Ohm ist zwecklos

„Mountainbikes, cross bikes, road bikes – I got them all, but the E-MTB is by far the most used one.“ Mike Kluge
***

Tja:

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Oder er hier, Steve Ballmer, Microsoft Vorstand im Jahr 2007, angesichts des damals neuen iPhones – bevor davon 900 Millionen verkauft wurden… $500 for a phone???? LOL … „und es hat nicht mal ein Keyboard, weshalb es für Geschäftskunden nicht in Frage kommt.“ 

Und schon wäre alles vom Tisch gewischt, was man meiner nicht sonderlich kühnen Prognose entgegen halten könnte: In allerallerspätestens zehn Jahren wird es quer durch die gesamte Bevölkerung das Normalste von der Welt sein, mit einem strombetriebenen Rad unterwegs zu sein. Ohne, dass noch jemand darüber nachdenken oder pro und contra diskutieren wird. Gut, ich räume ein, zu dieser Ansicht gehört nicht viel, sie liegt ja nahe.

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Man muss dazu nur mal in den Bergen unterwegs sein und schauen, wie viele E-MTBs unterwegs sind, teilweise in ganzen Gruppen, und welche Infrastruktur für sie bereits geschaffen wird.

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Im Flachland lassen sich die Zeichen aber ebenfalls leicht deuten, wie prieditis und ich zuletzt in den Niederlanden erkennen konnten. 

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Das Rad, mit dem Femke van den Driesch bei der Cyclocross-WM erwischt wurde, war kein ausgeklügelter Motordoping-Umbau. Man konnte das Rad von der Stange kaufen. Es war ein regulärer Carbon-Crosser von Wilier, Modell 101, in den ein auf das Innlager wirkender Elektromotor des österreichischen Herstellers Vivax eingebaut war. Die Akkus befinden sich im Sitzrohr und von außen sieht man: gar nichts. Es schaut aus wie ein ganz normales Querfeldeinrad – mit dem man unterwegs jeden aus dem Sattel fahren kann. Nicht mal sonderlich schwer ist es mit einem Gewicht von knapp unter 10 Kilo. 

Hersteller wie Rotwild forcieren das aktuell und stellen die verschiedenen Modelle, ob Cross-Country-Fully, Trail-Bike oder Enduro, jeweils in einer Version mit und ohne Motor vor.

Aber ich will ja auf etwas ganz anderes hinaus: In spätestens (Betonung: spätestens) 20 Jahren werden die Komponenten für Elektromotoren so billig und die Akkus so klein und leistungsfähig sein, dass sie in ausnahmslos jedem Rad verbaut sein werden. Serienmäßig. Ohne Aufpreis. Kein Rad mehr ohne. Rein mechanisch betriebene Fahrräder werden Schnee von gestern sein. So wie es heute schon längst keine Schwarzweiß-Fernseher mehr gibt, keine mechanischen Schreibmaschinen, keine Rechenschieber, keine Dampflokomotiven, keine Telegramme, keine-keine-keine… 

Ein paar Sammler werden weiterhin ihrem Hobby frönen und an historischen Rädern herumbasteln, wie andere an ihren alten Autos oder an ihrer Eisenbahnplatte. Aber für das Geldverdienen, fürs Volumen, für den Massenmarkt der neuen Räder, sprich, für 99 % der Konsumenten, wird das alles keine Frage mehr sein: Der Kunde wird nicht bereit sein, für sein Geld weniger zu bekommen und für etwas zu bezahlen, das fehlt.

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Wir werden die komplette Verschmelzung von Fahrrad und Motorrad erleben. Fahrräder bekommen einen elektrischen Antrieb hinzu,  bei  Motorrädern wandelt sich der Vebrennungsmotor zum Elektromotor. Am Ende steht ein zweirädriges, strombetriebenes Fortbewegungsmittel in verschiedenen Ausprägungen. Das Bike an die Ladestation zu hängen wird so selbstverständlich sein, wie es das heute beim smartphone ist.

So und nicht anders wird es sein. Will jemand dagegen wetten? Irgendein Steve Ballmer unter den Lesern?

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30 Antworten zu Ohm ist zwecklos

  1. bikingtom schreibt:

    Man wird sehen…eine spannende Entwicklung ist das allemal!

