Go go Quadzilla!

Oh no, they say he’s got to go go go Godzilla (Godzilla, Blue Oyster Cult)

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Man muss vielleicht von kleinauf Sport gemacht haben, alles mögliche an Sport, um dem etwas abgewinnen zu können: Diesem typischen Geruch, diesem unverwechselbaren Raumklima in Sporthallen, in ihren Gängen, Katakomben, und Umkleideräumen. Nicht unbedingt wohlriechend, von Duft wollen wir erst gar nicht reden, aber für mich hat es dennoch was, der Geruch der noch von der Anstrengung glühenden Leiber, der verschwitzen Sportsachen, der Geruch von Shampoo und frisch gefönten Haaren, das alles eingebettet in den wabernden, feuchtwarmen Dampf, den die Duschen erzeugen. Die immergleichen Spuren und Schrammen an Wänden und Türen, hinterlassen von den unzähligen kleinen und großen Sportlern, die sich dort entlang geschoben und aneinander vorbeigedrückt haben, auf dem Weg zu all den Sportgeräten, die in den verschiedensten Räumen herumstehen und in der großen Halle auf die Athleten warten. Vieles davon modernes Hightech-Zeugs, anderes beiseite gerückte Relikte vergangener Zeiten. Draußen, in der Zugluft zwischen Außeneingang und Hallentüren eine etwas verstaubte Vitrine mit Pokalen und Wimpeln; Stehtische, wo die Bockwürste und Biere vertilgt werden, die der Zuschauer damals wie heute zu sich nimmt. Dennoch sind die modernen Zeiten nicht zu übersehen, denn alternativ gibt es solche Sachen wie Huhn in Curry, oder Reis mit Asia-Gemüse das wäre früher natürlich undenkbar gewesen. Der Großteil der Hungrigen greift – zur Bockwurst. 

Die in der Halle herumstehenden Sportgeräte sind in diesem Falle Rennräder, Bahnräder für den Wettkampf und Straßenrennräder der teilnehmenden Sportler für die vormittägliche Trainingseinheit. Morgens 120 km, nachmittags dann Kräftemessen auf der Bahn. 

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Wir sind mal wieder in Frankfurt/Oder, wo auch dieses Jahr ein paar Tage vor Weihnachten die Deutschen Meisterschaften im Omnium stattfinden. Dass Omnium ein Mehrkampf ist, der sich aus den Disziplinen Scratch, Einerverfolgung, Ausscheidungsfahren, Zeitfahren, 250 m Sprint und Punktefahren zusammensetzt, hatte ich im vergangenen Jahr schon erklärt, ebenso, was es mit den Einzeldisziplinen auf sich hat. In diesem Jahr war in den Deutsche Meisterschaften noch ein wenig mehr Würze drin, denn es ging bei den Männern um den einen Startplatz für die Olympischen Spiele in Rio, der zu vergeben war. Durchsetzen konnte sich Roger Kluge, der das abschließende Punktefahren sozusagen punktgenau kontrollieren konnte. Ihm merkte man die Erfahrung an, der Mann hat 2008 immerhin schon Silber in Peking geholt.

Roger Kluge

Roger Kluge

Den Meistertitel konnte er also einheimsen, aber wenn ich es recht verstanden habe, war das noch nicht gleichbedeutend mit der Olympianominierung. Ein Kriterium der Entscheidung sei es zwar, ein gewichtiges noch dazu. Aber was in den Köpfen der Verbandsfunktionäre vor sich geht und unter welchen Gesichtspunkten die sich für oder gegen einen Sportler entscheiden, das weiß ich nicht. Ich schaue ja nur neugierig von außen hinein ins Geschehen und darf hier und da mal ein wenig weiter hineinschauen.

Das gilt auch fürs Sportgerät, unter anderem dem von besagtem Roger Kluge. Er hatte sein Rad für die 2016er Profisaison auf der Straße dabei. Die kleinen, unscheinbare Details verraten, wie weit Spitzensportler von den Freizeitradfahrern entfernt sind.

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In der Kurbel verbirgt sich Elektronik für die Leistungserfassung. An mehreren Messpunkten einer Umdrehung der Kurbel kann erfasst und ausgewertet werden, wie der Sportler in die Pedalen tritt. Nebenan standen noch weitere Hightechräder, bei einem davon konnte über die Kurbel sogar an jedem beliebigen Punkt der 360°-Umdrehung auf beiden Seiten eine Messung erfolgen. Da bleiben wenig Geheimnisse über den runden Tritt bestehen.

