Das eiskalte Händchen

Es ist immer das Gleiche. Gegen Ende Januar denke ich, das muss es doch so langsam gewesen sein mit dem Winter. Ich sehe bereits den Frühling vor der Tür stehen, dann kommt es, wie es kommen muss: Der Winter verlängert sein Gastspiel, bleibt den ganzen Februar über und gibt gerne im März noch Zugaben.

Eins der Probleme, die damit auf dem Rad einhergehen, sind kalte Hände, und dieses Problem hat der kreuzbube gelöst. In Zeiten wie diesen, in denen Blogger von Unternehmen bezahlt werden und man nicht weiß, ob Bewertungen und Rezensionen nicht ebenfalls aus der Feder der dafür bezahlten Schreiberlinge entspringen, ist es gut, dass es den kreuzbuben gibt. Hier wird ohne Schmu und Andienerei berichtet, was sich in der Praxis bewährt hat. Dabei will ich es weitgehend mit Hesse halten, der es sich bei seinen (etwa 3000!) Rezensionen zum Grundsatz machte, über -in seinen Augen- schlechte Bücher nicht zu schreiben.

Zur Abhilfe gegen kalte Hände. Je mehr Finger der Handschuh hat, desto kälter werden die Finger des kreuzbuben. Fausthandschuhe sind prinzipiell am wärmsten, beim Radfahren aber nicht ganz so gut zu gebrauchen, weil man schalten und bremsen muss, was man üblicherweise mit Zeigefinger und Mittelfinger tut. Meine bevorzugte Lösung sind lobster gloves. Jeweils zwei Finger wärmen sich gegenseitig.

Sealskinz Winter gloves

Das Schalten ist, wenn man Shimano fährt, zwar immer eine gewisse Fummelei, aber das nimmt man gerne in Kauf, wenn man nicht friert. Campagnolo-Fahrer sind im Winter im Vorteil. Weil bei Campa die beiden Schalthebel nicht eng nebeneinander liegen, sondern von oben der Daumen ins Spiel kommt, trifft es immer den richtigen.

gloves shimanogloves campa

Halte ich mir vor Augen, dass, wie unlängst in der FAZ berichtet, die Lohnkosten der in Fernost produzierenden Textilindustrie bei etwa 2 % des Produktpreises liegen, dann achte ich umso mehr darauf, dass ich nicht mehr als unvermeidbar ausgenommen werde. Beide Kriterien, Funktion und noch zu verschmerzender Preis, werden von den Sealskinz-Handschuhen erfüllt. Kalte Hände sind damit Schnee von gestern. Ich habe die Handschuhe diesen Winter getestet und kann nur über eins klagen: Sie sind zu warm. Sobald die Temperaturen ein wenig über den Gefrierpunkt steigen, werden die Finger leicht schwitzig. Auch zum Hundespaziergang sind sie zu gebrauchen. Für das Halten der Leine gilt das Gleiche wie beim Schalten und Bremsen, die Lobster-Handschuhe erlauben ein besseres Zufassen als Fäustlinge.

Gefahren habe ich die Handschuhe bislang bei Crosstouren bis minus 5, 6 Grad und das Ergebnis war sehr zufriedenstellend. Da wir dieses Jahr noch kaum Temperaturen im zweistelligen Bereich unter Null hatten, weiß ich nichts darüber zu berichten, wie die Handschuhe sich unter diesen Bedingungen verhalten. update Januar 2014: Bei der zuletzt von mir gefahrenen CTF lag unterwegs die Tiefsttemperatur bei -14 °C. Die Hände blieben warm. Eine gute Wahl trifft man, wenn man eine Nummer größer als normal nimmt, denn mehr Luft um die Finger bedeutet mehr Wärme als beim eng anliegenden Handschuh.

assosKeine schlechte Idee war auch die eines Herstellers, dessen Namen ich (siehe obige Ausführungen) hier nicht eigens erwähnen möchte, von dem ich aber so viel verraten kann, dass er mit A beginnt und mit s endet. Die Handschuhe sind ungefüttert und man zieht sie über den eigentlichen Handschuh, der für die Wärme zuständig ist, drüber.

Die Überhandschuhe halten Wind und Wasser ab und das Prinzip der zwei Schichten funktioniert – zunächst, denn es handelt sich offenkundig um einen Saisonartikel, den man nach einem Jahr wegwerfen soll. Zudem lassen sich die Überhandschuhe nur sehr fummelig über den eigentlichen Handschuh zu ziehen, da der Bund viel zu eng ist. Im Prinzip keine schlechte Lösung, wäre da nicht das Qualitätsproblem der sich öffnenden Nähte und ablösenden Beschichtung.