  2. kreuzbube schreibt:

    Man muss ja auch sehen, dass es gar nicht nur darum geht, dass man sich auf einmal nicht mehr anstrengen möchte. Vielmehr wird der Bereich dessen, was überhaupt fahrbar ist, plötzlich ganz weit noch oben verschoben. Denn wenn man mal eben eine Sprungschanze rauf muss…

    • prieditis schreibt:

      Wenn ich eine Sprungschanze hoch muss, dann setze ich mich neben Walther Röhrl in einen Audi S1. Der hats ja irgendwie vorgemacht, wie das geht. Aber vielleicht war das auch ein anderes Modell und ein anderer Fahrer, damals, im Werbefernsehen.

      Mir sind -persönlich- Menschen jenseits der 70 bekannt, die ihre spärliche freie Zeit erst durch die Anschaffung eines E-Bikes sinnvoll nutzen können. Fahrleistungen von jenseits der 6000 km/ Jahr werden da erbracht. Irre!

      In Trondheim hat man was gebastelt, um die Anstrengung am Berg zu minimieren..

      • kreuzbube schreibt:

        Darauf muss man erst einmal kommen… scheint mir aber viel zu langsam. Wie lange das dann dauert, bis der nächste rauf kann.

        Ganz anderes Ebike-Design. Van Moof.

  3. kid37 schreibt:

    Wenn die nur nicht so häßlich wären! Ich als Landpartiefahrer wäre im grunde bereit, aber die Dinger sind schon arge Trumms. (Von den Designstudien, die man aber nie im Verkauf sieht, abgesehen.) In meinem Fall ist allerdings vor allem das mehr an Sicherheit, auch jederzeit wieder nach Hause zu kommen, ein starker Anreiz.

    • kreuzbube schreibt:

      Nein, nein, das sind nicht alles solche Klopper! Es gibt mittlerweile längst Räder, die kein bisschen anders aussehen als ein ganz normales Rad. Mit dem Vivax Antrieb beipspielsweise ein beliebiges Rad nachrüsten. Der Elektromotor sitzt im Sitzrohr: Sattelstange raus, Antrieb rein, Sattelstange wieder rein. Der Motor wirkt dann mittels Verzahnung auf die Tretlagerwelle. Der Akku sitzt in der Trinkflasche oder in der Satteltasche. Man sieht keinen Unterschied. Gewicht ist je nach nach verwendetem Rad unter 10 Kilo. Auf diese Weise hat bei der letzten Cyclocross-WM eine junge Belgierin pimp my ride gespielt. Man sieht von außen nichts und der Weltverband kontrolliert seitdem die Räder mittels entsprechender tablets und apps.

      Hier mal ein Beispiel für ein aktuelles E-Rennrad, das man so im Laden kaufen kann:

      Ähnlich geht das für alle möglichen anderen Radtypen. Was wirklich Laune macht bei den e-bikes ist der Schub, der sofort einsetzt, weil der Elektromotor von Anfang an das volle Drehmoment hat. Wer das noch nie ausprobiert hat, wird von der Beschleunigung überrascht sein.

      • prieditis schreibt:

        Ohne Werbung werben zu wollen… Die Sp… äh, Italiener haben da ganz optisch ansprechende Dinger im Portfolio. Akku in der Aktentasche! Bei den papierlosen Büros heutzutage braucht man die Taschen ja sonst sowieso nicht mehr (Käsebrot indes passt noch hinein)…
        Velorapida heißt die Schmiede. Ich würde das Wanderer nicht eintauschen, aber optisch sind die schon recht nah dran. Und ich gebe dem Kreuzbuben recht: Tritt in die Pedale, nur bei geradeaus gerichtetem Lenker ;o)

    • prieditis schreibt:

      Oh, fast vergessen: Superpedestrian hat ein Hinterrad im Angebot:
      Copenhagen Dasz Wheel.
      Lollipoprot. Evtl. auch in Ringeln verkrijgbaar… äh, erhältlich

    • kreuzbube schreibt:

      Ich verlinke velorapida mal. Interessant ist der von der Universität Mailand entwickelte Zehus-Antrieb. Der soll beim Bremsen und Bergabfahren Energie rückgewinnen und theoretisch -je nachdem, wie viel man den Antrieb mitlaufen lässt- eine unbegrenzte Reichweite haben. Ob’s stimmt? Keine Ahnung.

      Ähnlich beim Copenhagen Wheel, einem Hinterrad, mit dem ganz normale Räder nachrüsten kann. Auch damit soll Energie rückgewonnen werden.

  4. prieditis schreibt:

    Der Trend aus Amsterdam:
    Sicherheitsweste mit, ich sag mal „Ordnungsamt“-Druck.
    Stecker in die Ladestation stöpseln und mit der Flex Räder knacken.

