder dreht. Weit gefehlt. Umso besser, wenn die Rundfahrt durch die anderen Teilnehmer in Schwung gehalten wird. Einen Lauf hat derzeit Anneke, die den nächsten Etappensieg im Sauerland eingefahren hat. Das Team aus dem Norden hat eine Stallorder gewählt und setzt klar auf eine Fahrerin; eine Strategie, die den Erfolg nicht nur verspricht, sondern auch bringt. Die neben den 14 Etappensiegen errungenen 5 Sonderwertungspunkte schieben sie auf Rang 2 im Gesamtklassement. Helfer und Wasserträger Uwe dürfte eine Vertragsverlängerung winken.

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von Anneke

Zum 4. Mal nun waren wir im Sauerland, um an einem MTB-Marathon teilzunehmen. In diesem Jahr hängten wir erstmals noch ein paar Tage dran, zum auszurollen und das Sauerland kennenlernen. 

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Im Sauerland wartet die Bike-Arena mit 150 ausgearbeiteten Touren für Rennrad- und Geländerradfahrer auf. Höhenmeter, Fernsichten, Asphalt, Gelände, alles was das jeweilige Radfahrerherz begehrt. Aber auch der ein- oder andere Bismarckturm wartet hier noch auf den Unendlichen Rundfahrer. So wählen wir für den Dienstag die ausgearbeitete Bike-Arena-Tour „Die Höhen des Hochsauerlands“. Sehr schön, sehr anstrengend, aber irgendwie „vorgekaut“.  

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Für den Mittwoch habe ich eine bei GPSies selbst geklickte Bismarckturm-Rundtour auf dem Garmin: Von Winterberg über Bismarckturm Bad Berleburg wieder zurück nach Winterberg.

Mittwoch, 9. September 2015:  Da wir Urlaub haben, wird im Hotel erstmal üppig vom Buffet gefrühstückt. Um 11:00 Uhr sitzen wir auf den Rädern, der Kahle Asten (+841,9 m) ist unser Startpunkt, Wir sind sehr gespannt, auf welche Wege uns GPSies wohl schickt, das ist immer wieder überraschend. 

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Gleich nach dem Losfahren treffen wir auf eine Schafherde, die auf der Hochheide ihre Arbeit macht. Ich wusste bis dato nicht, dass es auch Hochheide gibt. Dann führt uns der Weg lustig, neckisch und verspielt zum Rothaarsteig. Ich bin begeistert, denn der Rothaarsteig steht irgendwo auf meiner Wunschliste (jetzt steht er oben an!) Den Abschnitt, den wir fahren dürfen, ist breit geschottert. Fahrtechnik ist hier nicht so erforderlich, dafür hat man Zeit die schönen Weitsichten in sich aufzusaugen. Herrlich! Vergnügt fahren wir weiter, sehen hie und da mal so was wie Kunst im Walde stehen.

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Aus dem Unterholz kommend stehen wir dann plötzlich vor „Ha! Baumhenge!“ (kleine Anspielung von Uwe auf Stonehenge. Stonehenge steht auf Uwes Wunschliste…) Die Skulptur „Baumhenge“ hat in Wirklichkeit die Bezeichnung „Stein-Zeit-Mensch“, sie besteht aus dicken Douglasienstämmen und einem 150 Tonnen schweren Felsbrocken, und ist wegen seiner Größe sehr beeindruckend. Die Skulptur wurde 2001 aufgebaut, die Stämme wurden mit der Zeit vom Baumpilz zerfressen und im letzten Jahr erneuert. 83.000 Euro hat dieser Austausch gekostet. Finde ich schon ein bisschen sehr viel Geld…

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Weiter geht es, mittlerweile über einen örtlichen Wanderweg, abwärts nach Bad Berleburg. Das Berleburger Schloss steht in voller Pracht vor uns. Anhalten, gucken, bewundern, fotografieren… und als ich mich umdrehe und über die Häuser in die Ferne schaue, da sehe ich doch… das Bismarcktürmchen!