Abschließend ein paar Worte zu „wasserdichten“ Membranen. Früher oder später sind sie nicht mehr wasserdicht. Das gilt für Schuhe, mit denen man mal ein paar Wochen morgens mit dem Hund über nasse Wiesen gelaufen ist wie auch für all die Softshell-Produkte, die mit mit all den Membranen beschichtet sind, von denen die Etiketten an den Kleidungsstücken zeugen. Es ist eine Frage der Zeit, wann sie durchnässen. So ging es mir auch mit den lobster gloves. Die ersten hatte ich Mitte der 90er Jahre und sie hielten eine Zeitlang dicht, bevor sie im Regen zu einem nassen Klumpen an meiner Hand wurden. Ebenso erging es mir neulich mit meiner angeblich wasserdichten Radjacke, die nach einem Jahr des sehr angenehmen Tragens ihre Funktion als Regenjacke einstellte. Nach 30 Minuten im Regen hätte ich mir genau so gut einen Bademantel um den Leib wickeln können. Wasserdicht und atmungsaktiv geht scheinbar auf Dauer nicht. 

The biggest dirty little secret in the outdoor industry is that rain gear won’t keep you dry. It doesn’t matter if you buy a high-end $450 Arcteryx Gore-tex Parka or wear your bathrobe, they’ll both wet out in continuous rain and leave you soaking wet.

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5 Antworten zu Das eiskalte Händchen

  1. kreuzbube schreibt:

    Oh, ich meinte nicht, dass die Jacken gar nicht wasserdicht sind. Von meiner Softshelljacke war ich anfangs begeistert. Wasser perlte einfach ab. Nach etwa einem Jahr war es damit vorbei. Nach 30 Minuten Regenfahrt saß ich neulich triefend im Kaffee, die Jacke war 3 x so schwer… Sie hat das Wasser nicht nach innen durchgelassen, das nicht. Aber wie ein Schwamm hat sie sich vollgesogen und auch keine Feuchtigkeit mehr von innen nach außen durch gelassen. Offenkundig passiert das früher oder später, das Netz ist voll von solchen Berichten. Mittlerweile ziehe ich lieber ein dünne Hardshelljacke drüber. Die atmet zwar nicht, wird aber auch nicht zum nassen Lumpen.

    @prieditis: In einem Mountainbikeforum hatte einer seine Erfahrung mit „atmungsaktiven“ und „wasserdichten“ Softshelljacken so zusammengefasst:

    „Eine Regenjacke ist meiner Erfahrung nach nur dann atmungsaktiv, wenn es nicht regnet.“

  2. Rebekka schreibt:

    Ich hatte beim Vespafahren auch die Lobstervariante. War super. Beim Reiten bekomme ich lustigerweise immer [wie auch beim Schlittschuhfahren früher, und beim Spazieren gehen] nach kurzer Zeit mordswarme Finger, da reichen dünne R.oeckl oder ähnliches. [Trotz der quasi-Immobilität, die Bewegungen beim Reiten sind ja eher intern, auf die Muskeln bezogen!]

    Beim Laufen hab ich mir jetzt eine I.ntersport-Membran-Regenjacke gekauft und ich muss sagen: die hält schon gut dicht, nass von außen werde ich tatsächlich nicht. Ich bin allerdings bisher nur max. 45 Minuten unterwegs. Ob ich mehr schwitze, kann ich nicht so gut sagen, das scheint gleich zu bleiben…

    • prieditis schreibt:

      Speziell zur Vespa, da bevorzugte ich im Winter links Fäustlinge. Die linke Hand war ja immer nur offen und locker am Kupplungshebel aufgelegt (Klemmergefahr). Rechts war ein Fingerhandschuh, wg. evtl. Fummeleien am Benzinhahn, Kerzenstecker, etc.

  3. kreuzbube schreibt:

    Meine ganz hervorragenden Wanderstiefel, die von diesen Patrouillenleuten, sind aus Leder und bescheren mir bislang in Schnee und Matsch trockene Füße. Die untere Hälfte des Leders, dort wo man durchs Wasser stapft, ist gummiert, die obere hält das Wasser auch ohne Gummierung vom Innern fern. Die Goretexschuhe hatten unter diesen Bedingungen schon längst aufgegeben.

    Dieselhandschuhe, ja, so etwas kann die improvisierte Lösung sein. Unterwegs mit dem Mopped habe ich die Füße auch schon in Einkaufstüten gesteckt.

    Morgen früh muss ich schon wieder die schwere Entscheidung treffen: Sind zwei Grad plus schon zu warm für die Lobster Handschuhe? Die Dinger sind phänomenal und die 38,90 EUR gut angelegt. Im Motorradhandel gibt’s so welche gerade bei Polo für zehn EUR weniger, allerdings mit riesiger Stulpe.

  4. prieditis schreibt:

    Ich hab ja am Rande was mit Textilien, nicht wahr, und also, wie gesagt, was die Membrane betrifft
    (da hab ich auch gleich einen Bildtitel zu den Wielerklassiekers im Kopf: „die steile Wand von…“), also, was die Membrane betrifft, da hat mir mal ein Freund erzählt, er hätte während seines Werkstudentendaseins in Vietnam erkannt: Aussen und Innen gleiches Klima – Membrane top
    Ansonsten lieber Südwester tragen ;o)

    Beim Rollerfahren haben sich übrigens hervorragend bewährt:
    Dieselhandschuhe als „Pariser“ für die regulären Handschuhe. Zwei Haargummis fixieren diese dann auch ein klein wenig.

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