Ruhetag

„Wichtig sind auch die Kilometer, die Du nicht fährst“ meinte ein Freund zu mir. Der ist richtig fit, hat sich allerdings, seit er einen Windhund hat, mehr dem Laufen zugewendet. Keine Ahnung, was er am Marathon findet, aber so schlägt er zwei Fliegen mit einer Klappe: Der tägliche Auslauf des Hundes ist auch sein Auslauf. Früher, als Radsportler, hat er in Dreierpacks trainiert. Drei Tage hintereinander auf dem Rad mit verschiedenen Trainingsformen, zwei Tage Pause. Drei Tage Training, zwei Tage Pause. Das ganze drei Wochen lang, dann eine Woche (Rad-) Pause. Dann das Ganze von vorn. Das Dumme ist, dass man das als Werktätiger zeitlich nicht konsequent durchziehen kann. Für meinen Freund hingegen erfolgte mit Aushändigung des Diploms am Ende des Studiums sogleich der Übergang in das von mir erträumte Dasein als Privatier. Glück muss man haben.

Die zwei Tage Pause nach drei Tagen Training sind natürlich nicht an den Haaren herbeigezogen, denn nach hohen Belastungen braucht der Körper eine Regenerationszeit. 48 Stunden, so meinen Mediziner, „sollte man nach einem Intervall … pausieren, damit der Körper regenerieren kann.“ Nicht zuletzt und vor allem auch im Winter, weil diese 48 Stunden ein Zeitfenster seien, in welchem man anfälliger für Infekte ist. 

lindenallee

Ich, der ich bekanntlich durchaus empfänglich bin, meinem mangelnden Ehrgeiz zwecks Legitimierung einen wissenschaftlich nachgewiesenen Sinn aufzupfropfen, mache mir das gleich zu eigen. Ich habe zwar noch bis ins neue Jahr hinein frei, aber nach dem dritten Tag hintereinander auf dem Rad gönne ich mir nun einen ganzen Tag zum Verbummeln, an dem ich nur mit den Hunden spazieren gehe und am Abend ein bisschen was für Rumpfmuskulatur und Arme mache. Das gönne ich mir leichten Herzens, denn nach der Querfeldeinausfahrt, zu der der Kugelralf aufgerufen hatte, habe ich mir die Ruhepause verdient.

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Es ist immer wieder erstaunlich, wie man nach Jahr und Tag in der näheren Umgebung noch neue Wege entdecken kann – und wie diese infolge der Umgestaltung der hiesigen Seenlandschaften nach wie vor ständig neu entstehen. Man muss nur runter von der Straße und rollt in ein paar Metern Entfernung zu ihr in eine neue Radfahrwelt. Zwischen An- und Rückfahrt zum Treffpunkt hatten der Kugelralf und Silvio knapp 80 Kilometer Wege und Pfade gepackt, die zu einem guten Teil Neuland für mich waren. Sogar im Königreich Preußen waren wir.

Die Aufteilung war nicht minder perfekt. Einige Kilometer einrollen auf dem Asphalt, dann statt des Asphalts lieber den steilen, schmalen Stich hinauf zum 35 Meter hohen Aussichtsturm auf der Bistumshöhe am Cospudener See, wo sodann zum Ausgleichssport aufgerufen wurde: Runter vom Rad, rauf auf den Turm. Wie trostlos doch Belantis, der hiesige Freizeitpark, in dieser Jahreszeit und von oben aussieht.

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Belantis, nix los dort.

Ab da nehmen wir um alle weiteren Seen herum so weit wie möglich die offroad-Strecken, ob am Zwenkauer, am Kahnsdorfer, Hainer oder Störmthaler See. Den Mitfahrern gilt ein Lob, auf leichten und flachen Passagen bleibt das Tempo moderat, damit in schwererem Gelände, an Anstiegen oder Ortsschildern immer mal ordentlich Druck aufs Pedal kann. Das gilt vor allem über die Hochhalde Träges hinweg an der irre steilen Schotterkurve hinauf zur Treppe zum Erzgebirgsblick, an der direkt anschließenden Treppe selbst und sofort danach an der zweiten steil ansteigenden Kurve zum Turm hinauf. Übersetzungsbedingt aus ich mit dem Crosser um einiges mehr pressen als die Kollegen auf den Mountainbikes, bin aber selbst überrascht, wie gut das diesmal geht. 

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Einer wenigstens rudimentären Schnellerholung zwischen diesen Abschnitten machen die Wildschweine einen Strich durch die Rechnung, die haben den Weg nämlich gründlich umgepflügt.

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Hundertmal von vorne gesehen. Von hinten: ausgeweidetes Heizkraftwerk

Nach etwa drei Stunden merke ich, dass wir durchaus was getan haben und der Hunger meldet sich langsam, aber vernehmlich zu Wort. Erst nach dem Fahren nachweihnachtlich einzukehren statt unterwegs irgendwo zu halten, war eine gute Wahl und die Preise für unsere Verköstigung im Sportlerheim Störmthal ebenfalls. „Die Soljanka macht fünf, die Jäger- und Zigeunerschnitzel mit Pommes und Salat neun“, meint der Wirt. „Wir hatten aber jeder noch ein großes Radler“, meinen wir. „Ist schon mit drin“, meint der Wirt. 

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Milieugerechtes Neuseenland: Baggerschaufel statt Strandkorb

Silvio erzählt noch vom Trainingslager vor der Saison in südlichen Gefilden, in dessen Verlauf nach drei Tagen Training stets ein Ruhetag eingebaut ist. Der beginnt für mich jetzt, bei der zweiten Tasse Tee und mir geht gerade durch den Kopf, wovon ich euch demnächst mal was erzählen könnte: Vom zeitweiligen Rückgang der Nierenfunktion nach  körperlicher Anstrengung. Denn der Körper, der macht ja was er will und wenn man ihn nicht gut behandelt, macht er irgendwann, wenn’s dumm läuft, gar nichts mehr.

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