„Was mijn fiets niet“

Radsportwüste Deutschland. Die Bayernrundfahrt wurde unlängst beerdigt, andere Rennen wie die Leipziger Neuseenclassis (früher: Rund um die Braunkohle) sind ebenfalls schon zu Grabe getragen worden und auch unter den Sechstagerennen halten nur noch Berlin und Bremen die Flagge hoch. Aber was hilft es, zu jammern? Wenn die Leute nicht hingehen, dann kann das auch nichts werden. Unsereins stemmt sich natürlich dagegen: kreuzbube fiebert schon dem morgigen Besuch bei den Sixdays in Berlin entgegen. Derweil gehen die Unendlichen Rundfahrer carodame und prieditis, obwohl von Sturm und Dauerregen bis auf die letzte Faser durchnässt, mit Zehntausenden von Besuchern bei der Cyclocross-WM in Zolder/Belgien mit.

heiss und fettig

carodame und prieditis trotzen nass und kalt auf belgisch: mit heiss und fettig.

Bei belgischem Wetter wird dort alles geboten, was ein Cyclocrossrennen so viel spannender macht als Straßenradsport: Eine Stunde lang Vollgas, Pannen, Stürze, Defekte, Aufholjagden und das Publikum vor Ort ebenso wie jenes am Bildschirm ist jede Minute des Renngeschehens hautnah dabei. Der WM-Lauf der Männer hat dem in jeder Hinsicht entsprochen. Da ist Wout van Aert (21) schon vermeintlich abgeschlagen, nachdem ihm ein Konkurrent mit dem Fuß ins Vorderrad tritt und dort stecken bleibt, kämpft sich dennoch Runde für Runde wieder nach vorne, übernimmt gar die Führung, verliert sie kurz vor dem Ziel wieder an Lars van der Haar und setzt sich dann noch kürzer vor dem Ziel wieder die entscheidenden Meter ab. Währenddessen kämpft hintendran GOAT Sven Nys, mit fast 40 Jahren fast doppelt so alt wie der Sieger, bei seiner letzten WM um Bronze und wird am Ende im Kräfte zehrenden Schlamm respektabler Vierter.  Die highlights in fünf Minuten:

Einen veritablen Skandal hat es anlässlich der WM auch gegeben. Mit gerade einmal 19 Jahren hat sich die U23-Europameisterin Femke van den Driessche als Avantgarde des modernen, sprich: mechanischen Dopings präsentiert. Einen Elektromotor hat die UCI bei einem ihrer Räder gefunden, eingebaut ins Tretlager. Damit ist erstmals das bestätigt, was Greg LeMond bereits im vergangenen Jahr behauptet hatte: “I believe it’s been used in racing, I believe it’s been used sometimes in the Grand Tours.” Ex-Profi Davide Cassani hat ein solches Rad schon in einem Video präsentiert. Man sieht, dass man äußerlich nichts sieht – außer dem Drehen der Kurbel, nachdem man einen Schalter gedrückt hat. Cassini ist beeindruckt und meint, mit einem solchen Rad könne er auch mit seinen 50 Jahren noch eine Etappe beim Giro gewinnen.

Mit Spannung sehe ich den Ausreden entgegen, die auch in diesen Fällen des Betrugs wieder beste Unterhaltung bieten dürften. Nach kontaminierter Zahnpasta, versehentlich verspeisten verunreinigten Steaks und der EPO-Spritze, die die Sportlerin im  Kühlschrank eines Bekannten vorfand und sich einfach mal in den Allerwertesten jagte, weil es bestimmt gute Vitamine waren, eröffnet Teenager van den Driessche nun den Reigen beim Motor-Doping. Dem belgischen TV-Sender sporza.be sagte sie, das Fahrrad sei das eines Freundes und Trainingspartners gewesen, das sie diesem in der Vorsaison verkauft hätte. „Es ist das gleiche, das ich fahre. Ein Mechaniker muss es verwechselt und für mich verstaut haben“ so die junge Frau laut Eurosport. Etwas abgezockter sollte man schon sein, wenn man bescheißen will, denn eine im Raume stehende Geldstrafe von bis zu 180.000 EUR ist nicht unbedingt der beste Start ins Erwachsenenleben. 

 

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12 Antworten zu „Was mijn fiets niet“

  1. carodame schreibt:

    Sitze noch in Köln, trockne Kamera und Klamotten. Traumhafter Sport in Belgien. Was für ein herrliches Spektakel!

  2. traumradeln schreibt:

    Schöne Bericht, auch wenn wir auf das letzte Thema gerne verzichten würde. Danke dafür.

    • kreuzbube schreibt:

      Gern geschehen. Lug und Trug gibt es, seit es Menschen gibt. Überall. War so, ist so, wird so bleiben. Warum sollt das im Sport anders sein, warum sollte es im Radsport anders sein? Beachtlich finde ich nur, dass hier eine 19-jährige Juniorenfahrerin aufgeflogen ist. Damit hätte ich nicht gerechnet.

    • kreuzbube schreibt:

      Ach? Das passt. Nie und nimmer hat sie mit ihren 19 Jahren sich einen Minimotor besorgt und in Eigenregie ihr Rad umgebaut, ohne dass Familie und/oder Mechaniker das mitbekommen haben.

      • prieditis schreibt:

        Ich finde die Ausrede durchaus altersgerecht. „Das war schon so“, „Der Hund hat die Hausaufgaben gefressen“, usw.
        Der fragliche Mechaniker wird sich nun allerdings, um die Ausrede zu stützen, neu orientieren müssen.

      • kreuzbube schreibt:

        Aber wie kann das Umfeld die junge Frau vor die TV-Kamera lassen, damit sie sich dort um Kopf und Kragen redet?
        Schön war auch, wie Toupalik dachte, er habe das Rennen gewonnen und sich schon feiern ließ – eine Runde vor Schluss:

      • prieditis schreibt:

        ob nun schuldig oder nicht, ich wünsche ihr dennoch, dass sie den kübel häme (in belchien ist medial der teufel los), der sich über sie ergiesst, einigermaßen übersteht.
        und jetzt was anderes: wo krieg ich so nen motor her?

      • kreuzbube schreibt:

        Den Motor gibt’s in Österreich, bei Vivax. Dauerleistung 110 Watt extra für 90 Minuten. Passt in jeden Rahmen mit 30,9 oder 31,6 mm Rahmendurchmesser.

        http://www.vivax-assist.com/global/pdf/2014/vivaxassistTest_WOMB-E-MTB.pdf

        In ein paar Jahren, wenn die Technik Alltag und viel, viel billiger ist, wird keiner von uns mehr erkennen können, ob der vorbeiziehende Radsportkollege einfach nur fit ist oder ob er sich den Extraschub aus der tube gönnt.

    • Anneke schreibt:

      „Sjoemelfiets“ 😉

    • kreuzbube schreibt:

      Die Sache wird aber noch bizarrer: Besagter Bruder und ihr Vater sind derzeit angeklagt, weil sie in einer Zoohandlung zwei seltene Sittiche geklaut haben sollen:

      http://www.cyclingnews.com/news/van-…otorised-bike/

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