  5. prieditis schreibt:

    ich male mir gerade aus, wie das in der zukunft in bestimmten rad-foren diskutiert werden wird… „hömma, der lithium-ionen akku is aber nicht periodengerecht! die erste serie hatte noch blei! ich würde dir dringend raten, das zurück zu rüsten!“

    • kreuzbube schreibt:

      Ich muss unbedingt herausfinden, ob es vor 1987 ebikes gab (Bestimmt gab es da schon was. Zum Beginn des 20. Jahrhunderts fuhren ja auch Autos schon elektrisch) Wegen Bernard und der Eroica…

  6. kreuzbube schreibt:

    Die Entwicklung auf der Fahrradmarkt in der Statistik. Gezeigt wird der Anteil der jeweiligen Fahrradtypen am Gesamtmarkt und die Entwicklung zwischen 2009 und 2013. In 2014 und 2015 haben die Absatzzahlen der ebikes noch einmal stark angezogen, der Anteil ist heute höher als noch 2013. Interessanterweise haben Renn- und Crossräder um 40 % verloren, während die Zahlen bei den anderen Radtypen halbwegs stabil blieben. Das hätte ich nicht erwartet.

  7. MM schreibt:

    „Auf lange Sicht sind wir alle fett.“
    J.M. Keynes [so oder ähnliches]

    • kreuzbube schreibt:

      MotoGP-Rennfahrer (höchste Klasse beim Motorradsport) haben ein Gewicht so um die 65 kg. Beim mehrfachen Weltmeister Valentino Rossi ist das auf 1,82 m verteilt. Der aktuelle Weltmeister Jorge Lorenzo hat gerade einmal 55 Kilo, ist aber auch mit 1,70 deutlich kleiner. Und Marc Marquez, der wohl dieses Jahr den Titel holen wird, liegt auch knapp unter den 60 Kilo.

      • MM schreibt:

        Ja klar, die Sportler. Ich dachte eher an Otto-Normal-E-Motor-Nutzer, a la die Touristen beim flanieren mit segway oder der Kofferraumdeckel usw., usw. mit E-Motor. Überall der E-Motor als „Unterstützung“ (s.o. die Absatzahlen E-Bike) und die Zukunft als Homo Elektron mit den Folgen a la Wall-E.

      • kreuzbube schreibt:

        Naja, Otto-Normal-E-Motor-Nutzer hat auch vorher mit dem Rad weder Dauer noch Strecke noch Anstrengung absolviert, um auch nur in die Nähe einer Fettverbrennung zu kommen. Ich kenne ein paar Leute, die jetzt mit dem E-Bike erstmals überhaupt Ausflüge unternehmen.

        Abgesehen davon: Warum sollte beim Fortbewegungsmittel Zweirad irgendetwas anders sein als bei allen anderen Fortbewegungsmitteln? Der Mensch hat sich ja auch des Segels bedient, um sich bei der Überquerung von Fluß, See und Meer nicht am Ruder abplagen zu müssen. Oder denken wir an das Pferd, das ihn und seine Lasten Jahrhundert für Jahrhundert trug und zog.

  8. kreuzbube schreibt:

    Und mal ein ganz anderes Konzept. Das „Straßenfeger“. Minimalistisch, Antrieb in der Gabel!

  9. kreuzbube schreibt:

    Martyn Ashtons neues eMTB, seit er vom siebten Brustwirbel abwärts gelähmt ist:

  10. kreuzbube schreibt:

    Specialized mit einem Prototypen zur Zukunft des Rennrads:

    • prieditis schreibt:

      Aha, Colani?
      In den 80ern gab es mal eine Studie von Bimota. Vollverkleidetes Moped. Der Spitzname war Zahnpastatube, oder so. Ich hab da gerade ein Dejavu…

      Elektrobikes… haha… so ein Firlefanz… diese Funsportler… pfff

      • kreuzbube schreibt:

        Caterham (ja, der Sportwagenhersteller) Carbon e-MTB:

      • prieditis schreibt:

        Oha! Das Caterham Design erinnert an Meccano-Baukästen. Aber das ist bestimmt das Prinzip, dass man sich das Rad als Kit bestellt und selbst baut, so wie deren Autos.
        Jedenfalls finde ich das alles sehr interessant.

  11. alex schreibt:

    ….traurige Aussichten… *sadly*

  12. crispsanders schreibt:

    Nur das schlechte Wetter wird das E Bike bremsen.

  13. traumradeln schreibt:

    Nein, ich will nicht dagegen wetten. Bis es aber so weit ist, werde ich noch ein wenig „old fashioned“ ohne Acku herumradeln 😁.

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