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Trotz aller Entwicklungen bei der Technik der Räder und den Möglichkeiten des Rahmenbaus, welche die heutigen Materialien erlauben, bleibt noch immer die Waage der unerbittliche Richter über die Teilnahme am Rennen. Ist das Rad zu leicht, darf es nicht auf die Bahn. Für die Überprüfung der vorgeschriebenen Rahengeometrie gibt’s eine Schablone, in die das Rad hineingestellt wird. Das geht innerhalb von einer Sekunde und schon weiß man, ob alles regelkonform ist.

Die Bedeutung der Leichtigkeit des Rades ist dabei relativ. Wichtig ist, dass die Kraft vom Hinterrad auf den Boden kommt. Da kann das Bahnrad durchaus auch ein wenig schwerer sein als es möglich wäre, vor allem wenn man sich anschaut, wer die Räder malträtiert.

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Denn zwischen den Disziplinen des Omnium fand ein Sprintwettberb statt. Das ist eine Sache für die Männer mit den dicken Oberschenkeln, den kräftigen Oberkörpern und ausgeprägtem Arm- und Schultermuskeln. Bergflöhe haben da nichts  zu suchen, hier werden mit brachialer Gewalt Kräfte entfesselt, die es in sich haben. Wir sehen hier die berühmten Oberschenkel von Robert Förstemann, aus naheliegenden Gründen Quadzilla genannt.

Robert "Quadzilla" Förstemann

Robert „Quadzilla“ Förstemann

Im Finale lieferte er sich ein Duell mit Maximilian Levy, das dieser knapp für sich entschied. Als regelmäßige und regelmäßig willkommene Leser dieses kleinen Blogs dürft ihr auf der Zielgeraden dabei sein:

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Maximilian Levy vor Robert Förstemann

Maximilian Levy vor Robert Förstemann

Weil es Ende Januar wieder heißen wird „Triff den kreuzbuben!“, und zwar beim Berlin Sechstagerennen, will ich euch abschließend die historische Entstehung des Madison verraten; die illustrierenden Fotos zeigen die Junioren Rico Brückner und Dominik Römer von der RSG Muldental Grimma (fast bei mir um die Ecke) bei ihrem Madisonrennen in der Frankfurter Oderlandhalle am 19.12.2016.  

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Benannt ist das Madison nach seinem Ursprungsort, dem legendären New Yorker Madison Square Garden, wo es 1899 seine Geburtsstunde erlebte. Und das begab sich so: In früheren Zeiten war ein Sechstagerennen tatsächlich noch ein Rennen, bei dem sechs Tage lang rund um die Uhr gefahren wurde. Angesicht des extremen Verausgabung und völligen Erschöpfung der Fahrer erließ der Gesetzgeber von New York 1898 eine Bestimmung, wonach kein Fahrer mehr als zwölf Stunden am Tag fahren dürfe.

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Der Veranstalter des Rennens im New Yorker Madison Square Garden, der gar keine Lust hatte, seine Halle für den halben Tag zu schließen, fand eine trickreiche Lösung. Er gesellte jedem Fahrer einen Partner an die Seite und schon konnten sie sich die Rennen teilen, die nach wie vor 24 Stunden andauerten. Der Schleudergriff entstand, der auch heute noch bei jedem Madisonrennen zu sehen ist und den man sich bei Rollschuhfahrern abschaute.

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Bei der Ablösung greift der um die Bahn rasende Fahrer die Hand seines Partners und schleudert diesen mit aller Kraft nach vorne. Fahrer 1 ruht sich ein paar Runden lang aus, sein Teamkamerad macht in dieser Zeit das Tempo. Bis zur nächsten Ablösung.

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All das könnt ihr Ende Januar beim Berliner Sechstagerennen 2016 hautnah erleben. Mit dabei sind auch Roger Kluge und Robert „Quadzilla“ Förstemann. Wenn das als appetizer noch nicht reicht: Bei den olympischen Spielen in Rio 2016 wollen auch Mark Cavendish und Bradley Wiggins im Madison antreten. 

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2 Antworten zu Go go Quadzilla!

  1. tinotoni67 schreibt:

    01.02. Berlin?

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