Auf dem Jagdstern

whatwouldjensdoEin Jahr ist’s her, dass der Flaschengeist Voigte mich in denkwürdiger Manier motivierte, genauer gesagt in einer einzigen Schinderei durch Feld und Flur trieb, durch Kälte, Schneematsch und über Eis zwang, rauf zum Dom, runter zur Elbe, rauf an den Weinbergen vorbei, rauf durch den Wald bis zum Schloss, runter zum Bismarckturm und für meine stundenlange heldenhafte Darbietung ganz ohne Radschuhe, nur mit ein paar Clarks Desert Boots auf den Clickpedalen, noch nicht einmal Worte des Respekt und der Anerkennung finden wollte. In der diesjährigen Vorweihnachtszeit, so sagte ich mir, bekommt er dafür einen Denkzettel und bleibt in der Flasche. Kein „What would Jens do?“ dieses Mal.

Und weil es dabei auch bleiben sollte, war ich akribisch vorbereitet: Radschuhe dabei. Trinkflasche dabei. Helm dabei. Wirklich gar nichts vergessen diesmal, endlich einmal, ausnahmsweise, denn erst neulich beim Night Ride wähnte ich mit der Wintermütze den Helm auf dem Kopf, woraufhin ich mir eine Minute vor der Start kurzerhand einen neuen kaufte, will heißen: aus dem Regal nahm, denn Geld oder Karte hatte ich nicht dabei, was aber kein Problem war in Robert Försters Laden, „kommste einfach demnächst mal vorbei und bezahlst dann.“ 

lößnitzgrundbahnNein, diesmal bin ich komplett ausgerüstet und noch dazu ist carodame mit dabei, obwohl wir mit dem von ihr weniger geliebten Mountainbike auf die Runde wollen. Die Runde, das ist der vorweihnachtliche Ausflug nach Moritzburg, das ist Adventsstimmung, das ist Drei Haselnüsse für Aschenbrödel, weil dort gedreht; das ist die Dampflokomotive der Lößnitzgrundbahn, die von Radebeul nach Moritzburg und dann weiter nach Radeberg  schnaubt und stampft; das ist der Karl-May-Pfad hinunter nach Radebeul, wo der Autor begraben liegt; das ist Glühwein und Kuchen im Moritzburger Hofladen und nach der Kurbelei im Nasskalten dann auch noch die heißhungrig verschlungene Currywurst… das sind die vielen großen Teiche rund ums Schloss, die entstanden, als die ehemalige Sumpflandschaft vor Jahrhunderten trockengelegt wurde und wo man eine schöne 30 km lange Runde durch die Wälder unternehmen kann; das ist der einzige Leuchtturm Sachsens, den ich im vergangenen Jahr schon gezeigt habe und der dieses Jahr ausnahmsweise für eine Führung geöffnet war; das ist natürlich das inmitten des Wassers gelegene Märchenschloss, das ist der Tierpark mit seinen Flugschauen der Greifvögel, das sind all die schönen Steinskulpturen, die fast alle eins gemeinsam haben, nämlich dass sie den Mensch mit dem Hund zeigen, mit dem seine Zivilisationsgeschichte untrennbar verbunden ist;

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Und das ist schließlich der Jagdstern, wo wir gerade beim Hund waren.

Hellhaus Jagdstern Moritzburg

Hellhaus Jagdstern Moritzburg

Der Jagdstern durchzieht die alten Jagdgebiete im Forst von Moritzburg, unterteilt diesen symmetrisch und in seiner Mitte steht auf einer Anhöhe das Hellhaus. So schmuck das Schloss herausgeputzt ist, so heruntergekommen begegnet uns das Hellhaus. Heute eine Ruine, diente es einst der Jagd. Acht Schneisen durch den Wald zweigen strahlenförmig von ihm ab und durchziehen die Jagdreviere. Im Mittelpunkt der Helle, der Lichtung, auf dem besagten Hellhaus, standen die Jagdhelfer und zeigten durch Flaggen an, in welche Richtung sich das Wild bewegte.

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Die Jagdgesellschaft konnte auf den Schneisen schnell die Verfolgung aufnehmen und in alle Richtungen gelangen, in die das Wild floh. Wir hingegen jagen nur noch uns gegenseitig auf dem Rad durch den Wald, die Tiere sind längst im angrenzenden Tierpark einquartiert.

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Erneut passt diese Runde einfach perfekt in die Stimmung der Vorweihnachtszeit, wir sind einfach gerne dort unterwegs und die Zeit verfliegt sehr schnell. Für die Besichtigung des Schlossinnern ist es indes die falsche Zeit, denn da wollen so viele hinein, dass die Wartezeit an der Kasse locker eine Stunde beträgt. Das muss also warten bis zum nächsten Ausflug rund um Meißen, Dresden und Moritzburg irgendwann im kommenden Jahr. 

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Für einen Ausflug vor oder und um Weihnachten herum ist Moritzburg aber allemal ein schönes Ziel. Wer einmal romantisch mit Blick aufs Schloss übernachten möchte, kann eins der kleinen Häuschen mieten, die oben im Bild zu sehen sind. Radfahrer finden schnelle Verköstigung in der „Ausspanne am Leuchtturm„, eine Empfehlung sind dort die frischen Waffeln am Stiel. Kaffee und Kuchen munden im Hofladen in der Schlossallee, unweit des Schlosses und vis-a-vis des Sächsischen Landesgestüts Moritzburg, das jedes Jahr im September für die berühmte, vor bis zu 30.000 Zuschauern stattfindende Hengstparade verantwortlich zeichnet, womit ich, wenn ich so darüber nachdenke, schon den Anlass und Zeitpunkt für die nächste Ausfahrt dorthin weiß.

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4 Antworten zu Auf dem Jagdstern

  1. randonneurdidier schreibt:

    Du machst mir wieder Appetit auf „Kultursachsen“. Die Moritzburg werde ich mir dann im ersten Frühjahrslicht anschauen, vielleicht entdecke ich Dich ja als Schwanenwärter, oder gar Leuchtturmwärter.

    • kreuzbube schreibt:

      Du wirst es nicht bereuen, dorthin gefahren zu sein. Falls man von Süden reinkommt, überdies Schlossallee, fährt man kerzengerade auf das Schloss zu. Aus den anderen Richtungen jedoch sieht man es erst sehr spät, wenn man schon davor steht. Ist wirklich ein schöner Anblick. Und wer weiß, vielleicht fahre ich dann auch erneut dorthin und stehe dann wirklich vorm Leuchtturm…

  2. alex schreibt:

    …die kleine „Jagdhütte“/ Hellhaus gefällt mir, hat Charm. Könnte ich mir als Domizil vorstellen.

    • kreuzbube schreibt:

      Wäre auch meine Kragenweite und „Höfischer Schwanenwärter“ empfände ich als schöne Anstellung. (Das war der, der untern anderem auf dem Hellhaus stehend mit Flaggen die Flugrichtung des Wildes anzeigt). Vielleicht kann man das Hellhaus ja für einen EUR kaufen? Es ist seit vielen Jahren eine Ruine und offenkundig will es niemand sanieren.

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