Liebling, mein Herz lässt Dich grüßen, 3

Ein weiterer Beitrag aus der beliebten Reihe „Fragen Sie Dr. Boeb“.

Wie alle wissen, ist das hier auch der Blog für jene, die leistungsmäßig gerne mal alle Fünfe gerade sein lassen. Dazu passt eine Studie, die belegt, dass viel nicht immer viel hilft. 55.000 Teilnehmer wurden an einem halben Dutzend medizinischer Fakultäten in den USA über einen Zeitraum von 15 Jahren hinweg untersucht. Die Fragestellung dabei lautete: Wie verändert sich das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall, periphere arterielle Durchblutungsstörungen) mit Aufnahme sportlicher Betätigung? Wie verändert sich die Sterblichkeitsrate?

Das Ergebnis: Die Sportmuffel wurden signifikant häufiger von den benannten Erkrankungen und auch vom Sensenmann eingeholt. Unter den Läufern hingegen machte es kaum einen Unterschied, ob einer in Maßen ein wenig an der frischen Luft vor sich hintrabte, oder ob er Pensum und Tempo verdoppelte und verdreifachte. Schauen wir uns das im Diagramm an.

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Quelle

In vertikaler Richtung wird die Häufigkeit der kardiovasklären Erkrankungen und Todesfälle angezeigt. Horizontal zeigen die Linien -von links nach rechts jeweils zunehmend- die Dauer und Zahl der Laufeinheiten, die  Länge der Laufstrecken und das angeschlagene Tempo an.

Den höchsten Punkt bei den Erkrankungen und beim Todesfallrisiko erreichen unter den Teilnehmern der Studie die Nichtläufer. Sobald sich die Teilnehmer zur Bewegung aufraffen, sinkt diese Kurve deutlich. Anschließend bleiben Veränderungen im vertikalen Verlauf der Kurven allerdings mehr oder weniger aus. Es macht keinen signifikanten Unterschied, wie lange einer läuft, wie weit er läuft, wie schnell er läuft. Die Verdopplung und Verdreifachung der Länge der Laufstrecke, der Laufdauer, die deutliche Erhöhung des Lauftempos, bringt in gesundheitlicher Hinsicht keinen Zugewinn. Wer drei Stunden läuft, wird nicht gesünder als jener, der nur eine Stunde läuft. Wer ein straffes Tempo anzieht, profitiert in gesundheitlicher Hinsicht nicht mehr davon als jener, der locker läuft. Für die Gesundheit des Herz-Kreislaufsystems macht es keinen Unterschied. Mehr ist nicht mehr. Mit zunehmender Trainingshäufigkeit (orangefarbene Linie) steigt die Kurve sogar wieder an.

Selbstredend besagt das nicht, dass mehr Training nicht einen besseren Trainingszustand, eine höhere Leistungsfähigkeit im Wettkampf mit sich bringt. Wer sich mit anderen messen will, muss dafür mehr tun. Aber darum ging es bei der Untersuchung nicht.  

An jene, die jetzt beruhigt zum zweiten Croissant greifen, noch einmal in Ruhe Kaffee oder Tee nachschenken und sich denken den Sportteil lesen reicht heute auch: Gern geschehen. 

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7 Antworten zu Liebling, mein Herz lässt Dich grüßen, 3

  1. randonneurdidier schreibt:

    Genau! Bewegen, schauen, genießen… locker bleiben! Niederkämpfen sollen sich gern die, die es besser (noch) nicht können.

    • kreuzbube schreibt:

      Ich habe nur die Information parat. Damit kann ein jeder anfangen, was er möchte. Gründe, Sport zu machen, in welcher Ausprägung auch immer, gibt es mehr als einen. Bisweilen sind sie vordergründig; wem es darum geht, ein bisschen was für die Gesundheit zu tun, der kann es guten Gewissens locker angehen lassen. Dass ich selbst bisweilen auch mal genau das Gegenteil davon tue, ist eine andere Sache.

  2. prieditis schreibt:

    Also, so ein Stück Buttercreme schmeckt nach dem Hungerast erst so richtig gut ;o)

  3. Anja Keller schreibt:

    Da bin ich doch glatt ein bisschen beruhigt. Raus; ja, gern und immer wieder, aber bitte ohne Leistungsdruck. Entdecken, genießen und etwas für die Gesundheit tun! Hilft ja auch … wie man liest. … Wo ist denn mein Croissant schon wieder hingekommen?! 😉

    • kreuzbube schreibt:

      Hej Anja, hast Du die Rennkarriere beendet? 😉 Ich liebäugle bisweilen mit Harald Schmidt’s Einstellung: „Sport? Lasse ich machen.“

      • Anja Keller schreibt:

        Das war nur ein sehr (heilender) kurzer Rennausflug im September. Ich fahre gern Rad, aber lieber für die Trödelfraktion und mit Entdeckerlust … das mit dem Wettkampfmodus überlasse ich sehr gern anderen 😉

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