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Doch erst essen wir zu Mittag. Im Seitenflügel vom Schloss ist ein Restaurant untergebracht, man kann draußen sitzen, die Sonne scheint… wir lassen es uns gutgehen bei Nudeln mit mediteranem Gemüse in Tomaten-Knoblauch-Rahmsoße, dazu ein leckeres, kühles Getränk, das Bismarcktürmchen immer im Blick. Klasse. 

Nach der ausgiebig genossenen Mittagspause machen wir uns dann auf dem Weg, um uns beim Bismarckturm zu bedanken, dafür dass es ihn gibt. Vom Schloss müssen wir natürlich erstmal ganz runter in den Ort, und von ganz unten geht es über die Bismarckstraße hinauf zum Bismarckturm. So ein Turm muss ja verdient werden. Die kleinste Gotterdämmerung-Bismarcksäule, mit 6,1 m Höhe, ist mein! 

Bismarckturm Bad Berleburg

Bismarckturm Bad Berleburg

Über Kammwege, den Rotmilan-Höhenweg und X-Wege geht es zurück in Richtung Winterberg. Kurz vor dem Erreichen des Parkplatzes kommen wir noch an eine merkwürdige Lichtung im Wald: der Rasen ist gemäht, neu angepflanzte Bäumchen stehen am Rand, Steine und Bänke stehen unsortiert rum.

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Eine Infotafel gibt Aufschluss: „Ein Femegericht“ flüstert Uwe fast ehrfurchtsvoll und klärt mich auf. Hier, am “Femegericht Freie Stuhl“ wurde früher Recht gesprochen. Aber nicht von einem ordentlichen Gericht, sondern illegal, in diesem Fall vom Freigraf und seinen Freischöffen. Zugang erhielt nur der, der das Losungswort der heimlichen Feme kannte. Wer schuldig befunden wurde, erhielt seinem Lohn durch den Strang, sofort, „an dem nächsten Baum den man haben mag“… was sich hier wohl für Verschwörungen und Dramen abgespielt haben? Unheimlich….

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Nach einer Weile fahren wir langsam weiter. Die Abfahrt zum Parkplatz wird nett verblockt und wurzelig, so holt uns der Fahrspass wieder ein und wir stehen kurze Zeit später grinsend beim Auto. Wieder einmal: Sehr schöne und interessante Unendliche Rundfahrttour.

Das aktuelle Gesamtklassement der Unendlichen Rundfahrt

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2 Antworten zu Triple B – Bismarckturm Bad Berleburg

  1. Anneke schreibt:

    Stallorder: Toni hat ja mal den Spruch in den Blog geworfen: „Happy Wife, happy life“…… so läuft das….. 😉

  2. kreuzbube schreibt:

    Kahler Asten! Ihr seid die ersten Menschen, die ich kenne, die auf dem Kahlen Asten waren. Sonst kennt man den ja nur vom Wetterbericht aus dem Radio. Ähnlich wie die Schmücke… Unter dem Sauerland konnte ich mir bislang auch wenig vorstellen, wie gut, dass ihr es ausgiebig bebildert habt. Die Unendliche Rundfahrt, besser als jeder Erdkundeunterricht.

    In Stonehenge war ich übrigens mal… dran vorbeigefahren. Im Westen Englands hatte ich ein etwas älteres Auto gekauft und dachte mir, jetzt wo der Motor mal läuft, nur nicht anhalten. Außerdem fuhren die alle auf der falschen Seite und mein Lenkrad und der Schalthebel waren auch auf der falschen Seite. Ein weiterer Grund, auf dem Motorway zu bleiben und nur nicht abzubiegen. Aber gesehen habe ich es. Was soll ich sagen, da ist halt ein freies Feld, wo Leute herumlaufen…

    (In Goseck in der Nähe von Naumburg gibt es übrigens ein 7000 Jahre altes Sonnenobservatorium, das viel älter ist als Stonehenge.)

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